Achalasie ist eine seltene Funktionsstörung der Speiseröhre. Der untere Speiseröhrenschließmuskel, auch LES genannt, entspannt sich beim Schlucken nicht ausreichend. Gleichzeitig ist die Eigenbewegung der Speiseröhre gestört. Nahrung und Flüssigkeit können sich deshalb stauen, statt in den Magen weitergeleitet zu werden.
Die Erkrankung entwickelt sich häufig schleichend und wird deshalb manchmal erst spät erkannt. Eine frühzeitige Abklärung anhaltender Schluckbeschwerden ist wichtig, weil unbehandelte Achalasie zu einer Erweiterung der Speiseröhre, Gewichtsverlust und Mangelernährung führen kann.
Achalasie: Ursachen und Häufigkeit
Die genauen Ursachen sind nicht abschließend geklärt. Vermutet wird ein Verlust beziehungsweise eine Schädigung bestimmter Nervenzellen in der Speiseröhre. Dadurch fehlen Signale, die den Schließmuskel entspannen. Auch autoimmunbedingte Prozesse, Infektionen und genetische Faktoren werden als mögliche Einflüsse untersucht. Eine eindeutige familiäre oder umweltbedingte Ursache ist jedoch nicht belegt.
Achalasie zählt zu den seltenen Erkrankungen. Im Ausgangstext wird eine Häufigkeit von etwa einer Neuerkrankung pro 100.000 Menschen und Jahr genannt. Männer und Frauen können gleichermaßen betroffen sein; meist tritt die Erkrankung im mittleren oder höheren Lebensalter auf. Bei Kindern und Jugendlichen ist sie selten.
Im Unterschied zu Reflux fließt bei Achalasie nicht vor allem Magensäure zurück. Das Hauptproblem ist, dass Nahrung an der Engstelle zum Magen nicht richtig passieren kann. Auch Tumore, Entzündungen oder andere strukturelle Veränderungen können ähnliche Beschwerden verursachen und müssen ausgeschlossen werden.
Typische Symptome
- Schluckbeschwerden: Nahrung und Flüssigkeit bleiben gefühlt in der Speiseröhre stecken. Anders als bei vielen anderen Schluckstörungen können sowohl feste als auch flüssige Speisen Probleme bereiten.
- Brustschmerzen oder Druckgefühl: Krämpfe der Speiseröhrenmuskulatur können Schmerzen verursachen, die teilweise in Rücken, Hals oder Arme ausstrahlen.
- Regurgitation: Unverdaute Nahrung oder Flüssigkeit kommt wieder hoch, besonders im Liegen oder nachts.
- Gewichtsverlust und Mangelernährung: Betroffene essen oft weniger oder meiden bestimmte Lebensmittel, weil Mahlzeiten Beschwerden auslösen.
- Völlegefühl und Blähungen: Aufgestaute Nahrung kann ein anhaltendes Druck- oder Völlegefühl verursachen.
Die Beschwerden können auch psychisch und sozial belasten. Gemeinsames Essen, Reisen oder berufliche Termine werden schwieriger, wenn du ständig auf die Nahrungsaufnahme achten musst. Unterstützung durch dein Umfeld oder eine psychologische Beratung kann dann sinnvoll sein.
Wie wird Achalasie diagnostiziert?
Ösophagus-Manometrie
Die Ösophagus-Manometrie gilt als zentrale Untersuchung. Dabei wird eine dünne Sonde über die Nase in die Speiseröhre eingeführt. Sie misst den Druck und die Muskelbewegungen beim Schlucken. Bei Achalasie zeigen sich typischerweise eine unzureichende Entspannung des unteren Schließmuskels und eine gestörte Peristaltik.
Endoskopie
Bei einer Endoskopie wird die Speiseröhre mit einer flexiblen Kamera untersucht. So lassen sich Entzündungen, Verengungen oder andere Veränderungen erkennen. Außerdem hilft die Untersuchung, einen Tumor oder eine mechanische Ursache der Beschwerden auszuschließen.
Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel
Beim Barium-Breischluck trinkst du ein Kontrastmittel, das auf Röntgenbildern sichtbar ist. Häufig zeigt sich eine verengte Passage am Übergang zum Magen und eine darüber liegende Erweiterung der Speiseröhre. Je nach Befund werden die Untersuchungen kombiniert.
Behandlungsmöglichkeiten
Achalasie lässt sich in der Regel nicht durch eine einzelne Maßnahme heilen. Die Behandlung soll den Druck am unteren Schließmuskel senken und die Passage von Nahrung erleichtern. Welche Methode geeignet ist, hängt unter anderem von Beschwerden, Alter, Gesundheitszustand und Befund ab.
Medikamente und Botox
Nitrate oder Kalziumkanalblocker können den Schließmuskel vorübergehend entspannen. Sie kommen eher bei milden Beschwerden oder dann infrage, wenn ein Eingriff nicht möglich ist. Nebenwirkungen und die begrenzte Dauerwirkung schränken ihren Einsatz ein.
