Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) hat neue Daten veröffentlicht, die ein zunehmendes Bewusstsein und eine insgesamt steigende Inanspruchnahme medizinischer Leistungen in Deutschland dokumentieren. Besonders auffällig sind der Anstieg von Arztbesuchen sowie eine Zunahme spezifischer Gesundheitsbeschwerden, die zu längeren Fehlzeiten im Job führen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Durchschnittlich geht jede versicherte Person neunmal jährlich zum Arzt
- 90 Prozent der KKH-Versicherten hatten 2024 mindestens einen Arztkontakt
- Anteil der "Vielgeher" (mindestens 11 Arztkontakte/Jahr) stieg in zehn Jahren von 29 auf 37 Prozent
- Rückenschmerzen machten 2024 ein Fünftel mehr Fehltage im Job aus als noch 2019
- Psychische Belastungen und depressive Episoden nehmen ebenfalls deutlich zu
Mehr Arztbesuche, besonders im Alter
Die KKH-Auswertung zeigt, dass fast die Hälfte der Versicherten (48,5%) fünf bis acht Arztbesuche im Jahr hatte. Interessanterweise stieg der Anteil jener, die überdurchschnittlich oft zum Arzt gehen – sogenannte Vielgeher – auf 37% an. Im Jahr 2014 waren es nur 29%.
Besonderes Augenmerk liegt auf den Altersunterschieden: Während Männer zwischen 20 und 49 Jahren seltener eine Praxis aufsuchen (über 20% dieser Gruppe waren 2024 nicht einmal beim Arzt), gleichen sich diese Unterschiede mit steigendem Alter an. Ältere Menschen haben im Schnitt bis zu 14 Arztkontakte jährlich, was unter anderem auf eine intensivere Versorgung zurückzuführen ist.
Digitale Selbsthilfe bei den Jungen
Jüngere Menschen versuchen immer häufiger, den Gang zum Arzt zu vermeiden. Laut KKH-Umfrage recherchieren 39% der 16- bis 34-Jährigen bei gesundheitlichen Fragen im Internet und geben an, sich nach Online-Recherche oft selbst helfen zu können. Lange Wartezeiten und überfüllte Praxen werden als Hauptgründe genannt.
Rückenschmerzen und psychische Leiden als Hauptursachen für Fehlzeiten
Fehlzeiten am Arbeitsplatz steigen weiterhin – Hauptverantwortlich sind inzwischen Rückenschmerzen. Auf 100 versicherte Berufstätige kamen 2024 142 Krankheitstage aufgrund von Rückenschmerzen, was gegenüber 2019 eine Steigerung von fast 20% darstellt. Auch die Zahl der Diagnosen stieg deutlich.
Gleichzeitig nehmen psychische Erkrankungen rasant zu: Neben Anpassungsstörungen und akuten Belastungsreaktionen (112 Krankheitstage je 100 Berufstätige, +50% zu 2019) landen depressive Episoden auf Platz drei der häufigsten Einzeldiagnosen. Die Zahlen deuten auf einen steigenden Druck und Stress in Beruf und Alltag hin.
Diskussion um neue Versorgungsstrukturen
Der KKH-Vorstand fordert, Versicherte besser durch das Gesundheitssystem zu steuern, etwa durch ein stärker strukturiertes Primärversorgungssystem, bei dem Hausarztpraxen als erste Anlaufstelle dienen. Dadurch ließen sich Doppeluntersuchungen vermeiden und die Behandlungskoordination verbessern.
Die aktuellen Daten legen nahe, dass sich sowohl das Nutzerverhalten im Gesundheitssystem als auch die Belastungen am Arbeitsplatz zunehmend verändern – mit spürbaren Auswirkungen auf das gesamte Versorgungssystem.
Quellen
- Neun von zehn KKH-Versicherten gehen jährlich zum Arzt – News – Deutsches Ärzteblatt, Deutsches Ärzteblatt.
- KKH-Analyse: Wie häufig gehen Deutsche zum Arzt?, Gelbe Liste.
- Deutsche gehen im Schnitt neunmal pro Jahr zum Arzt, AerzteZeitung.de.
- Häufigere und längere Fehlzeiten wegen Rückenschmerzen, Pharmazeutische Zeitung.
- Gesundheitsreport der KKH: Rückenschmerzen waren 2025 Hauptursache für Fehlzeiten im Job, Ntv.
