Bettlägerigkeitsgeschwüre werden medizinisch meist als Dekubitus bezeichnet. Sie entstehen, wenn über längere Zeit Druck auf eine Hautstelle wirkt und das Gewebe dadurch nicht ausreichend durchblutet wird. Besonders gefährdet sind Menschen, die sich nur eingeschränkt bewegen können oder dauerhaft im Bett beziehungsweise im Rollstuhl liegen.
Ein Dekubitus kann zunächst wie eine harmlose Hautveränderung aussehen, sich aber in tiefere Gewebeschichten ausbreiten. Deshalb solltest du auffällige Stellen früh beobachten und bei Veränderungen medizinischen Rat einholen.
Wie Bettlägerigkeitsgeschwüre entstehen
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Die wichtigste Ursache ist anhaltender Druck, etwa an Fersen, Knöcheln, Hüften, am Kreuzbein, an der Wirbelsäule oder an den Ellenbogen. Auch Reibung und Scherkräfte können die Haut zusätzlich belasten. Sie entstehen beispielsweise, wenn du im Bett nach unten rutschst oder beim Umlagern über die Unterlage gezogen wirst.
Das Risiko steigt, wenn du dich nicht selbstständig bewegen kannst. Weitere begünstigende Faktoren sind:
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höheres Alter und empfindlichere, dünnere Haut
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Erkrankungen oder Durchblutungsstörungen, die die Versorgung des Gewebes beeinträchtigen
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Feuchtigkeit durch Schwitzen oder Inkontinenz
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Mangelernährung oder eine unzureichende Eiweißzufuhr
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eingeschränktes Schmerz- oder Druckempfinden
Eine konsequente Druckentlastung ist deshalb sowohl für die Vorbeugung als auch für die Behandlung entscheidend.
Symptome und Warnzeichen
Kontrolliere gefährdete Hautstellen regelmäßig, besonders bei längerer Bettlägerigkeit. Früh kann eine anhaltende Rötung auftreten, die sich trotz Druckentlastung nicht zurückbildet. Auch eine ungewöhnliche Verfärbung, Schwellung, verhärtete oder wärmere Haut und eine veränderte Empfindlichkeit können Warnzeichen sein.
Mit zunehmender Gewebeschädigung können sich Blasen, offene Stellen oder tiefere Wunden bilden. Schmerzen sind möglich, werden aber nicht von allen Betroffenen zuverlässig wahrgenommen. Achte außerdem auf:
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zunehmende Rötung, Überwärmung oder Schwellung
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Blut oder Flüssigkeitsaustritt
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eitriges Sekret oder einen unangenehmen Geruch
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schwarz wirkendes oder abgestorbenes Gewebe
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Fieber, Schüttelfrost oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands
Diese Anzeichen können auf eine fortgeschrittene Wunde oder eine Infektion hindeuten. Lass sie zeitnah ärztlich beurteilen. Bei Fieber, starken Schmerzen, rascher Verschlechterung oder ausgeprägter Schwäche solltest du umgehend medizinische Hilfe holen.
Diagnose und Einstufung
Die Diagnose erfolgt zunächst durch die Untersuchung der Haut und des Wundbereichs. Fachkräfte beurteilen unter anderem Größe, Tiefe, Wundgrund, Wundrand und die umgebende Haut. Auch Beschwerden, Beweglichkeit, Ernährung, Feuchtigkeit und bisherige Maßnahmen spielen eine Rolle.
Zur Verlaufskontrolle werden die Wunde und ihre Veränderungen dokumentiert. Dazu können Messungen und – nach den geltenden pflegerischen Standards – Fotos gehören. Je nach Befund und Verdacht auf Komplikationen können Laboruntersuchungen, Abstriche oder bildgebende Verfahren hinzukommen. Sie sind nicht bei jeder oberflächlichen Druckstelle erforderlich.
Die Einstufung richtet sich danach, wie tief das Gewebe geschädigt ist. Oberflächliche Hautschäden unterscheiden sich von Wunden, bei denen tiefere Gewebeschichten, Muskeln oder Knochen betroffen sein können. Die genaue Beurteilung sollte medizinisches Fachpersonal übernehmen.
Behandlung von Bettlägerigkeitsgeschwüren
Die Behandlung richtet sich nach Tiefe, Ursache und Zustand der Wunde. Eine zentrale Maßnahme ist die konsequente Druckentlastung. Dazu gehören individuell geplante Positionswechsel, eine geeignete Lagerung sowie druckentlastende Matratzen, Kissen oder andere Hilfsmittel. Wie häufig und auf welche Weise du umgelagert wirst, hängt von deiner Haut, deiner Beweglichkeit und deinem Gesundheitszustand ab.
