Urtikaria, auch Nesselsucht genannt, zeigt sich meist durch plötzlich auftretende, stark juckende Quaddeln. Zusätzlich können tiefere Schwellungen, sogenannte Angioödeme, entstehen. Die Beschwerden können wenige Tage anhalten oder über Wochen immer wieder auftreten. Urtikaria ist nicht ansteckend und kann Kinder wie Erwachsene betreffen.
Symptome und Formen der Urtikaria
Quaddeln sind erhabene, gerötete oder hautfarbene Hautveränderungen. Sie können am ganzen Körper auftreten, ihre Form und Größe verändern und an einer Stelle verschwinden, während sie an einer anderen neu entstehen. Typisch ist der starke Juckreiz; manche Betroffene beschreiben außerdem ein Brennen oder Schmerzen.
Bei einem Angioödem schwillt tiefer liegendes Gewebe an, häufig an Lippen, Augenlidern, Händen oder im Gesicht. Eine Schwellung im Halsbereich kann die Atmung beeinträchtigen und ist ein Notfall.
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Akute Urtikaria: Die Beschwerden bestehen weniger als sechs Wochen und klingen oft innerhalb von Tagen oder Wochen wieder ab.
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Chronische Urtikaria: Die Symptome dauern länger als sechs Wochen an oder kehren wiederholt zurück. Bei der chronisch spontanen Form ist kein eindeutiger äußerer Auslöser erkennbar.
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Induzierbare Urtikaria: Die Quaddeln werden durch bestimmte Reize wie Kälte, Wärme, Druck, Reibung oder körperliche Anstrengung ausgelöst.
Bei Kindern treten ähnliche Symptome wie bei Erwachsenen auf. Infektionen oder Allergien können als Auslöser eine Rolle spielen. Bei Kindern müssen Medikamente besonders sorgfältig ausgewählt und dosiert werden.
Wann ist Urtikaria ein Notfall?
Bei Quaddeln oder Schwellungen mit Atemnot, Schwindel, Übelkeit oder Kreislaufproblemen solltest du sofort medizinische Hilfe holen. Diese Kombination kann auf eine schwere allergische Reaktion bis hin zu einer Anaphylaxie hinweisen. Wenn dir ein Notfallmedikament wie ein Adrenalin-Autoinjektor verordnet wurde, solltest du wissen, wie es angewendet wird, und es entsprechend den ärztlichen Vorgaben bei dir tragen.
Auch ohne Notfallzeichen ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll, wenn die Ursache unklar ist, die Beschwerden wiederkehren, sehr stark sind oder länger anhalten. Bei chronischer Urtikaria kann eine dermatologische oder allergologische Betreuung helfen.
Mögliche Ursachen und Auslöser
Bei Urtikaria setzen Mastzellen Botenstoffe wie Histamin frei. Dadurch erweitern sich Gefäße und Flüssigkeit tritt in das Gewebe aus. Warum dieser Vorgang ausgelöst wird, ist nicht immer feststellbar. Eine Urtikaria ist deshalb nicht automatisch eine Allergie.
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Allergische Reaktionen: Unter anderem Nahrungsmittel, Insektengifte oder Medikamente können Quaddeln auslösen.
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Medikamente: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder ASS sowie Antibiotika können beteiligt sein. Setze verordnete Medikamente nicht eigenständig ab, sondern besprich den Verdacht mit deinem Arzt.
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Infektionen: Vor allem bei akuter Urtikaria können Infektionen als Auslöser infrage kommen.
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Äußere Reize: Kälte, Wärme, Druck, Reibung, Sonnenlicht oder Schwitzen können bei bestimmten Formen die Beschwerden hervorrufen.
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Immunsystem: Bei chronischer Urtikaria können Autoantikörper und begleitende Autoimmunerkrankungen, etwa der Schilddrüse, eine Rolle spielen.
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Stress: Stress verursacht nicht jede Urtikaria, kann den Verlauf und den Juckreiz aber verstärken.
Lebensmittel oder Zusatzstoffe werden häufig als Ursache vermutet. Eine echte Nahrungsmittelallergie ist jedoch nicht die Erklärung für jede Urtikaria. Ein Symptom- und Ernährungstagebuch kann Zusammenhänge sichtbar machen. Größere oder längerfristige Ausschlussdiäten solltest du nicht ohne fachliche Beratung beginnen.
Wie wird Urtikaria diagnostiziert?
