Das multiple Myelom ist eine Krebserkrankung des Knochenmarks. Es entsteht aus entarteten Plasmazellen – Zellen des Immunsystems, die normalerweise Antikörper bilden. Vermehren sich diese Zellen unkontrolliert, verdrängen sie gesunde Blutzellen und bilden meist ein einheitliches, nicht ausreichend wirksames Eiweiß. Dadurch können Blutbild, Knochen, Nieren und Abwehrkräfte beeinträchtigt werden.
Multiplem Myelom: Symptome im Überblick
Die Beschwerden entwickeln sich oft schleichend und sind zunächst unspezifisch. Manche Betroffene haben anfangs keine auffälligen Symptome; die Erkrankung wird dann beispielsweise bei einer Blutuntersuchung entdeckt. Häufige Anzeichen können sein:
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Knochenschmerzen: vor allem im Rücken, in den Rippen oder in den langen Knochen. Durch den Knochenabbau steigt auch das Risiko für Brüche.
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Müdigkeit und Leistungsabfall: Eine Blutarmut kann entstehen, wenn Myelomzellen die Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark beeinträchtigen.
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Häufige oder schwer verlaufende Infektionen: Die normale Antikörperbildung und damit die Immunabwehr können geschwächt sein.
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Nierenfunktionsstörungen: Bestimmte Eiweiße der Myelomzellen sowie ein erhöhter Kalziumspiegel können die Nieren belasten.
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Erhöhter Kalziumspiegel: Möglich sind unter anderem starker Durst, häufiges Wasserlassen, Verstopfung, Übelkeit, Müdigkeit oder Verwirrtheit.
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Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit: Diese Beschwerden sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben.
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Kribbeln oder Taubheitsgefühle: Nervenschäden können durch die Erkrankung oder als Nebenwirkung einer Behandlung auftreten.
Anhaltende Knochenschmerzen, ungewöhnliche Müdigkeit, wiederkehrende Infektionen oder neue neurologische Beschwerden solltest du ärztlich abklären lassen. Bei starken Schmerzen, einem Verdacht auf Knochenbruch, Verwirrtheit oder deutlich eingeschränkter Nierenfunktion ist eine rasche medizinische Abklärung wichtig.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache des multiplen Myeloms ist meist nicht bekannt. Ausgangspunkt ist eine einzelne veränderte Plasmazelle, die sich im Knochenmark vermehrt. Das multiple Myelom ist keine typische Erbkrankheit. Eine familiäre Häufung von Myelomen oder bestimmten Lymphomen kann das Risiko jedoch erhöhen, ohne dass daraus eine sichere Erkrankung folgt.
Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Auch bestimmte genetische Veränderungen in den Myelomzellen spielen für Entstehung und Verlauf eine Rolle. Für mögliche Einflüsse von ionisierender Strahlung, Pestiziden oder anderen Chemikalien gibt es Hinweise, ein eindeutiger Zusammenhang lässt sich daraus jedoch nicht für jede betroffene Person ableiten. Einen direkten, gesicherten Auslöser durch eine Virusinfektion gibt es nach dem vorliegenden Inhalt nicht.
Wie wird ein multiples Myelom diagnostiziert?
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Für die Diagnose werden mehrere Untersuchungen kombiniert. Das ärztliche Gespräch und die körperliche Untersuchung liefern erste Hinweise, reichen allein aber nicht aus.
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Blutuntersuchungen: Blutbild, Nierenwerte, Kalzium und Immunglobuline werden kontrolliert. Ein monoklonales Eiweiß kann auf eine Erkrankung aus Plasmazellen hinweisen.
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Urinuntersuchung: Dabei wird unter anderem nach sogenannten Bence-Jones-Proteinen beziehungsweise freien Leichtketten gesucht. Außerdem lässt sich die Nierenfunktion besser beurteilen.
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Knochenmarkuntersuchung: Eine Probe, meist aus dem Beckenknochen, zeigt, ob und in welchem Ausmaß veränderte Plasmazellen vorhanden sind. Zusätzlich können genetische Merkmale untersucht werden.
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Bildgebung: Röntgen, Computertomografie, Magnetresonanztomografie oder PET können Knochenabbau, Frakturen und weitere Krankheitsherde sichtbar machen.
Bei der Beurteilung werden unter anderem der Anteil der Plasmazellen im Knochenmark, monoklonale Immunglobuline und sogenannte CRAB-Merkmale berücksichtigt: erhöhter Kalziumspiegel, Nierenfunktionsstörung, Blutarmut und Knochenveränderungen. Ob tatsächlich ein behandlungsbedürftiges multiples Myelom vorliegt, lässt sich nur durch ein spezialisiertes ärztliches Team beurteilen.
