Hochbaufirmen: Betriebliche Versicherungen für Hochbauer – Risiken im Geschossbau

Smiling executive in a bright office setting.

Hochbaufirmen: Betriebliche Versicherungen für Hochbauer – Risiken im Geschossbau

6 Min. Lesezeit
Kontrast
Schrift

Im Geschossbau können Personen, fremde Sachen, das entstehende Bauwerk, Maschinen und die eigene Liquidität erheblich gefährdet werden. Für deine Hochbaufirma sollte der Versicherungsschutz deshalb zu den ausgeführten Tätigkeiten, den eingesetzten Geräten und den jeweiligen Bauprojekten passen. Entscheidend ist nicht die größtmögliche Zahl an Policen, sondern eine nachvollziehbare Absicherung der wesentlichen Risiken.

Die wichtigsten Versicherungen für Hochbaufirmen

Betriebshaftpflichtversicherung

Die Betriebshaftpflicht ist für viele Hochbauunternehmen der zentrale Baustein. Sie betrifft Schäden, die du oder deine Beschäftigten bei der betrieblichen Tätigkeit Dritten zufügen. Dazu zählen beispielsweise Sachschäden an einem Nachbargebäude oder Personenschäden durch eine nicht ausreichend gesicherte Baustelle. Je nach Vertrag prüft der Versicherer zunächst, ob gegen dich erhobene Ansprüche berechtigt sind, und übernimmt berechtigte Forderungen im vereinbarten Umfang.

Die Betriebshaftpflicht ist nicht automatisch mit einer Berufshaftpflicht oder einer Produkthaftpflicht gleichzusetzen. Die Betriebshaftpflicht bezieht sich grundsätzlich auf Schäden aus dem laufenden Betrieb. Die Produkthaftpflicht kann relevant werden, wenn ein von dir hergestelltes oder geliefertes Produkt nach der Übergabe einen Schaden verursacht. Welche Tätigkeiten, Nachunternehmer und Haftungsrisiken tatsächlich eingeschlossen sind, ergibt sich aus der Police.

Bauleistungsversicherung

Die Bauleistungsversicherung schützt das Bauvorhaben während der Bauphase vor bestimmten unvorhergesehenen Schäden am entstehenden Bauwerk. Je nach Vertragsumfang können etwa Sturm, Vandalismus oder Beschädigungen durch ein unvorhergesehenes Ereignis erfasst sein. Auch Baumaterialien und bereits ausgeführte Bauleistungen können zum Schutzumfang gehören. Die genauen Voraussetzungen, Entschädigungsgrenzen und Ausschlüsse musst du für jedes Projekt prüfen.

Sie unterscheidet sich von der Haftpflichtversicherung: Die Bauleistungsversicherung bezieht sich auf Schäden am Bauvorhaben selbst, während eine Haftpflichtversicherung Schäden an Dritten betrifft. Wenn Nachunternehmer beteiligt sind, solltest du klären, welche ihrer Leistungen und Gewerke mitversichert sind und wer welche Pflichten im Schadenfall übernimmt.

Maschinen- und Geräteversicherung

Baumaschinen, Kräne, Hebezeuge und Werkzeuge sind für den Bauablauf unverzichtbar. Eine Maschinen- und Geräteversicherung kann je nach Vertrag Schäden durch Bedienfehler, technische Defekte, Diebstahl oder Vandalismus abdecken. Auch Transporte sowie das Be- und Entladen können besondere Risiken darstellen und sollten ausdrücklich geprüft werden.

Achte auf die Entschädigungsgrundlage: Je nach Vereinbarung kann im Schadenfall der Wiederbeschaffungswert oder der Zeitwert maßgeblich sein. Regelmäßige Wartung, sachgerechte Bedienung und eine nachvollziehbare Dokumentation sind wichtige Voraussetzungen für einen reibungslosen Umgang mit Schäden. Für Kräne und andere Hebezeuge können besondere Klauseln erforderlich sein.

Berufshaftpflicht für Architekten und Ingenieure

Beschäftigst du Architekten, Ingenieure oder übernimmst du selbst Planungs-, Berechnungs- oder Beratungsleistungen, kann eine Berufshaftpflichtversicherung erforderlich beziehungsweise sinnvoll sein. Sie bezieht sich auf Schäden, die aus beruflichen Fehlern entstehen, etwa aus fehlerhafter Planung oder Beratung. Dazu können auch reine Vermögensschäden gehören, beispielsweise zusätzliche Kosten oder Verzögerungen infolge eines Planungsfehlers.

Die Berufshaftpflicht ersetzt nicht die Betriebshaftpflicht. Beide Versicherungen decken unterschiedliche Ursachen und Tätigkeitsbereiche ab. Prüfe außerdem, ob Nachträge, Planänderungen und die konkrete Projektgröße vom Vertrag erfasst werden und ob die Versicherungssumme zu deinen Aufgaben passt.

Mögliche Ergänzungen zum Grundschutz

Je nach Baustelle, Eigentumsverhältnissen und Tätigkeit können weitere Versicherungen relevant sein:

  • Umwelthaftpflichtversicherung: Sie kann bei Haftungsansprüchen wegen Umweltschäden helfen, etwa nach dem Austritt von Betriebsstoffen. Der konkrete Umfang sollte insbesondere bei Erdarbeiten, Tankanlagen oder schadstoffbelasteten Flächen geprüft werden.
  • Transportversicherung: Sie kann Baumaterialien während des Transports sowie beim Be- und Entladen absichern.
  • Gerüstversicherung: Bei eigenen oder gemieteten Gerüsten können Schäden am Gerüst und besondere Montage- oder Demontagerisiken eine eigene Prüfung erfordern.
  • Rechtsschutzversicherung: Sie kann je nach Vertragsumfang Kosten bestimmter rechtlicher Auseinandersetzungen übernehmen, etwa bei Bauvertragsstreitigkeiten.
  • Cyberversicherung: Wenn du digitale Baupläne, Kundendaten oder Projektplattformen nutzt, können Cyberangriffe, Datenverlust und IT-bedingte Betriebsunterbrechungen zusätzliche Risiken darstellen.

