Du kannst deine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) kündigen, solltest diesen Schritt aber nicht überstürzen. Mit der Kündigung endet dein Versicherungsschutz. Außerdem bekommst du bei einer BU in der Regel keinen Rückkaufswert, weil sie als Risikoversicherung nicht dem Vermögensaufbau dient.
Was du vor der Kündigung prüfen solltest
Eine Kündigung kann nachvollziehbar sein, wenn dein Tarif nicht mehr zu deiner Lebenssituation passt, die Beiträge zu hoch sind oder du einen anderen Vertrag mit besseren Bedingungen gefunden hast. Auch ungünstige Klauseln, eine fehlende Nachversicherungsgarantie oder ein für dich unpassendes Leistungsniveau können Anlass sein, den Vertrag zu überprüfen.
- Vertrag: Prüfe Versicherungsjahr, Kündigungsfrist, Kündigungstermin und mögliche Mindestbeiträge.
- Versicherungsschutz: Überlege, welche finanziellen Folgen eine Berufsunfähigkeit für dich und deine laufenden Verpflichtungen hätte.
- Alternativen: Prüfe Beitragsstundung, Beitragsfreistellung, eine geringere BU-Rente oder die Anpassung einzelner Zusatzbausteine.
- Neuer Vertrag: Kündige den alten Schutz erst, wenn der neue Vertrag verbindlich angenommen und bestätigt ist.
Welche Fristen gelten?
Widerruf nach Vertragsabschluss
Nach dem Abschluss kann ein Widerruf möglich sein. Die Widerrufsfrist beginnt grundsätzlich erst, wenn du die erforderlichen Vertragsunterlagen und die Widerrufsbelehrung erhalten hast. Im ursprünglichen Inhalt werden hierfür meist 30 Tage genannt. Verlasse dich jedoch nicht pauschal auf diese Angabe, sondern prüfe die Unterlagen deines Vertrags.
Ordentliche Kündigung
Nach Ablauf der Widerrufsfrist gelten die Kündigungsbedingungen aus deiner Police. Eine ordentliche Kündigung ist häufig zum Ende des Versicherungsjahres möglich. Je nach Vertrag kann auch ein anderer Kündigungstermin oder eine bestimmte Frist gelten. Maßgeblich ist deshalb nicht eine allgemeine Faustregel, sondern die konkrete Vereinbarung mit deinem Versicherer.
Sonderkündigung bei Beitragserhöhung
Erhöht der Versicherer den Beitrag, ohne die Leistung entsprechend anzupassen, kann ein Sonderkündigungsrecht bestehen. Ob das in deinem Fall gilt und innerhalb welcher Frist du reagieren musst, ergibt sich aus der Mitteilung zur Beitragserhöhung und den Vertragsbedingungen. Im ursprünglichen Inhalt wird häufig eine Frist von einem Monat genannt. Prüfe die Angaben, bevor du kündigst.
Alternativen zur vollständigen Kündigung
Beitragsstundung
Bei einem vorübergehenden finanziellen Engpass kannst du deinen Versicherer nach einer Beitragsstundung fragen. Dabei setzt du die Zahlung zunächst aus und holst sie später nach. Ob der Versicherungsschutz während der Stundung bestehen bleibt, welche Kosten anfallen und wann du die Beiträge zurückzahlen musst, hängt von der Vereinbarung ab. Lass dir die Folgen schriftlich bestätigen.
Beitragsfreistellung
Bei einer Beitragsfreistellung zahlst du vorübergehend keine Beiträge. Der Versicherungsschutz kann dadurch vollständig entfallen oder sich deutlich verringern. Prüfe deshalb genau, welche BU-Rente nach der Freistellung noch versichert ist und ob eine spätere Wiederaufnahme möglich ist.
BU-Rente reduzieren
Wenn vor allem die monatlichen Kosten zu hoch sind, kann eine Reduzierung der versicherten BU-Rente infrage kommen. Dadurch sinkt meist auch der Beitrag, im Leistungsfall erhältst du aber weniger Geld. Die verbleibende Rente sollte deine wichtigsten laufenden Kosten weiterhin abdecken. Beachte außerdem mögliche Mindestbeiträge und vertragliche Grenzen.
