Ösophagusvarizen sind erweiterte Venen in der Speiseröhre. Sie entstehen meist, wenn der Blutfluss durch eine erkrankte, häufig zirrhotisch veränderte Leber behindert ist. Dadurch steigt der Druck in der Pfortader (portale Hypertension) und das Blut sucht sich Umgehungskreisläufe. Die Venen in Speiseröhre und Magen können sich stark erweitern und reißen.
Eine Blutung aus Ösophagusvarizen kann lebensbedrohlich sein. Bluterbrechen, schwarzer Stuhl, Schwindel, Schwäche oder Kreislaufprobleme sind Warnzeichen. Bei solchen Beschwerden brauchst du sofort medizinische Hilfe. Die Behandlung richtet sich danach, ob noch keine Blutung aufgetreten ist, gerade eine Blutung behandelt werden muss oder bereits eine Blutung überstanden wurde.
Diagnose von Ösophagusvarizen durch ÖGD
Die Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD), auch Magenspiegelung genannt, ist das zentrale Verfahren zur Diagnose. Dabei untersucht das ärztliche Team Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm mit einem flexiblen Endoskop. Varizen lassen sich direkt erkennen, nach Größe und Ausprägung beurteilen und bei einer Blutung sofort behandeln.
Während der ÖGD achten die Fachleute unter anderem auf den Durchmesser der Varizen, ihre Form und auf rötliche Gefäßzeichen wie red signs oder cherry spots. Solche Veränderungen können auf eine erhöhte Blutungsgefahr hinweisen. Zusätzlich wird geprüft, ob die Blutung tatsächlich aus einer Varize stammt oder beispielsweise durch ein Magengeschwür, eine Entzündung oder einen Schleimhautriss nach starkem Erbrechen verursacht wird.
Ergänzend können Ultraschall, CT oder MRT zur Beurteilung der Leber, der Pfortader und des Blutflusses eingesetzt werden. Blutbild, Leberwerte und Gerinnungswerte helfen, die Gesamtsituation und mögliche Risiken einzuschätzen.
Blutungen vorbeugen: Primärprophylaxe
Wer Ösophagusvarizen ohne vorausgegangene Blutung hat, erhält je nach Größe, Aussehen und persönlichem Risiko eine vorbeugende Behandlung. Nicht-selektive Betablocker wie Propranolol oder Carvedilol können den Druck im Pfortadersystem senken. Die Auswahl und Dosierung müssen individuell angepasst werden, weil Blutdruck, Puls, Leberfunktion und mögliche Nebenwirkungen berücksichtigt werden müssen.
Bei Varizen mit hohem Blutungsrisiko kann eine endoskopische Gummibandligatur infrage kommen. Dabei wird die Varize über das Endoskop angesaugt und mit einem kleinen Gummiband abgebunden. Das Gewebe wird dadurch von der Blutversorgung abgeschnitten, vernarbt und verschließt sich. Die Ligatur gilt bei Ösophagusvarizen häufig als bevorzugtes endoskopisches Verfahren. Eine Verödung (Sklerosierung) wird eher eingesetzt, wenn eine Bandligatur technisch nicht möglich ist oder besondere Umstände vorliegen.
Ein wichtiger Teil der Vorbeugung ist außerdem die Behandlung der Grunderkrankung. Bei einer Leberzirrhose oder einer anderen Ursache der portalen Hypertension sollte die Behandlung konsequent erfolgen. Alkohol kann die Leber zusätzlich schädigen und sollte bei alkoholbedingter oder anderer fortgeschrittener Lebererkrankung nach ärztlicher Empfehlung gemieden werden.
Akuttherapie bei einer Varizenblutung
Eine akute Blutung wird im Krankenhaus behandelt. Zunächst wird der Kreislauf stabilisiert. Dazu können venöse Zugänge, Infusionen und bei Bedarf Blutprodukte erforderlich sein. Gleichzeitig werden Medikamente verabreicht, die den Blutfluss im Pfortadersystem reduzieren, etwa Terlipressin oder Somatostatin beziehungsweise ein entsprechendes Analogon. Bei Menschen mit Leberzirrhose wird häufig zusätzlich eine Antibiotikaprophylaxe eingesetzt, weil eine Blutung das Infektionsrisiko erhöht.
