Wie hoch deine Berufsunfähigkeitsrente sein sollte, hängt nicht allein von deinem Einkommen ab. Entscheidend ist, welche monatliche Summe du brauchst, wenn dein Arbeitseinkommen wegfällt. Die häufig genannte Faustformel von 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens kann als erste Orientierung dienen. Sie ersetzt jedoch keine individuelle Bedarfsrechnung.
BU-Rente berechnen: Vom Einkommen zum tatsächlichen Bedarf
Die BU-Rente wird in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung als feste monatliche Leistung vereinbart. Im Leistungsfall erhältst du grundsätzlich die Summe, die im Vertrag steht, sofern die Leistungsvoraussetzungen erfüllt sind. Deshalb solltest du zunächst deine laufenden und künftig wichtigen Ausgaben erfassen.
Als Ausgangspunkt kannst du folgende Positionen addieren:
- Miete oder Darlehensrate einschließlich laufender Wohnkosten
- Strom, Wasser, Internet und weitere regelmäßige Haushaltskosten
- Lebensmittel, Mobilität und Versicherungsbeiträge
- Kreditverpflichtungen und Unterhalt
- Ausgaben für Familie, Hobbys und andere regelmäßig geplante Lebenshaltungskosten
- Beiträge zur privaten Altersvorsorge
- ein finanzieller Puffer für steigende Kosten und unvorhergesehene Ausgaben
Von dieser Summe kannst du Einkünfte abziehen, die dir im Leistungsfall voraussichtlich weiterhin zur Verfügung stehen. Berücksichtige dabei aber nur Leistungen, auf die du tatsächlich Anspruch hast und deren Anrechnung im Versicherungsvertrag eindeutig geregelt ist. Das Ergebnis ist eine realistischere Orientierung als ein pauschaler Prozentsatz.
Warum 70 bis 80 Prozent nur ein Richtwert sind
Die Empfehlung, rund 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens abzusichern, soll den bisherigen Lebensstandard grob abbilden. Bei Angestellten werden außerdem häufig etwa 60 bis 80 Prozent des Bruttogehalts als Orientierungsgröße genannt. Für Selbstständige findet sich oft der Richtwert von rund 60 Prozent des Gewinns vor Steuern.
Diese Werte passen aber nicht zu jeder Lebenssituation. Wer hohe Wohnkosten, Kredite oder familiäre Verpflichtungen hat, benötigt möglicherweise mehr. Wer dagegen bestimmte Ausgaben im Leistungsfall nicht mehr hätte, sollte sie nicht einfach unverändert in die Rechnung übernehmen. Die persönliche Ausgabenstruktur ist deshalb die bessere Grundlage.
Welche Kosten du im Leistungsfall einplanen solltest
Die vertragliche BU-Rente entspricht nicht automatisch dem Betrag, der dir vollständig zur Verfügung steht. Je nach persönlicher Situation und Vertragsgestaltung können Steuern und Beiträge zur Krankenversicherung anfallen. Diese Abzüge solltest du bei deiner Berechnung berücksichtigen. Eine vermeintlich ausreichende Bruttorente kann sonst zu knapp ausfallen.
Altersvorsorge nicht vergessen
Wenn du berufsunfähig wirst, zahlst du in der Regel nicht mehr wie bisher in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Dadurch können dir später Rentenansprüche fehlen. Auch private Spar- und Vorsorgeverträge müssen weiterfinanziert werden, wenn du deine geplante Altersvorsorge aufrechterhalten willst.
Beziehe deshalb die Beiträge für deine private Altersvorsorge in deinen Bedarf ein. Prüfe außerdem, ob eine zusätzliche Vorsorge für die Zeit nach dem Ende der BU-Leistung notwendig ist. Eine BU-Rente, die nur die aktuellen Fixkosten abdeckt, kann langfristig trotzdem zu einer Versorgungslücke führen.
Gesetzliche Erwerbsminderungsrente und private BU im Vergleich
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist nicht mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung gleichzusetzen. Sie knüpft an gesetzliche Voraussetzungen an. Grundsätzlich musst du unter anderem in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt haben. Zusätzlich wird geprüft, wie viele Stunden du aus gesundheitlichen Gründen noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten kannst.
Für eine volle Erwerbsminderungsrente ist grundsätzlich entscheidend, ob du weniger als drei Stunden täglich irgendeine Tätigkeit ausüben kannst. Es geht also nicht nur darum, ob du deinen bisherigen Beruf noch ausüben kannst. Für viele nach 1961 Geborene besteht bei einer reinen Berufsunfähigkeit im bisherigen Beruf keine entsprechende staatliche Leistung.
Die private BU orientiert sich dagegen an der vertraglichen Definition der Berufsunfähigkeit und kann deinen konkreten Beruf absichern. Ob zusätzlich Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, einem Versorgungswerk oder bedürftigkeitsabhängigen Sozialleistungen infrage kommen, hängt von den jeweiligen Voraussetzungen und Anrechnungsregeln ab.
