Kurz gesagt: Als Selbstständige:r können Sie grundsätzlich zwischen einer freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung und einer privaten Krankenversicherung wählen. In der GKV richtet sich der Beitrag nach den gesetzlichen Regeln und Ihrer wirtschaftlichen Situation; hinzu kommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag. Prüfen Sie vor einem Wechsel, wie Krankengeld, Familienversicherung und Pflegeversicherung geregelt sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Selbstständige können grundsätzlich zwischen freiwilliger gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) wählen. Welche Möglichkeit im Einzelfall offensteht, hängt auch von der bisherigen Versicherung und den gesetzlichen Voraussetzungen ab.
- In der GKV richtet sich die Beitragsberechnung nach den gesetzlichen Regeln und den maßgeblichen Einnahmen. Der Beitrag besteht aus 14,60 % zuzüglich des Zusatzbeitrags Ihrer Krankenkasse.
- Prüfen Sie besonders, ob und ab wann ein Anspruch auf Krankengeld besteht. In der GKV hängt das unter anderem von Ihrer Wahl des Versicherungsschutzes ab.
- Krankenversicherung und Pflegeversicherung gehören zusammen, werden aber getrennt betrachtet. Klären Sie beide Beiträge und Leistungen mit der zuständigen Stelle.
- Melden Sie eine Veränderung Ihres Erwerbsstatus frühzeitig und lassen Sie sich den Beginn des Versicherungsschutzes bestätigen.
Hintergrund
Wenn Sie eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen, endet Ihre bisherige Krankenversicherung nicht automatisch ohne Anschluss. Entscheidend ist, wie Sie bislang versichert waren und ob Ihre Selbstständigkeit haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird. Wer bisher gesetzlich versichert war, sollte deshalb zunächst die eigene Krankenkasse informieren und klären, wie die Mitgliedschaft fortgeführt werden kann.
Für Selbstständige kommen grundsätzlich zwei Wege infrage: eine freiwillige Mitgliedschaft in der GKV oder eine private Krankenversicherung. Die Wahl ist nicht nur eine Frage des aktuellen Beitrags. Auch Leistungsumfang, Krankengeld, die Absicherung von Angehörigen und die Möglichkeiten bei späteren Änderungen der Lebenssituation spielen eine Rolle.
Die Leistungen der GKV beruhen auf gesetzlichen Vorgaben. Einzelne Krankenkassen können darüber hinaus freiwillige Satzungsleistungen anbieten. Diese zusätzlichen Angebote unterscheiden sich je nach Krankenkasse und können an Bedingungen geknüpft sein. In der PKV hängen Leistungen vom vereinbarten Tarif und Vertrag ab. Vergleichen Sie daher nicht nur die monatliche Belastung, sondern auch, welche Leistungen vertraglich zugesichert sind.
So funktioniert es in der Praxis
Versicherungsstatus klären
Informieren Sie Ihre bisherige Krankenkasse über die Aufnahme der Selbstständigkeit. Fragen Sie, ob Sie freiwillig gesetzlich versichert bleiben können und welche Unterlagen dafür benötigt werden. Dazu können Nachweise zu Ihrer Tätigkeit und Ihren Einnahmen gehören. Wenn Sie privat versichert sind oder einen Wechsel erwägen, lassen Sie sich vor einer Entscheidung erklären, welche Voraussetzungen gelten und wann der neue Versicherungsschutz beginnt.
Bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit kann Ihre bisherige Pflichtversicherung aus einer Beschäftigung weiter maßgeblich sein. Ob eine Tätigkeit als hauptberuflich selbstständig eingestuft wird, hängt von den Umständen ab. Teilen Sie der Krankenkasse Ihre Situation vollständig mit, statt selbst von einer bestimmten Einstufung auszugehen.
Beiträge und Einnahmen berücksichtigen
Bei freiwillig gesetzlich Versicherten wird der Beitrag nach den gesetzlichen Regeln berechnet. Die Krankenkasse benötigt dafür Angaben zu den maßgeblichen Einnahmen. Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit kann das Einkommen schwanken. Fragen Sie deshalb, welche Nachweise zunächst erforderlich sind und wie sich spätere Änderungen auf die Beitragsfestsetzung auswirken können. Je nach Einkommen und späterer Überprüfung können sich Anpassungen ergeben.
Der Beitrag zur Krankenversicherung umfasst den allgemeinen Beitragssatz 14,60 % sowie den Zusatzbeitrag der gewählten Krankenkasse. Die Pflegeversicherung wird gesondert berücksichtigt. Für die konkrete Berechnung und die erforderlichen Unterlagen ist Ihre Krankenkasse zuständig.
Krankengeld gezielt prüfen
Für Selbstständige kann ein längerer krankheitsbedingter Ausfall besonders wichtig für die finanzielle Planung sein. Ein Anspruch auf Krankengeld besteht in der GKV nicht automatisch in jeder Versicherungskonstellation. Ob ein Anspruch besteht und welche Bedingungen gelten, hängt von der gewählten Absicherung ab. Fragen Sie Ihre Krankenkasse ausdrücklich nach dem Beginn, dem Umfang und möglichen Einschränkungen des Krankengeldschutzes.
Auch private Tarife können Leistungen bei längerer Arbeitsunfähigkeit vorsehen. Prüfen Sie dabei, ab wann gezahlt werden kann, welche Nachweise nötig sind und ob die Leistung zu Ihren laufenden Kosten passt. Verlassen Sie sich nicht allein auf eine allgemeine Tarifbezeichnung; maßgeblich sind die Vertragsbedingungen.
