Verengte Gallenwege können den Abfluss der Galle behindern. Die Folge kann ein Gallenstau mit Gelbsucht, Juckreiz oder Schmerzen sein. Bei einer Infektion der gestauten Gallenwege, einer Cholangitis, treten oft Fieber und Schüttelfrost auf. Das kann ein medizinischer Notfall sein und muss sofort ärztlich behandelt werden.
Mit einer PTC lassen sich die Gallenwege direkt darstellen. Die PTCD schafft zusätzlich einen Abfluss für die gestaute Galle. Bei Bedarf kann die Engstelle im Rahmen einer perkutanen Intervention mit einem Ballon gedehnt oder durch eine Drainage beziehungsweise einen Stent überbrückt werden. Welche Behandlung geeignet ist, hängt vor allem von der Ursache und der Lage der Verengung ab.
Was sind Gallenwegsverengungen?
Die Gallenwege transportieren Galle aus der Leber in den Dünndarm. Eine Stenose oder Striktur verengt diesen Transportweg. Dadurch kann sich die Galle in der Leber zurückstauen. Mögliche Ursachen sind Gallensteine, Entzündungen, Narben nach Operationen oder Verletzungen sowie gutartige und bösartige Tumoren. Auch chronisch-entzündliche Erkrankungen wie die primär sklerosierende Cholangitis können zu Strikturen führen.
Typische Beschwerden sind Schmerzen im rechten Oberbauch, eine gelbliche Verfärbung von Haut und Augen, dunkler Urin, heller Stuhl oder Juckreiz. Bei einer Cholangitis kommen häufig Fieber, Schüttelfrost und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl hinzu. Blutuntersuchungen können unter anderem erhöhte Werte für Bilirubin, alkalische Phosphatase und Gamma-Glutamyltransferase zeigen. Für die Diagnose werden diese Befunde mit der Bildgebung und den Beschwerden zusammen beurteilt.
Wie wird eine Gallenwegsstenose untersucht?
Oft beginnt die Diagnostik mit einer Ultraschalluntersuchung. Sie kann erweiterte Gallenwege oder Gallensteine sichtbar machen. Eine Computertomographie (CT) und eine Magnetresonanztomographie, insbesondere die MRCP, liefern zusätzliche Informationen zur Lage und Ausdehnung der Verengung sowie zu möglichen Veränderungen an Leber, Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse.
Die MRCP stellt die Gallenwege ohne direkten Zugang zu ihnen dar. Eine ERCP oder PTC ist invasiver, kann aber eine direkte Darstellung ermöglichen und mit einer Behandlung verbunden werden. Die Entscheidung richtet sich nach der anatomischen Situation, der vermuteten Ursache und der geplanten Therapie.
PTC: Direkte Darstellung der Gallenwege
PTC steht für perkutane transhepatische Cholangiographie. Dabei wird unter Bildkontrolle eine feine Nadel durch die Haut und durch die Leber in einen Gallenweg eingeführt. Über einen Führungsdraht kann Kontrastmittel in die Gallenwege gegeben werden. Auf den Röntgenaufnahmen werden dadurch Engstellen, Verschlüsse, Steine und andere Abflussbehinderungen sichtbar.
Eine PTC kommt insbesondere infrage, wenn eine ERCP nicht möglich oder nicht erfolgreich ist. Gründe können eine veränderte Anatomie nach einer Operation oder eine Engstelle sein, die endoskopisch nicht erreicht werden kann. Die Untersuchung hilft, die Stenose genau zu lokalisieren und das weitere Vorgehen zu planen. Häufig kann direkt im Anschluss eine Drainage angelegt werden.
Wie bei jedem invasiven Eingriff bestehen Risiken. Dazu gehören unter anderem Blutungen, Infektionen und eine Gallenfistel oder Gallenleckage. Deshalb wird der Eingriff sorgfältig vorbereitet und anschließend überwacht.
PTCD: Galle über eine Drainage ableiten
PTCD bedeutet perkutane transhepatische Drainage. Über den bei der Punktion geschaffenen Zugang wird ein dünner Schlauch in den Gallenweg eingebracht. Die Drainage entlastet den Gallenstau, indem sie die Galle entweder nach außen in einen Auffangbeutel oder – sofern möglich – nach innen in den Darm ableitet.
Die Anlage erfolgt unter Bildkontrolle. Zunächst wird der Gallenweg mit einer Nadel punktiert. Anschließend wird ein Führungsdraht vorgeschoben, über den die Drainage an die gewünschte Stelle gelangt. Sie kann die Engstelle überbrücken und den Gallenfluss verbessern. Ob eine externe, interne oder kombinierte Drainage gewählt wird, hängt von der Lage der Blockade und dem Behandlungskonzept ab.
