Du willst deine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen? Prüfe vor dem Versand zuerst die Vertragsbedingungen und die Folgen für deinen Versicherungsschutz. Eine Kündigung kann zwar Kosten sparen, aber auch zu einer Versicherungslücke und finanziellen Nachteilen führen.
Vor der Kündigung: Vertrag und Folgen prüfen
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützt dich finanziell, wenn du deinen Beruf wegen gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr ausüben kannst. Mit der Kündigung endet dieser Schutz zum vereinbarten Vertragsende. Eine neue BU kann bei höherem Alter oder nach gesundheitlichen Veränderungen schwerer zu bekommen sein. Kündige deshalb nicht, bevor du geklärt hast, ob eine andere Absicherung tatsächlich zustande kommt und nahtlos an den bisherigen Schutz anschließt.
Prüfe außerdem, ob es sich um eine reine BU-Police oder um einen Kombivertrag handelt. Zusatzbausteine wie eine Unfall- oder Pflegezusatzversicherung können eigenen Regelungen unterliegen und müssen unter Umständen separat gekündigt werden.
Welche Kündigungsfrist gilt?
Ordentliche Kündigung
Die ordentliche Kündigung richtet sich nach der Laufzeit, dem Versicherungsjahr, der Hauptfälligkeit und der im Vertrag festgelegten Kündigungsfrist. Häufig liegt die Frist bei einem bis drei Monaten vor dem maßgeblichen Termin. Das ist jedoch keine allgemeingültige Regel. Entscheidend sind deine Versicherungsbedingungen und die Angaben des Versicherers.
Suche in den Unterlagen nach Begriffen wie „Kündigung“, „Vertragslaufzeit“, „Hauptfälligkeit“ oder „Kündigungsfrist“. Notiere dir den spätesten Zugangstermin. Maßgeblich ist in der Regel nicht, wann du das Schreiben abschickst, sondern wann es dem Versicherer zugeht. Geht die Kündigung zu spät ein, kann sich das Vertragsende bis zum nächsten möglichen Termin verschieben.
Sonderkündigung und Widerruf
Ein Sonderkündigungsrecht kann sich aus besonderen Umständen ergeben, etwa aus einer Beitragsanpassung. Ob und unter welchen Voraussetzungen du außerordentlich kündigen kannst, steht in den Vertragsunterlagen oder in der Mitteilung des Versicherers. Die Fristen hierfür können kurz sein.
Ein Umzug oder ein Versicherungsfall begründet bei einer BU nicht automatisch ein Sonderkündigungsrecht. Auch ein später Widerruf oder eine Rückabwicklung wegen einer fehlerhaften Belehrung hängt von den Umständen des Vertragsschlusses ab. Lass solche Fragen vor einer normalen Kündigung rechtlich prüfen, insbesondere bei älteren Verträgen oder wenn du dich falsch beraten fühlst.
Was muss im Kündigungsschreiben stehen?
Formuliere die Kündigung eindeutig und ordne sie dem richtigen Vertrag zu. Sie sollte mindestens folgende Angaben enthalten:
- dein vollständiger Name und deine Anschrift,
- die Versicherungs- oder Vertragsnummer,
- die Bezeichnung der Berufsunfähigkeitsversicherung,
- den gewünschten Beendigungstermin oder die Formulierung „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“,
- die Bitte um eine schriftliche Bestätigung mit dem konkreten Vertragsende.
Ob eine eigenhändige Unterschrift oder eine bestimmte Form erforderlich ist, richtet sich nach dem Vertrag und den Vorgaben des Versicherers. Eine einfache E-Mail genügt daher nicht in jedem Fall. Prüfe vor dem Versand, welche Kommunikationswege akzeptiert werden. Eine Kündigung „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ ist sinnvoll, wenn du den exakten Termin nicht sicher bestimmen kannst. Der Versicherer soll dir dann das tatsächliche Vertragsende mitteilen.
Muster für dein Kündigungsschreiben
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündige ich meine Berufsunfähigkeitsversicherung mit der Vertragsnummer [Deine Vertragsnummer hier einfügen] fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Bitte senden Sie mir eine schriftliche Bestätigung der Kündigung unter Angabe des Vertragsendes zu.
Mit freundlichen Grüßen
[Deine handschriftliche Unterschrift hier][Dein getippter Name hier]
Kündigung nachweisbar versenden
Bewahre eine Kopie des Schreibens und alle Versandunterlagen auf. Du solltest im Streitfall belegen können, welches Schreiben du wann an welche Adresse gesendet hast und dass es beim Versicherer eingegangen ist.
- Post: Versende die Kündigung nachweisbar, zum Beispiel als Einschreiben. Hebe den Einlieferungsbeleg und den Zustellnachweis auf.
- Fax: Wenn der Versicherer diesen Weg akzeptiert, speichere den vollständigen Sendebericht mit Datum, Uhrzeit und Empfängernummer.
