Berufsunfähigkeitsversicherung mit Verzicht auf Karenzzeit – Das solltest du wissen!

Berufsberater und Kunde im Gespräch im Büro

Berufsunfähigkeitsversicherung mit Verzicht auf Karenzzeit – Das solltest du wissen!

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Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit Verzicht auf Karenzzeit kann deine finanzielle Absicherung verbessern, weil die vereinbarte Wartezeit bis zum Beginn der BU-Rente entfällt. Dafür ist der Beitrag häufig höher als bei einem vergleichbaren Vertrag mit Karenzzeit. Ob sich der Verzicht für dich lohnt, hängt vor allem von deinen Rücklagen, deiner Einkommenssituation und den konkreten Vertragsbedingungen ab.

Das Wichtigste zur BU ohne Karenzzeit

  • Die Karenzzeit ist eine vertraglich vereinbarte Zeitspanne, in der trotz anerkannter Berufsunfähigkeit noch keine BU-Rente gezahlt wird.
  • Übliche Karenzzeiten liegen je nach Tarif beispielsweise zwischen sechs Monaten und zwei Jahren.
  • Eine längere Karenzzeit kann den Versicherungsbeitrag reduzieren, vergrößert aber die finanzielle Lücke im Leistungsfall.
  • Ohne Karenzzeit beginnt die Leistung nach den im Vertrag festgelegten Voraussetzungen, sobald der Versicherer die Berufsunfähigkeit anerkannt hat.
  • Ob eine Karenzzeit vereinbart ist, findest du vor allem im Versicherungsschein und in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB).

Was bedeutet Karenzzeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Karenzzeit ist eine Wartezeit zwischen dem Eintritt der Berufsunfähigkeit und dem Beginn der Versicherungsleistung. Hast du beispielsweise sechs Monate Karenzzeit vereinbart, wird die BU-Rente nicht bereits ab dem ersten leistungsberechtigten Tag gezahlt. Der genaue Beginn richtet sich nach dem Vertrag und der dort definierten Berechnung. Bei einer Karenzzeit von sechs Monaten beginnt die Zahlung grundsätzlich erst nach Ablauf dieser sechs Monate.

Entscheidend ist nicht allein der Zeitpunkt einer Diagnose. Maßgeblich ist, wann die vertraglichen Voraussetzungen für Berufsunfähigkeit erfüllt sind und der Versicherer den Anspruch anerkennt. Dazu können unter anderem Vorgaben zum Grad und zur voraussichtlichen Dauer der Berufsunfähigkeit gehören. Lies deshalb die Regelungen zum Leistungsbeginn genau, statt dich nur auf die Bezeichnung „Karenzzeit“ zu verlassen.

Unterschied zwischen Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit

Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit sind nicht dasselbe. Bei einer Arbeitsunfähigkeit kannst du vorübergehend nicht arbeiten. In Deutschland besteht zunächst in der Regel Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber; anschließend kann Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse folgen. Das Krankengeld ersetzt das bisherige Einkommen meist nicht vollständig.

Berufsunfähigkeit bezieht sich dagegen auf die Fähigkeit, deinen zuletzt ausgeübten Beruf weiter auszuüben. In vielen BU-Verträgen wird dafür unter anderem darauf abgestellt, ob du deinen Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst. Welche Voraussetzungen gelten, steht in deinem Tarif. Die Karenzzeit betrifft die BU-Leistung und ist nicht mit der Lohnfortzahlung oder dem Krankengeld gleichzusetzen. Ob sich diese Leistungen zeitlich überschneiden oder wie sie angerechnet werden, ergibt sich aus den jeweiligen Bedingungen.

Wie lang kann eine Karenzzeit sein?

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Die Dauer der Karenzzeit wird bei vielen Tarifen vertraglich festgelegt und kann je nach Anbieter unterschiedlich gewählt werden. Häufig kommen Zeiträume von sechs Monaten bis zu zwei Jahren vor. Eine Karenzzeit von zwölf Monaten bedeutet, dass du im Fall einer anerkannten Berufsunfähigkeit zunächst ein Jahr ohne BU-Rente überbrücken musst.

