Die finanzielle Situation der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) rückt freiwillige Zusatzleistungen in den Fokus. Während die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) deren Streichung fordert, um Milliarden einzusparen, warnen Experten vor erheblichen Nachteilen für Versicherte. Die Debatte dreht sich um das tatsächliche Sparpotenzial und die Bedeutung dieser Extras für die Gesundheitsversorgung.
Debatte um Einsparpotenzial
Andreas Gassen, Chef der KBV, schätzt das Einsparpotenzial durch die Streichung freiwilliger Zusatzleistungen auf rund eine Milliarde Euro pro Jahr. Diese Summe wird jedoch im Verhältnis zu den gesamten Leistungsausgaben der GKV, die 2025 bei 347 Milliarden Euro lagen, als gering eingestuft. Experten wie Thomas Adolph vom Vergleichsportal gesetzlichekrankenkassen.de widersprechen der Forderung vehement. Sie argumentieren, dass die Einsparungen minimal wären – etwa 0,11 Prozentpunkte im Beitragssatz – während gleichzeitig wichtige Leistungen für die Bevölkerung wegfallen würden.
Wichtige Zusatzleistungen im Fokus
- Schutzimpfungen: Viele von der Ständigen Impfkommission empfohlene Impfungen sind formal keine Regelleistung, werden aber von Kassen als freiwillige Zusatzleistung übernommen und ermöglichen so auch finanziell schwächeren Menschen wichtigen Schutz.
- Vorsorgeuntersuchungen: Erweiterte Vorsorgeuntersuchungen, wie z.B. zur Darm- oder Hautkrebsfrüherkennung bei familiärer Vorbelastung oder in kürzeren Intervallen, zählen ebenfalls zu den freiwilligen Leistungen.
- Hebammenleistungen: Einige Kassen finanzieren die Rufbereitschaftspauschale für Hebammen, was angesichts der Belastung des Hebammenberufs von Bedeutung ist.
- Haushaltshilfen und häusliche Krankenpflege: Zusätzliche Ansprüche über den gesetzlichen Rahmen hinaus, insbesondere für Alleinerziehende mit älteren Kindern oder Alleinstehende, könnten wegfallen.
Kritik an Alternativen
Als Alternative zur Streichung von Zusatzleistungen werden ärztliche Terminservices genannt, deren Kosten von 2019 bis Mitte 2024 laut Bundesrechnungshof 2,9 Milliarden Euro betrugen. Es konnte jedoch keine Verbesserung der Versorgungsqualität durch diese Services festgestellt werden. Die Sinnhaftigkeit von Schutzimpfungen, Hebammenleistungen oder häuslicher Krankenpflege wird hingegen als offensichtlich angesehen.
Vielfalt der Zusatzangebote
Die Liste der freiwilligen Zusatzleistungen gesetzlicher Krankenkassen ist lang und vielfältig. Sie reichen von professionellen Zahnreinigungen und Osteopathie über Naturheilverfahren und erweiterte Vorsorgeuntersuchungen bis hin zu Reiseschutzimpfungen und Unterstützung bei Schwangerschaft und künstlicher Befruchtung. Diese Extras dienen den Kassen auch als Wettbewerbsinstrument, um neue Mitglieder zu gewinnen. Die Beiträge und Leistungsumfänge stehen dabei nicht immer in direktem Verhältnis zueinander, was die Auswahl des passenden Versicherers für individuelle Bedürfnisse wichtig macht.
Quellen
- Zusatzleistungen der Kassen: Streit um eine Milliarde Euro, http://www.cash-online.de/.
- Krankenkassen: Die Streichung von Zusatzleistungen mindert nicht die Finanznot, Spiegel.
- Zusatzleistungen: Die Köder der gesetzlichen Krankenkassen, Capital.de.
- Handelsblatt, Handelsblatt.
