BU-Versicherung kündigen: Das solltest du zuerst prüfen
Du kannst eine Berufsunfähigkeitsversicherung grundsätzlich kündigen. Ob und zu welchem Zeitpunkt das möglich ist, richtet sich aber nach deinem Vertrag, den vereinbarten Fristen und gegebenenfalls gesetzlichen Sonderregelungen. Prüfe deshalb zuerst deine Versicherungspolice und die Allgemeinen Versicherungsbedingungen.
Besonders wichtig ist die Frage, ob du bereits eine neue Absicherung hast. Kündige deinen bestehenden Vertrag nicht vorschnell, wenn du zu einem anderen Versicherer wechseln möchtest. Ein neuer Antrag kann wegen Gesundheitsfragen, Risikoprüfung oder Ausschlüssen teurer werden oder abgelehnt werden. Erst wenn der neue Vertrag verbindlich zustande gekommen ist, solltest du über die Beendigung des alten Vertrags entscheiden.
- Prüfe Kündigungsfrist, Vertragslaufzeit und Ende des Versicherungsjahres.
- Vergleiche die Folgen einer Kündigung mit möglichen Alternativen.
- Verliere den bestehenden Versicherungsschutz nicht, bevor eine neue Absicherung sicher besteht.
- Bewahre dein Kündigungsschreiben und alle Zustellnachweise auf.
Ordentliche Kündigung: Frist und möglicher Kündigungstermin
Bei einer ordentlichen Kündigung endet der Vertrag zum vertraglich vorgesehenen Termin. Häufig ist das Ende des Versicherungsjahres entscheidend. Das Versicherungsjahr muss nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmen. Wenn dein Vertrag beispielsweise am 1. Juli begonnen hat, kann das Versicherungsjahr am 30. Juni des Folgejahres enden. Welche Frist du einhalten musst, steht in deinen Vertragsunterlagen.
Im Ausgangstext wird häufig eine Frist von drei Monaten genannt. Darauf solltest du dich nicht verlassen: Maßgeblich ist die konkrete Regelung in deiner Police. Geht deine Kündigung zu spät ein, wird sie möglicherweise erst zum nächsten zulässigen Termin wirksam. Bitte den Versicherer bei Bedarf um eine schriftliche Auskunft zum nächstmöglichen Kündigungstermin.
Außerordentliche Kündigung und Sonderkündigungsrecht
Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine außerordentliche Kündigung möglich sein. Dazu können je nach Vertrag und Situation eine Beitragserhöhung, eine relevante Vertragsänderung oder ein anderer gesetzlich beziehungsweise vertraglich anerkannter Anlass gehören. Ein Sonderkündigungsrecht besteht jedoch nicht automatisch bei jeder Änderung oder jedem Leistungsfall.
Prüfe das Schreiben deines Versicherers genau. Dort sollten der Anlass, der Zeitpunkt des Wirksamwerdens und die Frist genannt sein. Bei einer außerordentlichen Kündigung solltest du den Grund ausdrücklich angeben und die betreffende Mitteilung beifügen. Da solche Fristen kurz sein können, solltest du bei Unklarheiten den Versicherer oder eine fachkundige Beratungsstelle zeitnah fragen.
So muss dein Kündigungsschreiben aussehen
Eine mündliche Kündigung reicht nicht aus. Ob Textform, Schriftform oder ein bestimmter Übermittlungsweg genügt, ergibt sich aus den Vertragsbedingungen und den Vorgaben des Versicherers. Ein unterschriebener Brief ist in vielen Fällen der nachvollziehbarste Weg. Manche Versicherer ermöglichen zusätzlich eine Kündigung über ein Online-Formular. Nutze diesen Weg nur, wenn du anschließend einen Nachweis über Eingang und Inhalt erhältst.
Dein Schreiben sollte mindestens folgende Angaben enthalten:
- deinen vollständigen Namen und deine Anschrift,
- dein Geburtsdatum, sofern der Versicherer es zur Zuordnung benötigt,
- die Versicherungs- oder Vertragsnummer,
- die Bezeichnung der Berufsunfähigkeitsversicherung,
- den gewünschten Beendigungstermin oder die Formulierung „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“,
- bei einer außerordentlichen Kündigung den konkreten Anlass,
- Ort, Datum und deine Unterschrift.