Manche Verträge enthalten außerdem eine additive Karenzzeit. Dabei kann eine bereits abgelaufene Wartezeit bei einer erneuten Berufsunfähigkeit berücksichtigt werden, wenn die vertraglichen Voraussetzungen erfüllt sind. Das kann beispielsweise von der Ursache oder dem Zusammenhang zwischen den Leistungsfällen abhängen. Ob und wie eine solche Regelung gilt, steht ausschließlich in den konkreten Versicherungsbedingungen.

Vorteile einer BU ohne Karenzzeit

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Die finanzielle Lücke fällt kleiner aus

Der wichtigste Vorteil ist, dass keine zusätzliche vertragliche Wartezeit zwischen dem Leistungsbeginn und der Auszahlung der BU-Rente liegt. Wenn dein Anspruch anerkannt ist und alle weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, musst du nicht zusätzlich mehrere Monate oder Jahre auf die vereinbarte Rente warten. Das kann besonders wichtig sein, wenn dein Einkommen kurzfristig wegfällt und deine Rücklagen begrenzt sind.

Eine BU ohne Karenzzeit kann dir helfen, laufende Kosten wie Miete, Kredite oder den Lebensunterhalt besser zu finanzieren. Sie ersetzt nicht automatisch jede Einkommenslücke, denn die konkrete Leistung hängt von der versicherten Rentenhöhe und den Vertragsbedingungen ab. Sie verhindert jedoch die zusätzliche Wartephase, die ein Vertrag mit Karenzzeit vorsieht.

Mehr Planbarkeit bei unsicherem Einkommen

Für Selbstständige und Menschen mit schwankendem Einkommen kann eine Karenzzeit besonders schwer zu überbrücken sein. Auch bei geringen Rücklagen oder hohen laufenden Verpflichtungen ist eine möglichst frühe Leistung häufig wichtiger als ein niedrigerer Beitrag. Der Verzicht auf die Karenzzeit kostet möglicherweise mehr, kann aber die finanzielle Planung im Leistungsfall erleichtern.

Nachteile einer Karenzzeit und mögliche Ausnahme

Der Nachteil liegt auf der Hand: Während der Karenzzeit besteht trotz Berufsunfähigkeit kein Anspruch auf die vereinbarte BU-Rente. Wenn dein Einkommen bereits weggefallen ist, musst du diese Zeit aus Rücklagen oder anderen verfügbaren Leistungen finanzieren. Je länger die Wartezeit, desto größer ist das Risiko einer finanziellen Belastung.

Eine Karenzzeit kann dennoch zu deiner Situation passen, wenn du über ausreichend liquide Rücklagen verfügst, um die vertragliche Wartezeit sicher zu überbrücken. Dabei solltest du nicht nur deine monatlichen Lebenshaltungskosten berücksichtigen. Auch laufende Kredite, Vorsorgebeiträge, Steuern und unerwartete Ausgaben können die Rücklagen belasten. Entscheidend ist, ob das Geld tatsächlich verfügbar ist und nicht bereits für andere Ziele benötigt wird.

Wie beeinflusst die Karenzzeit den Beitrag?

Eine längere Karenzzeit kann den Beitrag einer BU senken, weil der Versicherer im Leistungsfall für einen längeren Zeitraum keine BU-Rente zahlen muss. Wie groß die Ersparnis ausfällt, hängt vom Anbieter, Tarif, Eintrittsalter, Beruf, der Rentenhöhe und weiteren Vertragsmerkmalen ab. Eine feste Beitragsersparnis lässt sich daher nicht allgemein nennen.