Botulinumtoxin, kurz Botox, wird direkt in den Schließmuskel injiziert. Die Wirkung hält meist nur einige Monate an. Deshalb wird diese Behandlung eher bei älteren oder besonders risikobehafteten Betroffenen eingesetzt.
Pneumatische Dilatation
Bei der pneumatischen Dilatation wird während einer endoskopischen Untersuchung ein Ballon im Bereich des Schließmuskels aufgeblasen. Dadurch wird die Engstelle gedehnt. Die Methode kann wirksam sein, ist aber nicht immer dauerhaft; eine erneute Behandlung kann erforderlich werden. Zu den möglichen Risiken gehört ein Riss der Speiseröhre.
Heller-Myotomie und POEM
Bei der Heller-Myotomie durchtrennt der Chirurg die Muskelfasern des unteren Schließmuskels. Der Eingriff erfolgt häufig laparoskopisch über mehrere kleine Schnitte. Bei der peroralen endoskopischen Myotomie, kurz POEM, wird der Muskel über ein Endoskop durch den Mund behandelt. Äußere Schnitte sind dabei nicht erforderlich.
Beide Verfahren können die Nahrungspassage langfristig verbessern. Nach einer Myotomie oder POEM kann jedoch Reflux auftreten. Regelmäßige Nachsorge ist deshalb wichtig. Beschwerden können außerdem zurückkehren, sodass Folgebehandlungen notwendig werden können.
Risiken und Langzeitfolgen
Bleibt die Nahrung dauerhaft in der Speiseröhre liegen, kann sich die Schleimhaut entzünden. Die Speiseröhre kann sich stark erweitern; außerdem drohen Gewichtsverlust, Mangelernährung und nächtliches Einatmen von Nahrung oder Flüssigkeit. Im Ausgangstext wird auch auf ein erhöhtes langfristiges Risiko für Speiseröhrenkrebs hingewiesen. Die individuelle Gefährdung und geeignete Kontrollen solltest du mit deiner behandelnden Fachkraft besprechen.
Ein Speiseröhrenriss, etwa als Komplikation einer Dilatation, ist eine ernste Situation und erfordert sofortige medizinische Hilfe. Auch neue, starke Brustschmerzen oder deutliche Verschlechterungen solltest du unverzüglich abklären lassen.
Ernährung und Alltag
- Iss langsam, kaue gründlich und verteile deine Nahrung auf mehrere kleine Mahlzeiten.
- Weiche, pürierte oder gut gekochte Speisen sind häufig leichter zu schlucken als harte, trockene Lebensmittel.
- Kleine Schlucke Wasser während des Essens können die Passage erleichtern, sofern du sie gut verträgst.
- Bleib nach dem Essen aufrecht und lege dich nicht unmittelbar hin.
- Beobachte, welche Speisen Beschwerden oder Reflux verstärken, und besprich deine Ernährung bei Bedarf mit einer Ernährungsberatung.
Nach einer Behandlung richtet sich der Kostaufbau nach den Anweisungen des Behandlungsteams. Kontrolluntersuchungen helfen, den Erfolg zu beurteilen und Komplikationen oder wiederkehrende Beschwerden früh zu erkennen.
Achalasie bei Kindern
Bei Kindern ist Achalasie selten und kann sich unspezifisch mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust zeigen. Die Diagnostik umfasst auch hier meist Manometrie, Endoskopie und eine Kontrastmitteluntersuchung. Als Behandlung kommen unter anderem Dilatation, Heller-Myotomie oder zeitweise Botox infrage. Eine kindergastroenterologische Betreuung und regelmäßige Kontrollen sind wichtig.
Kosten und Krankenkasse
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Diagnostische Verfahren und etablierte Behandlungen werden häufig von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bei neueren oder nicht überall angebotenen Verfahren wie POEM solltest du die Kostenübernahme vorab mit deiner Krankenkasse und der behandelnden Klinik klären.
Die Kosten minimalinvasiver Eingriffe können je nach Klinik, Land, Methode und individueller Behandlung stark variieren. Im Ausgangstext wird für POEM oder eine laparoskopische Heller-Myotomie eine grobe Spanne von 5.000 bis 15.000 Euro genannt. Zusätzlich können Ausgaben für Nachsorge, Refluxmedikamente oder Ernährungsberatung entstehen. Verbindliche Angaben erhältst du nur von der Klinik und deinem Versicherer.
Ausblick
Mit einer passenden Behandlung und regelmäßiger Nachsorge können sich Schluckbeschwerden und Lebensqualität deutlich verbessern. Achalasie bleibt jedoch eine chronische Erkrankung, bei der Rückfälle oder Folgebehandlungen möglich sind. Wenn du wiederholt Schwierigkeiten beim Schlucken, Brustschmerzen oder das Hochkommen unverdauter Nahrung bemerkst, solltest du die Beschwerden ärztlich abklären lassen.
