Seit Anfang Juli steht gesetzlich versicherten Kindern und Jugendlichen eine neue Form der psychotherapeutischen Behandlung zur Verfügung: die systemische Therapie. Diese wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) als Kassenleistung anerkannt, nachdem sie bereits für Erwachsene seit 2020 erstattet wird. Ziel ist es, die Versorgungslücke bei psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter zu schließen.
Was ist systemische Therapie?
Die systemische Therapie betrachtet psychische Probleme nicht isoliert, sondern im Kontext des sozialen Umfelds des Kindes oder Jugendlichen. Dies umfasst in erster Linie die Familie, kann aber auch Freunde, die Schule oder Sportvereine einschließen. Der Ansatz geht davon aus, dass Verhaltensmuster innerhalb dieser Systeme zu psychischen Belastungen führen können. Die Therapie zielt darauf ab, diese Muster zu erkennen und gemeinsam mit dem Kind und seinen Bezugspersonen neue, funktionalere Lösungsansätze zu entwickeln.
Vorteile für Kinder und Jugendliche
- Fokus auf das Umfeld: Die Einbeziehung der Familie und des sozialen Umfelds ist ein zentraler Bestandteil.
- Lösungsorientiert: Statt sich primär auf die Störung zu konzentrieren, werden Stärken und neue Wege zur Bewältigung von Problemen gesucht.
- Flexibilität: Die Therapie kann als Einzel-, Gruppen- oder Kombinationsform angeboten werden, was mehr Betroffenen den Zugang erleichtert.
- Ergänzung bestehender Verfahren: Neben analytischer, tiefenpsychologisch fundierter und Verhaltenstherapie steht nun eine weitere wirksame Methode zur Verfügung.
Aktuelle Situation und Ausblick
Obwohl die systemische Therapie nun eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen ist, ist die Zahl der qualifizierten Therapeuten, die diese Behandlung für Kinder und Jugendliche anbieten, noch begrenzt. Die Bundespsychotherapeutenkammer geht davon aus, dass sich das Angebot durch Aus- und Weiterbildungen in den kommenden Jahren erweitern wird. Die Therapie kann als Kurzzeittherapie (bis zu 24 Stunden) oder Langzeittherapie (bis zu 48 Stunden) durchgeführt werden. Die Aufnahme dieser Therapieform ist ein wichtiger Schritt, um der steigenden Zahl psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen entgegenzuwirken.
Quellen
- Systemische Therapie für Kinder und Jugendliche: Gesetzliche Krankenkassen erstatten Kosten, Spiegel.
- Systemische Therapie wird auch bei Kindern und Jugendlichen eine Leistung der gesetzlichen
Krankenversicherung, Gemeinsamer Bundesausschuss. - Systemische Therapie bei Kindern und Jugendlichen wird Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen, Krankenkasseninfo.de.
