Eine aktuelle Analyse von Stiftung Warentest und anderen Medienberichten enthüllt erhebliche Mängel bei vielen Tarifen der privaten Krankenversicherung (PKV). Selbst vermeintlich gute Angebote weisen oft Lücken auf, die unter dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegen. Dies kann für Versicherte zu unerwarteten Kosten und einer schlechteren Absicherung führen.
Kernpunkte der Analyse
- Zwei Drittel der untersuchten PKV-Tarife sind nicht empfehlenswert.
- Viele Tarife bieten weniger Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung.
- Besonders Defizite zeigen sich bei Palliativpflege, Psychotherapie und digitalen Gesundheitsanwendungen.
- Die PKV kann im Alter zu einer existenzbedrohenden Kostenfalle werden.
- Privatversicherte erhalten zwar schneller Facharzttermine, dies rechtfertigt aber nicht immer die Nachteile.
Lücken im Versicherungsschutz
Die Stiftung Warentest hat 1.245 Tarifkombinationen der privaten Krankenversicherungen unter die Lupe genommen und nur 384 davon als empfehlenswert eingestuft. Das bedeutet, dass zwei von drei Tarifen entweder zu hohe Selbstbehalte aufweisen oder signifikante Leistungslücken haben. Laut Julia Bönisch, Vorständin der Stiftung Warentest, leisten "viele sogar weniger als gesetzliche Krankenkassen". Insbesondere Bereiche wie Palliativpflege, ambulante Psychotherapie, Kieferorthopädie nach Unfällen und digitale Gesundheitsanwendungen wie Ernährungs-Apps sind häufig unterversichert. Dies steht im Widerspruch zur Erwartung, dass private Tarife umfassender absichern.
Kostenfalle im Alter
Ein weiteres gravierendes Problem ist die potenzielle Kostenfalle im Alter. Während die Beiträge für junge Menschen oft attraktiv niedrig sind, steigen sie im Alter einkommensunabhängig stark an. Die gebildeten Altersrückstellungen reichen meist nicht aus, um diese Steigerungen abzufedern. Experten warnen, dass die PKV für Angestellte und Selbstständige zu einer "existenzbedrohenden Kostenfalle" werden kann. Die Stiftung Warentest empfiehlt die PKV daher uneingeschränkt nur für Beamte, da der Staat hier einen Großteil der Kosten übernimmt. Gut verdienende Angestellte und Selbstständige sollten genau prüfen, ob sie sich die hohen Beiträge langfristig leisten können.
Preisunterschiede trotz gleicher Qualität
Die Analyse deckt auch auf, dass ein höherer Beitrag nicht zwangsläufig eine bessere Absicherung bedeutet. Selbst zwischen Tarifen mit dem Qualitätsurteil "Sehr gut" können monatliche Beitragsunterschiede von über 400 Euro bestehen. Testleiter Julian Chudoba rät daher, genau abzuwägen, ob ein "Top-Tarif" wirklich notwendig ist, da der Preisaufschlag selten den Umfang der zusätzlich abgesicherten Gesundheitsrisiken widerspiegelt.
Schnellerer Zugang zu Fachärzten
Ein klarer Vorteil für Privatversicherte ist der schnellere Zugang zu Facharztterminen. Eine Umfrage ergab, dass 58 Prozent der Privatpatienten ihren letzten Facharzttermin innerhalb eines Monats erhielten, während dies nur auf 30 Prozent der gesetzlich Versicherten zutraf. Dennoch warnen Experten, dass dieser Vorteil die Nachteile und potenziellen Kostenfallen der PKV oft nicht aufwiegt. Forderungen nach einem Ende der Ungleichbehandlung bei der Terminvergabe werden daher immer wieder laut.
Quellen
- Schlechtere Absicherung als in der Gesetzlichen: Selbst Top-Tarife der privaten Krankenversicherung haben
offenbar erhebliche Lücken, Tagesspiegel. - Private Krankenversicherung bietet nicht immer besseren Schutz, tagesschau.de.
- Private Krankenversicherung: Zwei von drei Tarifen fallen durch, Deutsche Handwerks Zeitung.
- „Existenzbedrohenden Kostenfalle“ bei den meisten PKV-Tarifen, Merkur.
- Stiftung Warentest stuft zwei Drittel der Tarife der privaten Krankenversicherung als nicht empfehlenswert
ein – News – Deutsches Ärzteblatt, Deutsches Ärzteblatt.