Einzelne Bausteine anpassen
Statt den gesamten Vertrag zu beenden, kannst du prüfen, ob sich die Beitragsdynamik oder Zusatzleistungen ändern lassen. Eine gekündigte Beitragsdynamik kann dazu führen, dass sich Beitrag und versicherte Rente künftig nicht mehr automatisch erhöhen. Zusatzbausteine wie eine Arbeitsunfähigkeitsklausel lassen sich möglicherweise reduzieren oder entfernen. Ob das möglich ist, steht in deinem Vertrag.
Wechsel in einen anderen BU-Tarif
Ein Wechsel kann sinnvoll erscheinen, wenn dein aktueller Tarif ungünstige Bedingungen oder einen zu hohen Beitrag hat. Vergleiche jedoch nicht nur den Preis, sondern auch Leistungsvoraussetzungen und Vertragsklauseln. Achte unter anderem auf die abstrakte Verweisung, die Definition der Berufsunfähigkeit, Nachversicherungsmöglichkeiten und enthaltene Zusatzleistungen.
Bei einem neuen Vertrag musst du in der Regel erneut Gesundheitsfragen beantworten. Vorerkrankungen können zu einem höheren Beitrag, einem Leistungsausschluss oder einer Ablehnung führen. Die Gesundheitsfragen beziehen sich häufig auf bestimmte Zeiträume, im ursprünglichen Inhalt werden fünf Jahre für ambulante und zehn Jahre für stationäre Behandlungen genannt. Welche Zeiträume gelten, hängt vom Antrag und Versicherer ab. Beantworte alle Fragen vollständig und wahrheitsgemäß.
Wichtig: Kündige deinen bestehenden Vertrag nicht, bevor der neue Versicherer den Antrag verbindlich angenommen hat und der gewünschte Schutz tatsächlich feststeht. Andernfalls riskierst du eine Lücke oder musst dich später mit schlechteren Bedingungen zufriedengeben.
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So kündigst du deine BU
- Police prüfen: Notiere Versicherungsnummer, Kündigungsfrist und möglichen Beendigungstermin.
- Alternativen anfragen: Bitte den Versicherer um Informationen zu Stundung, Freistellung, Rentenreduzierung oder Tarifänderungen.
- Neuen Schutz sichern: Bei einem Wechsel wartest du die verbindliche Annahme des neuen Vertrags ab.
- Kündigung formulieren: Nenne deinen vollständigen Namen, deine Anschrift, die Versicherungsnummer und den gewünschten Kündigungstermin. Bitte um eine schriftliche Bestätigung.
- Nachweis aufbewahren: Sende die Kündigung so, dass du den Zugang nachweisen kannst, und bewahre eine Kopie sowie den Versand- oder Zustellnachweis auf.
- Bestätigung kontrollieren: Prüfe das vom Versicherer genannte Vertragsende und hake nach, wenn du keine Bestätigung erhältst.
Ob eine Kündigung per E-Mail, über ein Kundenportal oder nur in Text- beziehungsweise Schriftform möglich ist, richtet sich nach dem Vertrag und den Vorgaben des Versicherers. Nutze die dort genannte Form und beachte, dass eine Kündigung erst mit Zugang beim Versicherer wirksam werden kann.
Was passiert mit deinen Beiträgen?
Eine klassische BU ist normalerweise kein Sparvertrag. Deine Beiträge finanzieren den Versicherungsschutz und die Vertragskosten. Deshalb erhältst du bei einer Kündigung in der Regel keinen Rückkaufswert. Die bisher gezahlten Beiträge werden nicht einfach ausgezahlt. Entscheidend ist daher nicht nur die kurzfristige Beitragsersparnis, sondern vor allem der Verlust der Absicherung.
Wann Beratung sinnvoll ist
Wenn du wegen der Kosten, gesundheitlicher Veränderungen oder eines geplanten Anbieterwechsels kündigen möchtest, kann eine unabhängige Prüfung helfen. Ein Versicherungsmakler, ein spezialisierter Finanzberater oder bei rechtlichen Problemen ein Anwalt für Versicherungsrecht kann deinen Vertrag und mögliche Alternativen bewerten. Lass dir insbesondere bei einer neuen Gesundheitsprüfung erklären, welche Angaben erforderlich sind und welche Folgen ein Wechsel für deinen Schutz haben kann.
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Die wichtigste Regel lautet: Beende deinen bestehenden BU-Schutz nicht vorschnell. Prüfe zuerst die Vertragsfristen und Änderungsmöglichkeiten. Wenn du wechseln willst, muss der neue Vertrag sicher zustande gekommen sein, bevor du die alte Berufsunfähigkeitsversicherung kündigst.