Behandlung des multiplen Myeloms
Die Therapie richtet sich unter anderem nach Krankheitsaktivität, Beschwerden, genetischen Merkmalen, Alter und allgemeinem Gesundheitszustand. Sie sollte in enger Abstimmung mit einem auf Blutkrebserkrankungen spezialisierten Zentrum geplant werden.
Medikamentöse Therapie
Zum Einsatz kommen Kombinationen aus verschiedenen Wirkstoffgruppen. Dazu gehören Chemotherapien, Kortikosteroide, immunmodulierende und zielgerichtete Medikamente. Immuntherapien unterstützen das Immunsystem dabei, Myelomzellen zu erkennen oder anzugreifen. Bei bestimmten Krankheitsverläufen können auch Antikörpertherapien oder eine CAR-T-Zelltherapie infrage kommen. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von der individuellen Situation und der bisherigen Therapie ab.
Stammzelltransplantation
Für ausgewählte, körperlich belastbare Patientinnen und Patienten kann eine autologe Stammzelltransplantation erwogen werden. Dabei werden eigene Blutstammzellen gesammelt, anschließend wird eine hochdosierte Behandlung durchgeführt und die Stammzellen werden zurückgegeben. Ob dieses Verfahren möglich ist, hängt unter anderem von Gesundheitszustand, Alter und Begleiterkrankungen ab.
Behandlung von Knochen- und Organfolgen
Knochenschäden, Schmerzen, Infektionen, Blutarmut, erhöhtes Kalzium und Nierenprobleme werden zusätzlich behandelt. Medikamente wie Bisphosphonate oder Denosumab können bei geeigneten Betroffenen den Knochenabbau hemmen. Ihre Anwendung und mögliche Risiken müssen ärztlich geprüft werden. Bei Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Frakturen können außerdem Schmerztherapie, Physiotherapie oder orthopädische Maßnahmen sinnvoll sein.
Nachsorge und klinische Studien
Regelmäßige Kontrollen dienen dazu, die Krankheitsaktivität, Blutwerte, Nierenfunktion und mögliche Nebenwirkungen zu überwachen. Da sich die Behandlungsmöglichkeiten weiterentwickeln, kann auch die Teilnahme an einer klinischen Studie eine Option sein. Besprich Vor- und Nachteile mit deinem Behandlungsteam.
Sonderformen und Begleiterkrankungen
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Mit dem multiplen Myelom können seltene Krankheitsbilder wie das POEMS-Syndrom oder eine AL-Amyloidose verbunden sein. Beim POEMS-Syndrom stehen unter anderem Polyneuropathie, Organvergrößerungen, hormonelle Veränderungen, monoklonale Eiweiße und Hautveränderungen im Vordergrund. Der Begriff umfasst:
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Polyneuropathie (Nervenschäden)
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Organomegalie
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Endokrinopathie
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Monoklonale Gammopathie
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Skin changes (Hautveränderungen)
Bei einer AL-Amyloidose lagern sich Eiweiße in Organen ab und können deren Funktion beeinträchtigen. Diese Sonderformen erfordern oft zusätzliche Untersuchungen, etwa eine Gewebeprobe, und eine speziell angepasste Behandlung.
Alltag, Ernährung und psychische Unterstützung
Eine ausgewogene Ernährung und angemessene Bewegung können dein Wohlbefinden unterstützen. Bei Knochenveränderungen solltest du Belastungen und Übungen vorher mit deinem ärztlichen Team oder einer Physiotherapie abstimmen. Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate solltest du nicht ohne Rücksprache einnehmen, weil Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich sind.
Eine Krebserkrankung kann psychisch und sozial stark belasten. Gespräche mit Angehörigen, psychoonkologische Beratung, Selbsthilfegruppen und soziale Beratungsstellen können dir helfen. Auch Fragen zu Arbeitsfähigkeit, Krankengeld, Erwerbsminderungsrente oder Schwerbehindertenstatus lassen sich dort klären. Eine Patientenverfügung kann unabhängig davon festhalten, welche medizinische Behandlung du in bestimmten Situationen wünschst.
Verlauf und Prognose
Das multiple Myelom kann unterschiedlich verlaufen. Für die persönliche Prognose sind unter anderem Krankheitsstadium, genetische Eigenschaften, Alter, Gesundheitszustand und Ansprechen auf die Behandlung entscheidend. Allgemeine Überlebenszahlen lassen sich deshalb nicht direkt auf dich übertragen. Moderne Therapien können die Krankheitskontrolle und Lebensqualität verbessern, dennoch sind Rückfälle möglich. Regelmäßige Nachsorge hilft, Veränderungen früh zu erkennen und die Behandlung anzupassen.
Wenn bei dir Beschwerden bestehen oder bereits ein Verdacht geäußert wurde, solltest du die nächsten Schritte mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einem hämatologisch-onkologischen Zentrum besprechen. Dieser Überblick ersetzt keine individuelle Diagnose oder Therapieempfehlung.
