Chemische Industrie: Betriebliche Versicherung für die chemische Industrie – Gefahrstoffe & Umwelt

Smiling executive in a bright office setting.

Chemische Industrie: Betriebliche Versicherung für die chemische Industrie – Gefahrstoffe & Umwelt

4 Min. Lesezeit
Kontrast
Schrift

In der chemischen Industrie gehört der sichere Umgang mit Gefahrstoffen zu den zentralen Aufgaben des Betriebs. Gefahrstoffe können Menschen und Umwelt unmittelbar oder langfristig schädigen. Dazu zählen nicht nur Chemikalien, sondern auch Gase, Dämpfe und Stäube. Entscheidend ist deshalb, dass du die eingesetzten Stoffe kennst, ihre Risiken bewertest und geeignete Schutzmaßnahmen festlegst.

Gefahrstoffe in der chemischen Industrie

Gefahrstoffe können unterschiedliche Eigenschaften haben: Manche sind leicht entzündlich oder explosionsfähig, andere wirken ätzend, giftig oder gesundheitsschädlich. Risiken können sofort durch einen Unfall auftreten oder sich erst nach längerer Exposition zeigen. Auch bei Tätigkeiten, bei denen Gefahrstoffe erst entstehen oder freigesetzt werden, ist eine Bewertung erforderlich. Beispiele sind Lösungsmittel, Säuren und Laugen, giftige oder hochentzündliche Gase sowie feine Metall- oder Kunststoffstäube.

Die Gefahren betreffen nicht nur Beschäftigte. Bei Leckagen, unsachgemäßer Lagerung oder unkontrollierter Freisetzung können auch Luft, Boden und Gewässer belastet werden. Die gesetzlichen Unfallversicherungsträger und Berufsgenossenschaften unterstützen Betriebe deshalb mit Informationen, Beratung und praxisbezogenen Regeln zur Prävention.

Betriebliche Verantwortung und Gefährdungsbeurteilung

Labor mit Chemikalien und Schutzausrüstung

Jeder Betrieb, der mit Chemikalien arbeitet, muss seine Sorgfaltspflicht erfüllen. Dafür brauchst du zunächst eine aktuelle Übersicht aller Stoffe und Gemische im Betrieb. Prüfe außerdem regelmäßig, ob sich weniger gefährliche Alternativen einsetzen lassen. Angaben zu Eigenschaften, Gefahren und sicheren Verwendungsbedingungen findest du unter anderem auf dem Etikett und im Sicherheitsdatenblatt.

Die Gefährdungsbeurteilung betrachtet die konkrete Tätigkeit und die tatsächliche Exposition. Dabei solltest du unter anderem prüfen:

  • Welche physikalisch-chemischen Gefahren bestehen, etwa Brand- oder Explosionsrisiken?

  • Welche toxischen oder gesundheitsschädlichen Eigenschaften haben die Stoffe?

  • Wie häufig, wie lange und auf welchem Weg kommen Beschäftigte mit ihnen in Kontakt?

  • Werden Stoffe beispielsweise durch Sprühen, Erwärmen oder andere Verfahren stärker freigesetzt?

Auf dieser Grundlage legst du die Schutzmaßnahmen fest. Technische Maßnahmen wie geschlossene Systeme, Absaugungen oder geeignete Lüftung haben dabei besondere Bedeutung. Organisatorische Maßnahmen können unter anderem klare Arbeitsabläufe, Zugangsbeschränkungen oder eine Begrenzung der Expositionsdauer umfassen. Persönliche Schutzausrüstung wie Schutzhandschuhe oder Atemschutz ergänzt diese Maßnahmen, ersetzt aber nicht die Prüfung technischer und organisatorischer Lösungen.

Arbeitsanweisungen müssen verständlich sein. Beschäftigte brauchen Unterweisungen zu Gefahren, sicherem Verhalten, Lagerung, Entsorgung und Notfallmaßnahmen. Kontrolliere regelmäßig, ob die Schutzmaßnahmen im Alltag funktionieren und ob sich durch neue Stoffe, Verfahren oder Erkenntnisse Änderungen ergeben.

