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Stiftung Warentest: Private Krankenversicherung oft mit Lücken – Gesetzliche Kassen schlagen häufiger zu

Stiftung Warentest: Private Krankenversicherung oft mit Lücken – Gesetzliche Kassen schlagen häufiger zu

Eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest hat die Tarife der privaten Krankenversicherung (PKV) unter die Lupe genommen und dabei erhebliche Mängel aufgedeckt. Von über 1200 untersuchten Tarifkombinationen konnten nur etwa ein Drittel empfohlen werden, da viele Tarife Leistungslücken aufweisen oder weniger leisten als gesetzliche Krankenkassen. Dies überraschte selbst die Tester und wirft ein neues Licht auf die vermeintliche Überlegenheit der privaten Optionen.

Wichtige Erkenntnisse des Tests

  • Nur 384 von 1245 untersuchten PKV-Tarifkombinationen wurden als empfehlenswert eingestuft.
  • Viele Tarife weisen Lücken bei Leistungen wie Palliativpflege, Psychotherapie oder digitalen Gesundheitsanwendungen auf.
  • Die Beiträge können im Alter zu einer "existenzbedrohenden Kostenfalle" werden.
  • Privatversicherte erhalten zwar schneller Facharzttermine, dies ist jedoch nicht der einzige Maßstab.

Mängel bei privaten Krankenversicherungen

Die Stiftung Warentest kritisiert, dass viele Tarife der privaten Krankenversicherung deutliche Defizite aufweisen. Insbesondere in Bereichen wie Palliativpflege, ambulanter Psychotherapie und bei digitalen Anwendungen wie Ernährungs-Apps leisten die privaten Anbieter oft weniger als die gesetzlichen Krankenkassen. "Sehr viele PKV-Tarife haben Lücken", so Julia Bönisch, Vorständin der Stiftung Warentest. Sie betont, dass ein höherer Beitrag nicht zwangsläufig eine bessere Absicherung bedeutet.

Empfehlenswerte Tarife und Preisunterschiede

Die 384 als empfehlenswert eingestuften Tarife bieten einen Rundumschutz, der mindestens dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht, und sehen eine Selbstbeteiligung von maximal 660 Euro pro Jahr vor. Dennoch gibt es auch innerhalb dieser empfohlenen Tarife erhebliche Preisunterschiede. So kann die monatliche Differenz zwischen dem günstigsten und teuersten Angestelltentarif auf der Empfehlungsliste über 400 Euro betragen, obwohl beide mit "Sehr gut" bewertet wurden.

Die Kostenfalle im Alter

Ein zentraler Kritikpunkt der Stiftung Warentest sind die steigenden Beiträge im Alter. Während die PKV für junge Menschen oft attraktiv erscheint, können die einkommensunabhängigen Beiträge im Rentenalter zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden. Die Tester warnen, dass die private Krankenversicherung sich zur "existenzbedrohenden Kostenfalle" entwickeln kann. Uneingeschränkt empfohlen wird die PKV daher nur für Beamte, da der Staat im Alter einen Großteil der Kosten übernimmt.

Terminvergabe als Stärke der PKV

Ein Bereich, in dem die private Krankenversicherung punkten kann, ist die Terminvergabe bei Fachärzten. Eine Umfrage im Auftrag der Stiftung Warentest ergab, dass Privatpatienten fast doppelt so häufig angeben, ihren jüngsten Facharzttermin schnell erhalten zu haben, verglichen mit Kassenpatienten. Während 58 Prozent der Privatversicherten ihren Termin innerhalb eines Monats bekamen, traf dies nur auf 30 Prozent der GKV-Versicherten zu. Bei dringenden Fällen erhielten 26 Prozent der Privatversicherten innerhalb einer Woche einen Termin, gegenüber nur 8 Prozent der Kassenpatienten.

Kritik von Branchenexperten

Die Ergebnisse des Tests stoßen in der Versicherungsbranche auf Kritik. Experten bemängeln, dass die Stiftung Warentest Äpfel mit Birnen vergleiche und die unterschiedlichen Systeme von GKV und PKV nicht ausreichend berücksichtige. Sie weisen darauf hin, dass die PKV eine individuelle Zusammenstellung des Gesundheitsschutzes ermöglicht, was sich auch im Preis widerspiegelt. Zudem wird die Kritik an der Selbstbeteiligung hinterfragt, da diese in der GKV ebenfalls einkommensabhängig anfällt.

Quellen

Autor & Experte

Ronny Knorr
Zertifizierter Sachverständiger

Experte für Kranken- & Berufsunfähigkeitsversicherungen

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