Diese Faktoren begrenzen oder verteuern deine Absicherung
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Einkommen und Angemessenheitsprüfung
Versicherer prüfen, ob die gewünschte Rentenhöhe im Verhältnis zu deinem Einkommen angemessen ist. Je nach Anbieter gelten prozentuale Grenzen des Brutto- oder Nettoeinkommens sowie absolute Höchstbeträge. Eine hohe gewünschte BU-Rente wird deshalb nicht automatisch in voller Höhe angeboten.
Auch bei Schülern, Studierenden und Berufseinsteigern können besondere Grenzen gelten, weil noch kein oder nur ein geringes Einkommen vorhanden ist. Nachversicherungsgarantien können später helfen, die Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Ob und unter welchen Bedingungen das möglich ist, steht in den Vertragsbedingungen.
Beruf und Risikoeinstufung
Dein Beruf beeinflusst das Risiko und damit meist den Beitrag. Körperlich belastende oder besonders gefährliche Tätigkeiten werden anders bewertet als überwiegend am Schreibtisch ausgeübte Berufe. Die Einstufung kann außerdem beeinflussen, welche maximale Rentenhöhe der Versicherer anbietet.
Alter und Gesundheitszustand
Mit zunehmendem Alter steigen häufig die Beiträge, weil sich die Risikobewertung verändert. Vorerkrankungen, chronische Beschwerden und frühere Behandlungen können zu einem Risikozuschlag, einem Leistungsausschluss oder einer Ablehnung führen. Gesundheitsfragen solltest du vollständig und korrekt beantworten. Unvollständige Angaben können im Leistungsfall zu Problemen führen.
Versorgungswerke und andere Leistungen
Wenn du beispielsweise als Arzt, Anwalt oder Architekt Mitglied in einem Versorgungswerk bist, kann dessen Leistung für die private BU-Absicherung relevant sein. Manche Versicherer rechnen Leistungen aus Versorgungswerken teilweise oder vollständig an, andere nicht. Prüfe deshalb genau, ob und in welchem Umfang eine Anrechnung vorgesehen ist.
Vertragliche Anpassungen für veränderte Lebenssituationen
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Nachversicherungsgarantie
Dein Absicherungsbedarf kann steigen, wenn dein Einkommen wächst, du heiratest, ein Kind bekommst oder eine Immobilie finanzierst. Eine Nachversicherungsgarantie ermöglicht je nach Vertrag eine spätere Erhöhung der BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung. Achte auf die vorgesehenen Ereignisse, Fristen und Höchstgrenzen.
Dynamik während der Beitrags- und Leistungsphase
Eine Dynamik erhöht die vereinbarte Rente und in der Regel auch den Beitrag regelmäßig. Sie soll helfen, steigende Lebenshaltungskosten und Einkommensentwicklungen auszugleichen. Ob die Rente auch während des Leistungsbezugs dynamisch steigt, ist eine gesonderte Vertragsfrage. Eine solche Leistung solltest du nicht voraussetzen, sondern ausdrücklich prüfen.
Was bei einer zu niedrigen BU-Rente passieren kann
Reicht die BU-Rente nicht für deine laufenden Kosten, musst du deine Ausgaben reduzieren oder andere Einkünfte und Vermögenswerte einsetzen. Bedürftigkeitsabhängige Leistungen wie Bürgergeld oder Grundsicherung können unter ihren jeweiligen Voraussetzungen in Betracht kommen; eigene Versicherungsleistungen können dabei berücksichtigt werden. Eine niedrige BU-Rente schützt deinen bisherigen Lebensstandard daher möglicherweise nicht ausreichend.
Besonders problematisch ist eine Unterabsicherung, wenn du dadurch weder deine Altersvorsorge fortführen noch Kredite, Wohnkosten oder familiäre Verpflichtungen zuverlässig tragen kannst. Prüfe die Rentenhöhe deshalb regelmäßig und passe sie an, wenn sich dein Einkommen oder deine Lebenssituation deutlich verändert.
Praktische Vorgehensweise zur Berechnung
- Liste deine monatlichen Fixkosten und variablen Lebenshaltungskosten auf.
- Ergänze Beiträge für private Altersvorsorge, Versicherungen, Kredite und einen finanziellen Puffer.
- Prüfe, welche weiteren Einkünfte oder Leistungen im Leistungsfall realistisch und anrechenbar sind.
- Berücksichtige mögliche Steuern und Krankenversicherungsbeiträge.
- Vergleiche das Ergebnis mit deinem aktuellen Einkommen und den Höchstgrenzen des gewünschten Versicherers.
- Prüfe Nachversicherung, Dynamik, Laufzeit und mögliche Anrechnungen aus anderen Versorgungssystemen.
Die passende BU-Rente ist damit nicht automatisch der höchste erreichbare Betrag. Sie sollte deinen konkreten Bedarf abdecken, finanzierbar bleiben und zu den Bedingungen des Tarifs passen. Bei steuerlichen, sozialrechtlichen oder vertraglichen Detailfragen solltest du die persönliche Situation fachlich prüfen lassen.