- E-Mail oder Online-Portal: Nutze die vom Versicherer angegebene Adresse beziehungsweise den vorgesehenen Dienst. Speichere die gesendete Nachricht, die Eingangsbestätigung und Screenshots oder PDF-Nachweise des Vorgangs.
Informiere dich bei Unsicherheit direkt beim Versicherer über die zulässige Form und die richtige Empfangsstelle. Entscheidend ist, dass die Kündigung rechtzeitig zugeht und der Zugang später nachvollziehbar bleibt.
Finanzielle und versicherungsrechtliche Risiken
Rückkaufswert und Verlust eingezahlter Beiträge
Bei einer vorzeitigen Kündigung kann ein Rückkaufswert anfallen. Seine Höhe hängt vom Vertrag ab und kann deutlich unter der Summe deiner bisher gezahlten Beiträge liegen. Abschluss-, Verwaltungs- und Risikokosten können dabei berücksichtigt sein. Fordere deshalb vor der Kündigung eine schriftliche Auskunft über den Rückkaufswert und das voraussichtliche Vertragsende an.
Bei einer selbstständigen BU steht nicht zwingend ein Sparguthaben im Mittelpunkt. Welche Auszahlung oder sonstige Vertragsfolge eintritt, hängt von deinem konkreten Tarif ab. Verlasse dich daher nicht auf allgemeine Aussagen, sondern prüfe die Police und die Abrechnung des Versicherers.
Versicherungslücke vermeiden
Mit dem Vertragsende entfällt der BU-Schutz. Kündige die bestehende Police deshalb grundsätzlich erst, wenn eine alternative Absicherung verbindlich zustande gekommen ist und keine Lücke entsteht. Ein Antrag allein garantiert noch keinen neuen Versicherungsschutz. Gesundheitsangaben und die Annahmeentscheidung des neuen Versicherers können entscheidend sein.
Hole bei Bedarf eine zweite Einschätzung ein, bevor du einem Wechsel zustimmst. Besonders kritisch sind Empfehlungen, die einen bestehenden Vertrag als problemlos kündbar darstellen oder finanzielle Nachteile verharmlosen.
Alternativen zur Kündigung
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Wenn du Beiträge reduzieren oder vorübergehend entlastet werden möchtest, muss eine vollständige Kündigung nicht die einzige Möglichkeit sein.
- Beitragsfreistellung: Je nach Tarif kannst du die Beitragszahlung zeitweise aussetzen oder den Vertrag beitragsfrei stellen. Dabei kann sich die versicherte Leistung verändern oder der Schutz eingeschränkt werden. Lass dir die Folgen schriftlich berechnen.
- Vertragsanpassung: Prüfe, ob sich Beitrag oder Leistungsumfang innerhalb deines Vertrags anpassen lassen. Eine Verringerung des Schutzes kann langfristige Folgen haben.
- Policenverkauf: Bei bestimmten älteren Verträgen kann ein Verkauf auf dem Zweitmarkt infrage kommen. Ob das möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt von der Police und den Angeboten ab.
- Widerruf oder Rückabwicklung: Bei möglichen Fehlern im Vertragsschluss oder in der Widerrufsbelehrung sollte eine Verbraucherzentrale oder ein Fachanwalt die Situation prüfen, bevor du kündigst.
Bestätigung kontrollieren
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Bitte den Versicherer ausdrücklich um eine schriftliche Kündigungsbestätigung. Sie sollte das Vertragsende, die betroffene Police und gegebenenfalls die weitere Beitragsabrechnung nennen. Prüfe, ob das bestätigte Datum mit deiner Kündigung und den Vertragsbedingungen übereinstimmt.
Wenn du nach angemessener Zeit keine Bestätigung erhältst, hake schriftlich nach. Verweise auf deine ursprüngliche Kündigung, füge eine Kopie und den Zustell- oder Sendebericht bei und bitte erneut um Mitteilung des Vertragsendes. Bewahre die gesamte Kommunikation zusammen mit dem Vertrag auf. Eine digitale Ablage kann helfen, Policen, Kündigungen und Nachweise fristgerecht wiederzufinden.
Checkliste: BU sicher kündigen
- Vertragslaufzeit, Hauptfälligkeit und Kündigungsfrist prüfen.
- Rückkaufswert und weitere finanzielle Folgen schriftlich anfordern.
- Neuen Versicherungsschutz vor der Kündigung verbindlich klären.
- Kombivertrag und Zusatzbausteine auf separate Kündigungsregeln prüfen.
- Kündigung eindeutig formulieren und zum nächstmöglichen Zeitpunkt erklären, wenn der Termin unklar ist.
- Nachweisbar versenden und Kopien, Belege sowie Bestätigungen aufbewahren.
- Schriftliches Vertragsende kontrollieren und bei Abweichungen sofort nachfragen.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu kündigen ist formal meist unkompliziert, die Folgen können aber weitreichend sein. Prüfe daher zuerst Fristen, Schutzlücke und Alternativen. Erst wenn diese Punkte geklärt sind, solltest du die Kündigung abschicken.