Am Anfang stehen deine Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung. Für die Diagnose sind unter anderem wichtig: Beginn und Dauer der Quaddeln, einzelne Auslöser, Medikamente, Infektionen, bekannte Allergien und Begleitsymptome. Fotos können hilfreich sein, wenn die Hautveränderungen bis zum Arzttermin wieder verschwinden.
Je nach Verdacht können Blutuntersuchungen, Allergietests oder Tests auf eine induzierbare Urtikaria folgen. Möglich sind zum Beispiel Haut- oder Bluttests; Provokationstests werden nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Bei chronischen Beschwerden können außerdem Untersuchungen auf Entzündungen, Schilddrüsenerkrankungen oder andere Ursachen sinnvoll sein. Ein Symptomtagebuch oder standardisierte Fragebögen helfen, den Verlauf und die Belastung im Alltag einzuschätzen.
Behandlung der Urtikaria
Die Behandlung richtet sich nach Form, Ausprägung und Verlauf. Wenn ein bestimmter Auslöser bekannt ist, sollte er möglichst vermieden werden. Bei chronischer spontaner Urtikaria lässt sich allerdings oft kein einzelner Trigger identifizieren.
Antihistaminika
Antihistaminika sind häufig die erste medikamentöse Behandlung. Sie blockieren die Wirkung von Histamin und können Juckreiz sowie Quaddeln reduzieren. Ältere Wirkstoffe machen teilweise müde; neuere Präparate sind oft weniger beruhigend. Eine Dosisanpassung bei chronischer Urtikaria darf nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Kortison und weitere Therapien
Kortisonpräparate können bei starken akuten Schüben kurzfristig eingesetzt werden. Eine längerfristige Anwendung ist wegen möglicher Nebenwirkungen keine Standardlösung. Wenn eine chronische Urtikaria auf Antihistaminika nicht ausreichend anspricht, kommen unter fachärztlicher Kontrolle weitere Therapien wie Omalizumab oder Ciclosporin infrage. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von deinem Befund und möglichen Risiken ab.
Cremes und Lotionen können die Haut beruhigen oder den Juckreiz vorübergehend lindern, ersetzen bei ausgeprägter Urtikaria aber nicht die ärztlich abgestimmte Behandlung. Duftstoffe, Alkohol in Pflegeprodukten und sehr heißes Duschen können gereizte Haut zusätzlich belasten.
Was du im Alltag beachten kannst
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Führe ein Symptom- oder Ernährungstagebuch und notiere Zeitpunkt, Dauer, mögliche Auslöser und Begleitbeschwerden.
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Vermeide bekannte Trigger wie Kälte, Hitze, Druck, Reibung oder bestimmte Medikamente nach ärztlicher Beratung.
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Trage lockere, atmungsaktive Kleidung und nutze milde, möglichst parfümfreie Pflegeprodukte.
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Kühle Umschläge können den Juckreiz vorübergehend lindern. Kratzen verstärkt die Hautreizung.
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Achte auf Stress und Schlaf: Chronischer Juckreiz kann den Schlaf, die Stimmung und die Lebensqualität beeinträchtigen.
Bewegung ist nicht grundsätzlich verboten. Wenn Wärme, Schwitzen, Kälte oder Druck Beschwerden auslösen, solltest du die Belastung anpassen und ärztlich klären, welche Aktivitäten für dich geeignet sind.
Urtikaria in Schwangerschaft und Stillzeit
Während Schwangerschaft und Stillzeit solltest du jedes Medikament mit deinem Arzt oder deiner Ärztin abstimmen. Auch frei verkäufliche Mittel und pflanzliche Präparate sind nicht automatisch geeignet. Kühle Umschläge und eine reizarm gepflegte Haut können unterstützend helfen. Informiere die behandelnde Praxis über alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die du einnimmst.
Psychische Belastung ernst nehmen
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Ständiger Juckreiz, sichtbare Quaddeln und die Sorge vor neuen Schüben können psychisch belasten. Schlafprobleme, Rückzug, Angst oder depressive Stimmung solltest du ansprechen. Entspannung, passende Bewegung, der Austausch mit anderen Betroffenen und bei Bedarf psychotherapeutische Unterstützung können den Umgang mit der Erkrankung erleichtern.
Wichtig bei Sport und Auslösern
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Bei manchen Menschen lösen körperliche Anstrengung, steigende Körpertemperatur oder kaltes Wasser Beschwerden aus. Beobachte, unter welchen Bedingungen Quaddeln entstehen, und besprich auffällige Reaktionen mit deinem Arzt. Treten beim Sport zusätzlich Atemnot, Schwindel oder Kreislaufprobleme auf, beende die Belastung und hole sofort medizinische Hilfe.