Eine PTCD wird häufig eingesetzt, wenn eine ERCP nicht durchgeführt werden kann, keinen ausreichenden Abfluss hergestellt hat oder eine schnelle Entlastung erforderlich ist. Das kann beispielsweise bei ausgeprägtem Gallenstau, einer schwer zugänglichen postoperativen Striktur oder einer tumorbedingten Verengung der Fall sein. Bei bösartigen Stenosen kann die Drainage eine palliative Maßnahme sein: Sie lindert den Gallenstau, behandelt aber nicht automatisch die Tumorerkrankung.
Pflege und Kontrolle der Drainage
Die Einstichstelle muss sauber gehalten und regelmäßig kontrolliert werden. Du solltest auf Rötung, Schwellung, zunehmende Schmerzen, Fieber oder Veränderungen der Gallenmenge und -beschaffenheit achten. Die Drainage muss auf ihre Lage und Durchgängigkeit überprüft werden. Ob sie gespült, gewechselt oder später entfernt wird, entscheidet das behandelnde Team.
Bei einer dislozierten oder verstopften Drainage kann der Gallenabfluss erneut beeinträchtigt sein. Treten starke Schmerzen, Fieber, Schüttelfrost, eine neue oder zunehmende Gelbsucht oder kein Abfluss mehr auf, solltest du sofort medizinische Hilfe suchen.
Wie kann die Engstelle geweitet werden?
Bei einer perkutanen Intervention kann die Engstelle je nach Befund mit einem Ballon vorsichtig aufgedehnt werden. Dieses Verfahren wird als Dilatation bezeichnet. In manchen Situationen bleibt zunächst eine Drainage liegen. Bei anderen Verengungen kann ein Stent eingesetzt werden, der den Gallenweg offen hält. Mehrere Sitzungen oder ein späterer Drainagewechsel können notwendig sein, besonders bei komplexen oder wiederkehrenden Strikturen.
Eine Dilatation ist nicht bei jeder Ursache ausreichend. Steine werden häufig über eine ERCP entfernt. Dabei können zusätzlich eine Papillotomie, eine Ballondilatation oder eine Stentversorgung erfolgen. Wenn endoskopische und perkutane Verfahren nicht ausreichen oder ein Tumor entfernt werden soll, kann eine Operation erforderlich sein. Bei narbigen Engstellen kommen in komplexen Fällen rekonstruktive Eingriffe infrage.
Behandlung nach Operationen, bei Entzündungen und Tumoren
Nach Operationen können Narben oder Verletzungen zu einer Gallenwegsstenose führen. Bei gut erreichbaren Engstellen wird oft zunächst eine endoskopische Behandlung versucht. Ist die Anatomie verändert oder liegt die Striktur weiter oben in den Gallenwegen, kann eine perkutane Therapie mit PTC und PTCD geeigneter sein.
Bei einer Cholangitis sind Antibiotika und eine rasche Entlastung der Gallenwege wichtige Bestandteile der Behandlung. Medikamente allein beseitigen eine mechanische Verengung, einen größeren Stein oder einen Tumor jedoch meist nicht. Bei Tumoren hängt die Therapie davon ab, ob eine vollständige operative Entfernung möglich ist. Wenn nicht, können PTCD oder ERCP mit Stent den Gallenfluss sichern und Beschwerden wie Gelbsucht oder Juckreiz lindern.
Nachsorge und individuelle Therapieplanung
Die Behandlung von Gallenwegsverengungen sollte individuell und häufig interdisziplinär geplant werden. Radiologie, Gastroenterologie, Chirurgie und gegebenenfalls Onkologie stimmen Diagnostik und Therapie aufeinander ab. Nach einer Dilatation, Stentversorgung oder Drainage sind Verlaufskontrollen wichtig. Dabei werden Beschwerden, Leberwerte und je nach Situation Ultraschall, MRCP oder eine weitere direkte Darstellung eingesetzt.
Eine erneute Gelbsucht, zunehmende Oberbauchschmerzen, Fieber oder Schüttelfrost können auf eine erneute Abflussstörung oder Infektion hinweisen. Lass solche Beschwerden umgehend abklären. Welche Methode bei dir sinnvoll ist, kann nur dein behandelndes Team nach Untersuchung, Bildgebung und Bewertung der Ursache entscheiden.
PTC und PTCD im Überblick
- PTC: Direkte Darstellung der Gallenwege mit Kontrastmittel über einen perkutanen Zugang durch die Leber.
- PTCD: Ableitung gestauter Galle über einen Drainageschlauch, nach außen oder – wenn möglich – in den Darm.
- Dilatation: Aufdehnung einer geeigneten Engstelle, gegebenenfalls mit anschließender Drainage- oder Stentversorgung.
- Alternativen: ERCP, MRCP, operative Rekonstruktion oder Tumorbehandlung – abhängig von Befund und Ursache.
- Wichtig: Fieber, Schüttelfrost, starke Schmerzen oder Gelbsucht erfordern eine dringende medizinische Abklärung.
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