Die Gothaer Versicherung beginnt mit einer umfassenden Sanierung ihres Bestands in der Wohngebäudeversicherung. Angesichts erheblicher wirtschaftlicher Herausforderungen, darunter Inflation, gestiegene Kosten und eine Zunahme von Schadenereignissen, sieht sich der Versicherer gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Rentabilität des Portfolios zu sichern.
Kernpunkte der Bestandssanierung
- Die Gothaer reagiert auf den massiven Druck in der Wohngebäudeversicherung.
- Ziel ist die Trennung von schadenbelasteten oder regional stark gebündelten Risiken.
- Die Sanierungsmaßnahmen beginnen mit den Hauptfälligkeiten ab Dezember 2025.
- Makler werden aufgefordert, alternative Lösungen für betroffene Kunden zu suchen.
Gründe für die Sanierung
Die Wohngebäudeversicherung steht seit einigen Jahren unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Steigende Kosten für Reparaturen und Baumaterialien sowie eine Zunahme von Extremwetterereignissen führen dazu, dass die Versicherungsleistungen die eingenommenen Beiträge übersteigen. Die Gothaer bestätigt, dass die Versicherungsleistungen deutlich über den Beiträgen liegen und sieht sich daher veranlasst, sich von "schadenbelasteten Risiken oder solchen mit hoher regionaler Risikobündelung" zu trennen. Dies wird durch die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) des Unternehmens im VGV-Zweig der Gothaer bestätigt, die zwischen 2018 und 2023 im Durchschnitt bei fast 122 Prozent lag. Das bedeutet, dass mehr Geld für Schäden und Verwaltung ausgegeben wurde, als an Beiträgen eingenommen wurde.
Vorgehen und Auswirkungen für Makler
Die Sanierung des Bestands soll mit den Hauptfälligkeiten ab Dezember 2025 beginnen. Die Gothaer informiert ihre Geschäftspartner über diese Maßnahme und fordert Makler auf, proaktiv nach alternativen Versicherungslösungen im Markt für betroffene Kunden zu suchen. Sollte bis zum genannten Zeitpunkt keine Kündigung durch den Versicherungsnehmer erfolgen, wird die Gothaer die Kündigung zum Vertragsablauf selbst aussprechen. Für Generalagenten scheint ein etwas anderer Weg vorgesehen zu sein, da diese Fortführungsangebote zu veränderten Konditionen erhalten haben sollen. Die Gothaer selbst gibt sich zugeknöpft und verweist lediglich auf regelmäßige Portfolioüberprüfungen, unabhängig von den Vertriebswegen.
Branchenweiter Trend
Die Maßnahmen der Gothaer sind kein Einzelfall in der Versicherungsbranche. Erst kürzlich gab die Continentale bekannt, das Neugeschäft in der Wohngebäudeversicherung über Makler und Mehrfachagenten einzustellen, um wirtschaftliche Gründe. Neue Policen sind dort nur noch über den Ausschließlichkeitsvertrieb erhältlich. Dies unterstreicht die angespannte Situation im Markt für Gebäudeversicherungen.

