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Adrenoleukodystrophie: Symptome, Ursachen und Behandlungen im Check

Adrenoleukodystrophie: Symptome, Ursachen und Behandlungen im Check

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Adrenoleukodystrophie (ALD) ist eine seltene, X-chromosomal vererbte Stoffwechselerkrankung. Sie kann das Nervensystem und die Nebennierenrinde schädigen. Der Verlauf reicht von einer rasch fortschreitenden Erkrankung des Gehirns im Kindesalter bis zu langsam zunehmenden Beschwerden an Rückenmark und peripheren Nerven im Erwachsenenalter. Eine frühe Diagnose ist wichtig, weil bestimmte Behandlungen nur in frühen Krankheitsstadien sinnvoll sind.

Ursachen und Vererbung

Ursache ist meist eine Veränderung im ABCD1-Gen auf dem X-Chromosom. Das Gen enthält den Bauplan für das Protein ALDP. Es unterstützt den Transport sehr langkettiger Fettsäuren in die Peroxisomen, Zellbestandteile, in denen solche Fettsäuren abgebaut werden. Funktioniert dieser Transport nicht ausreichend, können sich die Fettsäuren unter anderem im Nervensystem und in der Nebennierenrinde ansammeln.

Da Männer nur ein X-Chromosom besitzen, entwickeln sie häufiger deutliche Krankheitszeichen. Frauen mit einer ABCD1-Genveränderung können Überträgerinnen sein, aber ebenfalls Beschwerden entwickeln, besonders im Erwachsenenalter. Welche Symptome auftreten und wie schnell sich die Erkrankung entwickelt, lässt sich nicht allein anhand der konkreten Mutation zuverlässig vorhersagen.

Formen der Adrenoleukodystrophie

  • Zerebrale ALD im Kindesalter: Sie beginnt häufig im Schulalter und kann zu einer rasch fortschreitenden Schädigung der weißen Substanz im Gehirn führen.
  • Adrenomyeloneuropathie (AMN): Diese Form zeigt sich meist bei Erwachsenen. Typisch sind eine zunehmende Steifigkeit und Schwäche der Beine, Sensibilitätsstörungen sowie Probleme mit Blase oder Darm.
  • Addison-only-Form: Dabei steht eine Nebennierenrindeninsuffizienz im Vordergrund, ohne dass zunächst erkennbare neurologische Beschwerden bestehen. Später können weitere Krankheitszeichen hinzukommen.

Symptome und Krankheitsverlauf

Die Beschwerden hängen stark von der Form ab. Bei Kindern können zunächst Konzentrations- und Lernprobleme, Verhaltensänderungen, Hör- oder Sehstörungen und eine schlechtere Koordination auffallen. Im weiteren Verlauf sind Sprachstörungen, Krampfanfälle, Muskelschwäche und ein Verlust bereits erworbener Fähigkeiten möglich. Die zerebrale kindliche Form kann innerhalb weniger Jahre schwer fortschreiten.

Bei Erwachsenen entwickelt sich AMN oft schleichend. Mögliche Anzeichen sind spastische Bewegungen, unsicheres Gehen, Schmerzen oder Taubheitsgefühle in den Beinen, Blasenstörungen und eine zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit. Auch Frauen mit einer ABCD1-Genveränderung können solche Beschwerden entwickeln.

Eine wichtige Begleiterkrankung ist die Nebennierenrindeninsuffizienz. Sie kann sich durch ausgeprägte Müdigkeit, Gewichtsverlust, niedrigen Blutdruck, Schwindel, Unterzuckerung oder eine dunklere Hautpigmentierung bemerkbar machen. Unbehandelt kann sie lebensbedrohlich werden. Bei entsprechenden Beschwerden brauchst du umgehend medizinische Hilfe.

Wie wird ALD diagnostiziert?

Die Abklärung erfolgt in der Regel durch ein spezialisiertes, interdisziplinäres Team. Ein Bluttest misst den Anteil überlangkettiger Fettsäuren. Ein auffälliger Befund kann den Verdacht erhärten, reicht allein aber nicht immer für die vollständige Einordnung aus. Eine genetische Untersuchung kann eine Veränderung im ABCD1-Gen nachweisen und ist auch für die Beratung von Familienangehörigen wichtig.

