Die Bundesregierung plant eine umfassende Reform der beitragsfreien Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Diese Reform, die voraussichtlich ab 2027/2028 in Kraft treten soll, zielt darauf ab, die Finanzierungslücken im Gesundheitssystem zu schließen. Kern der Neuregelung ist die Einschränkung der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern, während Kinder weiterhin beitragsfrei versichert bleiben sollen. Dies könnte für viele Familien zu spürbaren Mehrkosten führen.
Wichtige Eckpunkte der Reform
- Die beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner mit geringem oder keinem eigenen Einkommen soll weitgehend entfallen.
- Kinder bleiben weiterhin beitragsfrei familienversichert.
- Ausnahmen sind für bestimmte Konstellationen vorgesehen, z.B. für Eltern kleiner Kinder oder pflegende Angehörige.
- Die Mehrkosten für betroffene Familien werden voraussichtlich bei 2,5 Prozent des beitragspflichtigen Bruttoeinkommens des Hauptverdieners liegen.
- Auch die Pflegeversicherung wird von der Reform betroffen sein.
Änderungen bei der Familienversicherung
Die geplante Reform sieht vor, dass Ehe- oder Lebenspartner, die bisher beitragsfrei mitversichert waren, künftig einen eigenen Beitrag leisten müssen. Dies gilt, sofern keine besonderen Ausnahmeregelungen greifen. Die Finanzkommission Gesundheit geht davon aus, dass rund 1,6 Millionen mitversicherte Ehepartner von dieser Änderung betroffen sein könnten. Die genaue Höhe der Mehrkosten hängt vom Einkommen des Hauptverdieners ab. Bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 4.000 Euro könnten die zusätzlichen Kosten bei etwa 1.200 Euro pro Jahr liegen.
Geplante Ausnahmen
Um bestimmte Konstellationen zu schonen, sind Ausnahmen von der neuen Regelung vorgesehen. Dazu gehören Haushalte, in denen:
- ein Kind unter sieben Jahren lebt.
- ein pflegebedürftiges Kind mit Behinderung lebt.
- eine Person mit mindestens Pflegegrad 2 mindestens zehn Stunden pro Woche zu Hause gepflegt wird.
- der mitversicherte Partner die gesetzliche Regelaltersgrenze erreicht hat.
Diese Ausnahmen sollen insbesondere die Belastung für Familien mit kleinen Kindern und pflegende Angehörige abfedern und die Anreize für eine eigene Erwerbstätigkeit erhöhen.
Auswirkungen auf die Pflegeversicherung und weitere Maßnahmen
Die Einschränkung der beitragsfreien Familienversicherung soll auch auf die Pflegeversicherung übertragen werden. Für mitversicherte Ehepartner, die nicht unter die Ausnahmeregelungen fallen, wird ein zusätzlicher Beitrag von 0,7 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens fällig. Die Bundesregierung erhofft sich durch diese und weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Gesundheitssystems Mehreinnahmen im niedrigen bis mittleren einstelligen Milliardenbereich pro Jahr. Neben der Familienversicherung sind auch Änderungen bei Medikamentenzuzahlungen und Einsparungen im Krankenhaussektor geplant.
Debatte und Ausblick
Die Pläne stoßen auf unterschiedliche Reaktionen. Während die Bundesregierung die Notwendigkeit zur Finanzierung des Gesundheitssystems betont, warnen Kritiker vor einer zusätzlichen Belastung für Familien, insbesondere für Frauen ohne eigenes Einkommen. Die genauen Details und der Zeitplan für das Inkrafttreten der Reform werden noch im parlamentarischen Verfahren beraten.
Quellen
- Reform der Familienversicherung: Diese Mehrkosten stehen im Raum, BR.
- Warken-Reform trifft Millionen Haushalte hart, Frankfurter Rundschau.
- Was sich mit dem Gesundheits-Sparpaket für gesetzlich Versicherte ändern soll, tagesschau.de.
- Reformpaket der Bundesregierung: Ungleiche Paare profitieren derzeit am meisten, taz.de.
- Familienversicherung 2026: Regeln & Grenzen, biallo.de.