Informationsquellen und Gefahrstoffdatenbanken

Chemische Industrie: Gefahrstoffe und Umweltschutz im Labor

Für die Ermittlung und Bewertung von Gefahren stehen verschiedene Informationsangebote zur Verfügung:

  • GESTIS: Das Gefahrstoff-Informationssystem des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV enthält Angaben zu Stoffeigenschaften, Grenzwerten, Sicherheitsdatenblättern und Analyseverfahren. Der GESTIS-Gefahrstoffmanager und der Stoffenmanager unterstützen bei der Gefährdungsbeurteilung, insbesondere bei inhalativen Belastungen. Auch internationale Grenzwerte und DNEL-Daten sind verfügbar.

  • EMKG: Das Einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe der BAuA erleichtert die Bewertung von Gefährdungen und die Auswahl geeigneter Schutzmaßnahmen.

  • GisChem: Das System der BG RCI richtet sich besonders an die chemische Industrie und verwandte Branchen. Es umfasst unter anderem einen GHS-Konverter und einen Gemischrechner.

  • SICHEM: Die IT-Hilfestellung unterstützt bei der Pflege einer Chemikalienliste und beim Überblick über die im Betrieb eingesetzten Stoffe.

In der Schweiz bieten das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und die kantonalen Arbeitsinspektorate Merkblätter, Broschüren und Arbeitsanleitungen zum Chemikalienschutz an. Die BG RCI stellt für ihre Mitgliedsbranchen ebenfalls Beratungen, Schulungen, Merkblätter und Datenbanken bereit.

Rechtliche Grundlagen und Sicherheitsdatenblätter

Für Betriebe in Deutschland bilden unter anderem die REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006, das Chemikaliengesetz und die Gefahrstoffverordnung den rechtlichen Rahmen. Die Gefahrstoffverordnung verlangt insbesondere die Informationsermittlung, eine Gefährdungsbeurteilung, die Festlegung von Schutzmaßnahmen und die Unterweisung der Beschäftigten. Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) helfen dabei, den Stand der Technik und der Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen.

REACH regelt die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Für Anwender sind insbesondere Sicherheitsdatenblätter und gegebenenfalls erweiterte Sicherheitsdatenblätter mit Expositionsszenarien wichtig. Darin können Angaben zu sicheren Verwendungsbedingungen, Lüftung, persönlicher Schutzausrüstung und DNEL-Werten enthalten sein. Die Verantwortung für den Arbeitsschutz bleibt jedoch beim Unternehmer; REACH ersetzt die Pflichten aus dem Arbeitsschutzrecht nicht.

Prüfe, ob die im Sicherheitsdatenblatt beschriebenen Maßnahmen zu deiner konkreten Tätigkeit passen. Bei widersprüchlichen Angaben oder nicht praktikablen Vorgaben solltest du den Hersteller oder Importeur ansprechen und fachkundige Unterstützung einholen. Rückmeldungen können dazu beitragen, Informationen zur sicheren Verwendung zu präzisieren.

Unterstützung durch BG RCI und Unfallversicherungsträger

Die BG RCI berät zu Gefahrstoffen, Gefährdungsbeurteilungen, Expositionsmessungen und Risikomanagement. Sie bietet außerdem Informations- und Schulungsveranstaltungen sowie gedruckte und elektronische Materialien an. Das IFA stellt mit GESTIS weitere wichtige Informationen bereit. Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger wirken zudem in Fachgremien und Arbeitskreisen an praxisnahen Regeln und Lösungen mit.

Nutze diese Angebote, wenn du Stoffe neu einführst, Verfahren änderst oder die Belastung von Beschäftigten genauer einschätzen musst. Eine vollständige Stoffübersicht, aktuelle Sicherheitsdatenblätter und eine regelmäßig überprüfte Gefährdungsbeurteilung bilden die Grundlage für wirksamen Gefahrstoffschutz.

Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Beratung. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr. Eine Haftung ist – soweit gesetzlich zulässig – ausgeschlossen. Solltest du Fragen haben, schreib unserem Support.

Wendewerk Support

Schreibe uns!

Bei Fragen kontaktiere unseren kostenlosen Support.

Steven

Wendewerk Support