Die Blutstillung erfolgt möglichst rasch endoskopisch. Die Gummibandligatur ist dabei meist die Methode der Wahl. Wenn die Blutung endoskopisch nicht ausreichend kontrolliert werden kann, kommen vorübergehend Kompressionssonden oder ein selbstexpandierender Stent als Überbrückung infrage. Diese Maßnahmen ersetzen keine definitive Behandlung und erfordern eine weitere Versorgung in einem spezialisierten Team.
Nach einer Blutung: Sekundärprophylaxe
Nach einer überstandenen Varizenblutung besteht ein erhöhtes Risiko für eine erneute Blutung. Deshalb wird meist eine Kombination aus wiederholten endoskopischen Ligaturen und einer medikamentösen Behandlung mit einem nicht-selektiven Betablocker angestrebt, sofern dieser verträglich und medizinisch geeignet ist.
Die Bandligaturen werden in mehreren Sitzungen wiederholt, bis die behandlungsbedürftigen Varizen beseitigt oder deutlich reduziert sind. Anschließend sind je nach Befund weitere Kontrolluntersuchungen notwendig. Du solltest verordnete Medikamente zuverlässig einnehmen und Kontrolltermine wahrnehmen. Bei Nebenwirkungen oder Problemen mit der Einnahme musst du das behandelnde Team informieren, statt die Therapie selbst zu verändern.
TIPS bei wiederkehrenden oder nicht kontrollierbaren Blutungen
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Wenn Blutungen trotz Endoskopie und Medikamenten anhalten oder wiederholt auftreten, kann ein transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS) erforderlich werden. Dabei wird über eine Halsvene ein Katheter in die Leber vorgeschoben. Ein Stent schafft dort eine Verbindung zwischen Pfortader und Lebervene. Ein Teil des Blutes wird an der Leber vorbeigeleitet, wodurch der Druck im Pfortadersystem und in den Varizen sinkt.
TIPS kann Blutungen sehr wirksam kontrollieren, ist aber nicht für jede Person geeignet. Mögliche Komplikationen sind eine hepatische Enzephalopathie mit Verwirrtheit, eine Verengung oder ein Verschluss des Stents sowie eine Verschlechterung der Leberfunktion. Nach dem Eingriff sind regelmäßige Ultraschallkontrollen, Blutuntersuchungen und die Beobachtung auf neurologische Veränderungen erforderlich. Bei Verwirrtheit, Gelbsucht oder einer erneuten Blutung musst du umgehend ärztliche Hilfe suchen.
Warum die Ursache mitbehandelt werden muss
Die Varizen sind eine Folge des erhöhten Drucks im Pfortadersystem. Eine erfolgreiche Ligatur beseitigt daher nicht automatisch die Ursache. Die Behandlung der Lebererkrankung, der Verzicht auf leberschädigende Stoffe und die Kontrolle weiterer Risikofaktoren sind entscheidend, um Komplikationen zu begrenzen. Bei fortgeschrittener Lebererkrankung kann auch die Beurteilung in einem hepatologischen Zentrum oder die Prüfung einer Transplantation eine Rolle spielen.
Das Wichtigste im Überblick
- Die ÖGD erkennt Ösophagusvarizen, beurteilt ihr Blutungsrisiko und ermöglicht die direkte Behandlung.
- Zur Vorbeugung kommen abhängig vom individuellen Risiko Betablocker und endoskopische Gummibandligaturen infrage.
- Eine akute Blutung erfordert sofortige Krankenhausbehandlung, Kreislaufstabilisierung, Medikamente und rasche endoskopische Blutstillung.
- Nach einer Blutung sind wiederholte Ligaturen, geeignete Medikamente und regelmäßige Kontrollen wichtig.
- Bei nicht kontrollierbaren oder wiederkehrenden Blutungen kann ein TIPS den Druck in der Pfortader senken.
- Die zugrunde liegende Lebererkrankung muss parallel behandelt werden.
Welche Kombination geeignet ist, hängt unter anderem von Varizengröße, Blutungszeichen, Leberfunktion, Kreislauf und bisherigen Blutungen ab. Die Entscheidung gehört in die Hände eines erfahrenen gastroenterologischen, hepatologischen und bei Bedarf interventionell-radiologischen Teams.
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