Angehörige und Pflegeversicherung einbeziehen
Eine beitragsfreie Familienversicherung in der GKV ist nur möglich, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Eine selbstständige Tätigkeit schließt sie nicht in jedem Fall automatisch aus, kann aber für die Beurteilung relevant sein. Lassen Sie Ihre konkrete Situation von der Krankenkasse prüfen.
Die Pflegeversicherung ist ebenfalls zu berücksichtigen. Bei gesetzlich Versicherten ist sie an die Krankenversicherung angebunden; privat Krankenversicherte benötigen eine private Pflege-Pflichtversicherung. Erfragen Sie, wie Beiträge und Leistungen in Ihrer Situation eingeordnet werden.
Das sollten Sie beachten
Ein niedriger Beitrag zu Beginn sagt wenig darüber aus, wie sich die Belastung bei einem veränderten Einkommen entwickelt. Berücksichtigen Sie mögliche Anpassungen und klären Sie, wann die Krankenkasse neue Angaben benötigt. Bewahren Sie Bescheide und Nachweise auf und melden Sie wesentliche Änderungen zeitnah.
Ein Wechsel in die PKV sollte nicht allein anhand des anfänglichen Beitrags entschieden werden. Die Vertragsleistungen, die Absicherung von Angehörigen und die Folgen eines späteren Statuswechsels können ebenfalls wichtig sein. Auch der Wechsel zurück in die GKV ist nicht in jeder Lebenslage ohne Weiteres möglich. Lassen Sie sich die jeweiligen Voraussetzungen erläutern, bevor Sie eine bestehende Absicherung beenden.
Fristen für Meldungen, Anträge oder einen Versicherungswechsel richten sich nach der jeweiligen Ausgangslage und den gesetzlichen Regeln. Fragen Sie bei der Krankenkasse oder dem Versicherer nach den für Sie geltenden Fristen. Kündigen Sie eine bestehende Absicherung nicht, bevor geklärt ist, dass der Anschluss lückenlos beginnt.
Vertiefende Ratgeber können einzelne Fragen zu freiwilliger Versicherung, Krankengeld oder dem Wechsel zwischen GKV und PKV genauer behandeln. Für die persönliche Einordnung sind die Krankenkasse und bei privatem Versicherungsschutz der jeweilige Versicherer zuständig. Bei rechtlichen Zweifeln kann eine unabhängige Beratung sinnvoll sein.
Wann lohnt sich eine Beratung oder ein Vergleich?
Ein Vergleich kann hilfreich sein, wenn Sie zwischen freiwilliger GKV und PKV abwägen, eine Selbstständigkeit beginnen oder Ihre Einnahmen und familiäre Situation sich verändern. Achten Sie darauf, dieselben Punkte gegenüberzustellen: Beitragssystem, Leistungsumfang, Krankengeld, Pflegeversicherung und Absicherung von Angehörigen. Zusatzleistungen der GKV sind freiwillig und unterscheiden sich je nach Krankenkasse.
Holen Sie bei Ihrer Krankenkasse eine konkrete Auskunft zu Beitragsberechnung, Nachweisen und Fristen ein. Bei Fragen zu Vertragsbedingungen einer privaten Versicherung wenden Sie sich an den Versicherer oder eine unabhängige Beratungsstelle. Dieser Überblick ersetzt keine individuelle Rechts- oder Versicherungsberatung.
Häufige Fragen
Muss ich mich als Selbstständige:r privat versichern?
Nein. Grundsätzlich kommt auch eine freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung infrage. Welche Möglichkeit in Ihrer Situation besteht, hängt von Ihrem bisherigen Versicherungsstatus und den gesetzlichen Voraussetzungen ab.
Wie werden die Beiträge in der freiwilligen GKV berechnet?
Die Beiträge werden nach gesetzlichen Regeln und anhand der maßgeblichen Einnahmen berechnet. Die Krankenkasse erklärt, welche Angaben und Nachweise sie benötigt und wie Änderungen berücksichtigt werden.
Habe ich als Selbstständige:r Anspruch auf Krankengeld?
Ein Anspruch besteht nicht automatisch in jeder Konstellation. Klären Sie mit Ihrer Krankenkasse, welche Absicherung Sie gewählt haben und welche Bedingungen für Krankengeld gelten.
Können Angehörige über mich familienversichert sein?
Das kann möglich sein, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Ob eine selbstständige Tätigkeit oder die konkrete Einkommenssituation die Familienversicherung beeinflusst, prüft die Krankenkasse im Einzelfall.
Was muss ich bei einem Wechsel in die PKV beachten?
Prüfen Sie die Vertragsleistungen, den Krankengeldschutz, die Pflegeversicherung und die Absicherung von Angehörigen. Klären Sie außerdem die Voraussetzungen und den Beginn des neuen Versicherungsschutzes, bevor Sie eine bestehende Versicherung beenden.
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Die Daten zu Beiträgen, Leistungen und Konditionen basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen der gesetzlichen Krankenkassen (Stand: 09.07.2026). Trotz größtmöglicher Sorgfalt können wir keine Gewähr für Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Drittinformationen übernehmen.
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Quellen
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V)
- Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI)
- Satzungen und Leistungsinformationen der Krankenkassen
Fachlich geprüft von Ronny Knorr, Versicherungsmakler und ISO-zertifizierter Sachverständiger am 6.10.2026.