Mit einer MRT des Gehirns lassen sich Veränderungen der weißen Substanz erkennen und im Verlauf beobachten. Zusätzlich werden die Nebennierenfunktion und je nach Beschwerden weitere neurologische Funktionen untersucht. In einigen Ländern gibt es ein Neugeborenenscreening auf ALD. Bei einer bekannten familiären Belastung solltest du dich frühzeitig humangenetisch beraten lassen.

Behandlungsmöglichkeiten

Nebennierenrindeninsuffizienz behandeln

Eine Nebennierenrindeninsuffizienz wird mit einer ärztlich festgelegten Hormonersatztherapie behandelt, meist mit Glukokortikoiden. Die verlorene Funktion der Nebennieren wird dadurch nicht geheilt, die fehlenden Hormone werden aber ersetzt. Betroffene benötigen regelmäßige Kontrollen und einen individuellen Notfallplan.

Stammzelltransplantation

Eine allogene Blutstammzelltransplantation kann bei ausgewählten Kindern mit früher zerebraler ALD das Fortschreiten der neurologischen Schädigung bremsen oder stoppen. Sie kommt vor allem infrage, wenn MRT und klinische Befunde auf einen frühen Krankheitsprozess hinweisen. Bereits entstandene Schäden lassen sich dadurch nicht zuverlässig rückgängig machen.

Der Eingriff ist belastend und mit Risiken wie schweren Infektionen, Abstoßungsreaktionen und weiteren Komplikationen verbunden. Ob die Behandlung sinnvoll ist, muss deshalb rasch in einem erfahrenen Zentrum geprüft werden.

Gentherapie und Medikamente

Gentherapeutische Verfahren setzen an der genetischen Ursache an, indem Zellen mit einer funktionierenden Genkopie ausgestattet werden. Solche Verfahren sind komplex und nicht für jede Person verfügbar. Zulassung, Studienstatus und Zugang können sich ändern. Eine Behandlung kommt nur nach sorgfältiger Prüfung in spezialisierten Zentren infrage.

Wirkstoffe wie Leriglitazon wurden beziehungsweise werden in klinischen Studien untersucht. Sie sollen unter anderem krankheitsrelevante Entzündungs- und Stoffwechselprozesse beeinflussen. Vielversprechende Studienergebnisse bedeuten jedoch nicht automatisch, dass ein Medikament zugelassen oder als Standardtherapie geeignet ist.

Ernährung und symptomorientierte Behandlung

Diätetische Ansätze wie die Verwendung von Lorenzo’s Oil wurden untersucht, um die Bildung überlangkettiger Fettsäuren zu beeinflussen. Eine solche Ernährung darfst du nicht eigenständig beginnen. Sie sollte nur unter ärztlicher und ernährungsmedizinischer Begleitung erfolgen und ersetzt keine wirksame Behandlung der neurologischen oder hormonellen Folgen.

Bei AMN und fortgeschrittener ALD stehen häufig Physiotherapie, Ergotherapie, Hilfsmittel, Schmerz- und Blasenbehandlung sowie Unterstützung bei Kommunikation und Pflege im Mittelpunkt. Psychologische Beratung und der Austausch mit Selbsthilfegruppen können dich und deine Angehörigen zusätzlich entlasten.

Kosten und Versorgung

Die Kosten hängen von Diagnostik, Therapie, Klinikaufenthalt, Nachsorge und notwendiger Unterstützung im Alltag ab. Besonders Transplantations- und gentherapeutische Verfahren sind aufwendig und werden nicht überall angeboten. Vor einer Behandlung solltest du mit dem spezialisierten Zentrum und deiner Krankenkasse klären, welche Leistungen übernommen werden und ob ein Antrag auf Kostenübernahme erforderlich ist. Sozialdienste und Patientenorganisationen können bei Anträgen, Fahrten und der Suche nach Unterstützungsangeboten helfen.

Leben mit Adrenoleukodystrophie: Ärztin informiert sich im Internet

Was du bei einem Verdacht tun solltest

Unklare neurologische Beschwerden, eine Nebennierenrindeninsuffizienz oder eine ALD in der Familie solltest du in einer neurologischen, endokrinologischen oder humangenetischen Praxis ansprechen. Bei Kindern mit auffälligen Lern- oder Verhaltensänderungen und familiärer Belastung ist eine zeitnahe Abklärung besonders wichtig. Eine rasche Verschlechterung, Krampfanfälle oder Zeichen einer schweren Hormonstörung erfordern sofortige medizinische Behandlung.

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