Was bedeutet eine Unterversicherung?
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Eine Unterversicherung liegt vor, wenn die Versicherungssumme niedriger ist als der tatsächliche Wert des versicherten Gegenstands oder Besitzes. Im Schadensfall reicht die vereinbarte Summe dann möglicherweise nicht aus, um den gesamten Verlust zu ersetzen. Das betrifft insbesondere Sachversicherungen wie die Hausratversicherung, Gebäude-, Gewerbe- oder Fahrzeugversicherungen.
Bei einer Überversicherung ist die Versicherungssumme dagegen höher als der tatsächliche Wert. Du zahlst dann möglicherweise eine höhere Prämie, erhältst im Schadenfall aber nicht automatisch mehr als den versicherten beziehungsweise ersatzfähigen Wert.
Wie entsteht eine Unterversicherung?
Eine Unterversicherung kann bereits beim Vertragsabschluss entstehen, etwa durch eine zu niedrige Schätzung oder eine bewusst gewählte Versicherungssumme. Sie kann sich aber auch später entwickeln, wenn sich der Wert des versicherten Besitzes verändert.
- Fehlerhafte Einschätzung: Der Wert von Hausrat, Gebäuden, Maschinen oder Fahrzeugen wird zu niedrig angesetzt.
- Wertsteigerungen: Immobilien, Sammlerstücke oder andere Gegenstände werden wertvoller, ohne dass du die Versicherungssumme anpasst.
- Neue Anschaffungen: Möbel, Elektrogeräte oder andere Gegenstände erhöhen den Gesamtwert deines Hausrats.
- Renovierungen und Erweiterungen: Bauliche Veränderungen können den Wert eines Gebäudes oder Betriebs erhöhen.
- Preissteigerungen: Inflation und gestiegene Wiederbeschaffungskosten können dazu führen, dass eine alte Versicherungssumme nicht mehr ausreicht.
Man unterscheidet daher zwischen anfänglicher Unterversicherung beim Vertragsabschluss und nachträglicher Unterversicherung durch spätere Wertänderungen.
Welche Folgen hat sie im Schadensfall?
Wird die Versicherungssumme im Verhältnis zum tatsächlichen Versicherungswert zu niedrig angesetzt, kann die Entschädigung proportional gekürzt werden. Ein Beispiel: Dein Haus hat einen Wert von 200.000 Euro, ist aber nur mit 100.000 Euro versichert. Bei einem Schaden von 50.000 Euro würdest du bei einer anteiligen Berechnung nur 25.000 Euro erhalten. Den verbleibenden Betrag müsstest du selbst tragen.
Die gleiche Logik zeigt eine Hausratversicherung: Beträgt der Wert deines Hausrats 40.000 Euro, die Versicherungssumme aber nur 30.000 Euro, entspricht der Versicherungsschutz 75 Prozent. Bei einem Schaden von 20.000 Euro könnten deshalb nur 15.000 Euro ersetzt werden. Ob und wie eine Kürzung erfolgt, richtet sich nach dem Vertrag und den Versicherungsbedingungen.
Wie berechnest du eine Unterversicherung?
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Für eine vereinfachte Beispielrechnung gilt:
Entschädigung = Versicherungssumme ÷ Versicherungswert × Schaden
Bei einer Versicherungssumme von 40.000 Euro, einem tatsächlichen Wert von 50.000 Euro und einem Schaden von 20.000 Euro ergibt sich: 40.000 ÷ 50.000 × 20.000 = 16.000 Euro. Die Differenz von 4.000 Euro bleibt in diesem Beispiel unersetzt.
Wie kannst du eine Unterversicherung vermeiden?
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- Überprüfe die Versicherungssumme regelmäßig, mindestens bei wichtigen Änderungen und möglichst einmal jährlich.
- Berücksichtige neue Anschaffungen, Erbschaften, einen Umzug, Renovierungen und gestiegene Wiederbeschaffungswerte.
- Dokumentiere besonders wertvolle Gegenstände und bewahre Rechnungen oder andere Nachweise auf.
- Lass die Versicherungssumme bei umfangreichem Hausrat, Immobilien oder Gewerbeobjekten fachkundig prüfen.
Bei der Unterversicherungsverzicht verzichtet der Versicherer im vereinbarten Umfang auf die Prüfung, ob eine Unterversicherung vorliegt. Dann kann der Schaden bis zur vereinbarten Versicherungssumme ersetzt werden, ohne dass die Entschädigung wegen einer Unterversicherung anteilig gekürzt wird. Die konkreten Voraussetzungen und Grenzen ergeben sich aus deinem Vertrag.
Unterversicherung in Hausrat- und Gewerbeversicherungen
In der Hausratversicherung solltest du den Neuwert deines gesamten Hausrats berücksichtigen. Besonders hochwertige Möbel, Kunst, Elektronik oder Sammlerstücke können die erforderliche Versicherungssumme deutlich erhöhen. In der Gewerbeversicherung zählen unter anderem Maschinen, Waren, Inventar und mögliche Kosten einer Betriebsunterbrechung. Veränderungen im Betrieb solltest du deshalb zeitnah melden und den Versicherungsschutz anpassen. Dazu können auch eine Betriebsunterbrechungsversicherung oder eine Inventarversicherung gehören.
Rechtlicher Hinweis
Für die Unterversicherung ist unter anderem § 75 VVG relevant. Danach kann sich die Entschädigung am Verhältnis zwischen Versicherungssumme und Versicherungswert orientieren. Entscheidend sind jedoch die konkrete Versicherungsart und die Bedingungen deines Vertrags. Prüfe deshalb, ob ein Unterversicherungsverzicht vereinbart ist und welche Voraussetzungen dafür gelten.
Eine Unterversicherung erkennst du daran, dass der tatsächliche Versicherungswert über der vereinbarten Versicherungssumme liegt. Regelmäßige Aktualisierungen und ein passender Vertragsumfang helfen dir, finanzielle Einbußen im Schadensfall zu vermeiden.
Weitere Begriffe wie Versicherungswert, Wiederbeschaffungswert und Feuer findest du im Versicherungslexikon.