Wundversorgung
Die Wunde wird nach einem fachlich abgestimmten Plan gereinigt und mit einer passenden Wundauflage versorgt. Die Auflage soll das Wundmilieu unterstützen, Flüssigkeit aufnehmen oder regulieren und die Wunde vor äußeren Einflüssen schützen. Welche Versorgung geeignet ist, hängt unter anderem von Wundtiefe, Sekretmenge und Zustand der Haut ab. Eine Wunde solltest du nicht eigenständig mit beliebigen Mitteln behandeln oder kräftig reiben.
Abgestorbenes Gewebe kann die Heilung behindern und muss je nach Situation fachgerecht entfernt werden. Bei einer nachgewiesenen bakteriellen Infektion können Medikamente wie Antibiotika erforderlich sein. Schmerzmittel werden eingesetzt, wenn sie medizinisch angezeigt sind. Schwere oder komplizierte Wunden können einen operativen Eingriff notwendig machen.
Bewegung und Ernährung
Wenn es dein Zustand erlaubt, unterstützt schrittweise Mobilisation die Druckentlastung und den Erhalt deiner Beweglichkeit. Physiotherapeutische Übungen sollten an deine Kräfte angepasst und fachlich angeleitet werden.
Eine ausreichende Versorgung mit Energie, Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und Flüssigkeit unterstützt die normalen Reparaturprozesse des Körpers. Bei Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder Verdacht auf Mangelernährung kann eine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung sinnvoll sein. Nahrungsergänzungsmittel solltest du nicht ohne Abklärung einnehmen.
Vorbeugung im Alltag
Du kannst das Risiko eines Dekubitus durch mehrere aufeinander abgestimmte Maßnahmen senken:
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Wechsle deine Position regelmäßig nach einem individuellen Lagerungsplan.
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Nutze geeignete druckentlastende Hilfsmittel und lass ihre Anwendung überprüfen.
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Vermeide Ziehen und Reiben beim Umlagern; lass dir dabei gegebenenfalls helfen.
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Kontrolliere gefährdete Hautstellen regelmäßig.
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Halte die Haut sauber und trocken und behandle Feuchtigkeit schonend.
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Achte auf ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr.
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Bewege dich im Rahmen deiner Möglichkeiten und mit fachlicher Unterstützung.
Auch Angehörige sollten in Lagerung, Hautbeobachtung und den Umgang mit Hilfsmitteln eingewiesen werden. Pflegekräfte können den Verlauf dokumentieren und Maßnahmen im Team abstimmen.
Psychische Belastung und Unterstützung
Lange Bettlägerigkeit und eine schmerzhafte Wunde können frustrieren, isolieren und psychisch belasten. Sprich offen mit deinem Pflegeteam, deinen Angehörigen oder einer Beratungsstelle, wenn du dich niedergeschlagen, überfordert oder allein fühlst. Selbsthilfegruppen und psychosoziale Angebote können den Austausch erleichtern. Angehörige sollten ihre eigenen Belastungsgrenzen beachten und Unterstützung sowie Pausen einplanen.
Versicherung und Hilfsmittel
Die Krankenversicherung ist in der Regel für die medizinisch notwendige Behandlung zuständig. Über die Pflegeversicherung können – abhängig von Voraussetzungen, Einstufung und Verordnung – Pflegeleistungen oder bestimmte Hilfsmittel infrage kommen. Dazu können auch druckentlastende Produkte gehören.
Die Kostenübernahme ist nicht automatisch für jedes Produkt oder jede Leistung garantiert. Frag deine Arztpraxis, den Pflegedienst, die Krankenkasse oder Pflegekasse, welche Unterlagen und Verordnungen benötigt werden. Bewahre Befunde, Pflegeberichte, Verordnungen, Rechnungen und Bescheide sorgfältig auf. Bei unklaren oder abgelehnten Ansprüchen können unabhängige Patienten- oder Pflegeberatungsstellen weiterhelfen.
Wundmanagement zu Hause
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Wenn du eine Wunde zu Hause versorgst, halte dich genau an die Anweisungen des medizinischen oder pflegerischen Teams. Beobachte Größe, Farbe, Geruch, Sekret, Schmerzen und die Haut rund um die Wunde. Dokumentiere Veränderungen so, dass sie bei der nächsten Kontrolle nachvollziehbar sind.
Bei einer Verschlechterung, neuen starken Schmerzen, zunehmender Rötung oder Schwellung, Eiter, unangenehmem Geruch oder Fieber solltest du nicht bis zum nächsten Routinetermin warten. Eine frühe Behandlung kann verhindern, dass sich der Dekubitus weiter ausbreitet.