Vergleiche nicht nur den monatlichen Beitrag. Stelle ihm die mögliche finanzielle Lücke gegenüber: Wie viel Geld brauchst du während der Karenzzeit, und wie sicher kannst du diesen Betrag aufbringen? Eine geringe Ersparnis kann den Nachteil einer langen Wartezeit nicht ausgleichen, wenn du im Ernstfall auf die BU-Rente angewiesen bist.

Wo steht die Karenzzeit im Vertrag?

Prüfe zunächst deinen Versicherungsschein. Dort sind die wichtigsten Vertragsdaten und gegebenenfalls die vereinbarte Karenzzeit aufgeführt. Für die verbindliche Auslegung sind jedoch die AVB maßgeblich. Suche dort nach Begriffen wie „Karenzzeit“, „Wartezeit“, „Leistungsbeginn“ oder „Beginn der Rentenzahlung“.

Achte außerdem darauf, ob der Vertrag besondere Regeln für rückwirkende Leistungen, Nachweise, wiederholte Berufsunfähigkeit oder die Verrechnung mit anderen Leistungen enthält. Wenn die Angaben im Versicherungsschein und in deinen Unterlagen nicht eindeutig sind, solltest du die Frage vor Vertragsabschluss oder einer Änderung schriftlich mit dem Versicherer klären.

Karenzzeit und abstrakte Verweisung nicht verwechseln

Der Verzicht auf die Karenzzeit ist nur ein Vertragsmerkmal. Davon unabhängig ist die Frage, ob der Versicherer auf die abstrakte Verweisung verzichtet. Bei einer abstrakten Verweisung kann es darauf ankommen, ob du theoretisch noch einen anderen Beruf ausüben könntest. Eine Regelung ohne abstrakte Verweisung bezieht sich dagegen auf deinen konkreten zuletzt ausgeübten Beruf, soweit die übrigen Leistungsvoraussetzungen erfüllt sind.

Prüfe beide Punkte getrennt: Ein Vertrag ohne Karenzzeit kann trotzdem eine ungünstige Verweisungsregelung enthalten. Umgekehrt sagt ein Verzicht auf die abstrakte Verweisung nichts darüber aus, ob eine Karenzzeit vereinbart wurde.

Für wen ist eine BU ohne Karenzzeit sinnvoll?

Der Verzicht ist besonders naheliegend, wenn du nur geringe Rücklagen hast, ein stark schwankendes Einkommen erzielst oder hohe laufende Verpflichtungen tragen musst. Auch wenn du die BU-Rente im Leistungsfall möglichst früh benötigst, spricht viel dafür, eine Karenzzeit nicht allein wegen eines niedrigeren Beitrags zu wählen.

Wenn du dagegen über substanzielle, frei verfügbare Rücklagen verfügst, kann eine Karenzzeit eine Option sein. Entscheide dich dafür aber nur, wenn du die gesamte Wartezeit realistisch überbrücken kannst. Für viele Versicherte ist ein etwas höherer Beitrag die einfachere Möglichkeit, das Risiko einer längeren Einkommenslücke zu reduzieren.

Fazit

Eine BU mit Verzicht auf Karenzzeit bietet im anerkannten Leistungsfall einen früheren vertraglichen Leistungsbeginn als ein Tarif mit Wartezeit. Dafür kann der Beitrag höher ausfallen. Eine Karenzzeit ist vor allem dann vertretbar, wenn du ausreichend Rücklagen für mehrere Monate oder Jahre hast und diese Mittel im Ernstfall verfügbar bleiben. Prüfe neben der Karenzzeit auch die Definition der Berufsunfähigkeit, den Leistungsbeginn und den Verzicht auf abstrakte Verweisung in den AVB. Nur die vollständigen Vertragsbedingungen zeigen, wann und unter welchen Voraussetzungen deine BU-Rente tatsächlich gezahlt wird.

Autor & Experte

Ronny Knorr
Zertifizierter Sachverständiger

Experte für gesundheitliche Absicherung und Risikovorsorge

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Steven

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