Eine Unfallversicherung für Beschäftigte ist von der Haftpflichtversicherung zu unterscheiden. Welche gesetzliche Absicherung und welche zusätzlichen Lösungen in Betracht kommen, hängt von den konkreten Umständen ab.

Risikomanagement im Geschossbau

Baustelle mit Hochhaus im Bau

Versicherungen ersetzen keine Prävention. Erfasse regelmäßig die Risiken deines Betriebs und deiner Projekte. Im Geschossbau gehören dazu unter anderem Absturz- und Unfallgefahren, herabfallende Gegenstände, Schäden an Nachbargebäuden, Witterungseinflüsse, technische Defekte, Lieferprobleme und Fehler von Nachunternehmern.

Lege Sicherheitsstandards fest, führe Baustellenkontrollen durch und dokumentiere Materialprüfungen, Wartungen und Unterweisungen. Deine Beschäftigten sollten wissen, wie Maschinen sicher bedient werden und wie sie Gefahren melden. Für schwere Unfälle, Brände, Wasserschäden oder andere Krisen hilft ein Notfallplan mit klaren Zuständigkeiten.

Überprüfe deine Policen nicht nur bei der jährlichen Verlängerung. Neue Bauverfahren, größere Projekte, zusätzliche Geräte, weitere Beschäftigte oder veränderte Tätigkeiten können Anpassungen bei Versicherungssummen und Bedingungen erforderlich machen. Das gilt auch bei steigenden Baukosten, weil veraltete Summen zu einer unzureichenden Absicherung führen können.

Klauseln, Selbstbehalte und Ausschlüsse prüfen

Vor dem Abschluss solltest du nicht nur die Prämie vergleichen. Entscheidend sind der versicherte Tätigkeitsbereich, die Versicherungssummen, Selbstbehalte, Ausschlüsse und deine vertraglichen Obliegenheiten. Prüfe insbesondere, ob grob fahrlässiges Verhalten, Folgeschäden, Diebstahl, Naturgefahren, Nachunternehmerleistungen und Schäden während Transport oder Lagerung geregelt sind.

Änderungen am Bauprojekt, neue Gewerke oder besondere Bauweisen solltest du dem Versicherer beziehungsweise Makler mitteilen und schriftlich klären. Ob und in welchem Umfang ein Schaden übernommen wird, hängt immer von den vereinbarten Bedingungen ab. Bei rechtlichen oder versicherungsrechtlichen Fragen kann eine fachkundige Beratung sinnvoll sein.

Richtig handeln im Schadenfall

Baustelle mit mehrstöckigem Gebäude im Bau

  1. Schaden unverzüglich melden: Informiere den Versicherer oder deinen Ansprechpartner so schnell wie möglich und beachte die vertraglichen Fristen.
  2. Schaden begrenzen: Ergreife zumutbare Maßnahmen, damit sich der Schaden nicht vergrößert. Größere Veränderungen an der Schadenstelle solltest du vorher abstimmen, soweit das möglich ist.
  3. Beweise sichern: Halte Ort, Zeitpunkt, Ursache und Beteiligte fest. Fotos, Videos, Rechnungen, Protokolle und Zeugenaussagen können die Prüfung erleichtern.
  4. Mitwirken: Stelle dem Versicherer und gegebenenfalls einem Sachverständigen die erforderlichen Informationen zur Verfügung. Bei größeren oder strittigen Schäden kann ein unabhängiges Gutachten hilfreich sein.

Analysiere nach der Regulierung, warum der Schaden entstanden ist und welche Abläufe verbessert werden können. So wird der einzelne Schadenfall zu einem Bestandteil deines Risikomanagements.

Versicherungsschutz passend zur Unternehmensgröße

Auch kleine und mittlere Hochbaufirmen sollten die existenzbedrohenden Risiken zuerst absichern. Häufig bilden Betriebshaftpflicht, projektbezogene Bauleistungsversicherung und der Schutz für wichtige Maschinen den Ausgangspunkt. Welche Ergänzungen sinnvoll sind, hängt unter anderem von deinen Bauvorhaben, deinem Gerätebestand, den eingesetzten Nachunternehmern und deinem Budget ab.

Ein Makler oder Versicherer mit Erfahrung im Baugewerbe kann Angebote vergleichen und auf Deckungslücken hinweisen. Lass dir Leistungen, Ausschlüsse und Selbstbehalte verständlich erläutern. Mit dem Wachstum deines Unternehmens, neuen Geschäftsfeldern oder größeren Geschossbauprojekten sollte die Risikoanalyse erneut durchgeführt und der Versicherungsschutz angepasst werden.

Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Beratung. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr. Eine Haftung ist – soweit gesetzlich zulässig – ausgeschlossen. Solltest du Fragen haben, schreib unserem Support.

Wendewerk Support

Schreibe uns!

Bei Fragen kontaktiere unseren kostenlosen Support.

Steven

Wendewerk Support