Eine mögliche Formulierung lautet: „Hiermit kündige ich den Versicherungsvertrag mit der Nummer [Vertragsnummer] zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Bitte bestätige mir schriftlich den Eingang dieser Kündigung und das Vertragsende.“ Bei einer Sonderkündigung ergänzt du den Grund und die zugrunde liegende Mitteilung des Versicherers.
Kündigung sicher versenden und dokumentieren
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Entscheidend ist, dass du den Zugang deiner Kündigung im Streitfall belegen kannst. Ein Einwurf in den Briefkasten bietet dafür keinen guten Nachweis. Versende das Schreiben deshalb über einen Weg, der den Versand oder Zugang dokumentiert, beispielsweise als Einschreiben oder – sofern vom Versicherer akzeptiert – per Fax mit Sendeprotokoll. Bei einem Online-Formular solltest du die Eingangsbestätigung, den vollständigen Inhalt und den Zeitpunkt der Übermittlung speichern.
Bewahre eine Kopie des Schreibens, den Versandbeleg und die Vertragsunterlagen auf. Bitte den Versicherer außerdem um eine schriftliche Kündigungsbestätigung mit dem genauen Vertragsende. Wenn du nach angemessener Zeit keine Bestätigung erhältst, hake schriftlich nach.
Welche Folgen hat die Kündigung?
Mit dem Ende des Vertrags entfällt der BU-Schutz. Wenn du danach berufsunfähig wirst, erhältst du aus diesem Vertrag keine vereinbarte monatliche Rente. Eine Kündigung kann außerdem finanzielle Nachteile haben. Prüfe, ob bei deinem Vertrag ein Rückkaufswert, Überschüsse oder andere Vertragswerte vorgesehen sind und wie sich die Beendigung darauf auswirkt. Bei einer selbstständigen BU-Versicherung gibt es nicht automatisch einen auszahlbaren Wert.
Willst du später erneut eine BU abschließen, musst du in der Regel wieder Gesundheitsfragen beantworten. Dein dann aktueller Gesundheitszustand kann zu höheren Beiträgen, Leistungsausschlüssen oder einer Ablehnung führen. Genau deshalb solltest du einen bestehenden Vertrag nicht kündigen, bevor du die Folgen geprüft und eine neue Absicherung verbindlich geregelt hast.
Alternativen zur Kündigung
Wenn dein Beitrag zu hoch ist oder du vorübergehend weniger Geld zur Verfügung hast, kann eine vollständige Kündigung unnötig sein. Frage den Versicherer nach folgenden Möglichkeiten:
Beitragsfreistellung
Bei einer Beitragsfreistellung zahlst du vorübergehend keine Beiträge. Der Vertrag kann bestehen bleiben, die versicherte Leistung wird jedoch in der Regel herabgesetzt oder verändert. Kläre, ob und unter welchen Bedingungen du den ursprünglichen Schutz später wiederherstellen kannst und ob dafür eine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich ist.
Anpassung der versicherten Leistung
Eine geringere BU-Rente kann den Beitrag reduzieren, ohne dass der Schutz vollständig entfällt. Prüfe dabei, ob die verbleibende Leistung deine wichtigsten finanziellen Verpflichtungen noch abdeckt.
Pausieren der Beitragsdynamik
Wenn dein Vertrag eine Dynamik enthält, kann das Pausieren der jährlichen Erhöhung vorübergehend die Beitragsbelastung begrenzen. Die Bedingungen dafür stehen in deinem Vertrag. Beachte, dass sich dadurch auch die Entwicklung der versicherten Rente verändert.
Ein Verkauf oder eine Beleihung ist bei einer klassischen selbstständigen BU-Versicherung meist keine naheliegende Standardlösung. Solche Möglichkeiten hängen stark von der Vertragsart ab und sind insbesondere bei bestimmten Lebens- oder Rentenversicherungen mit BU-Zusatz relevant.
Widerruf statt Kündigung
Wenn du den Vertrag erst vor kurzer Zeit abgeschlossen hast, kommt möglicherweise ein Widerruf infrage. Ein Widerruf unterscheidet sich von einer Kündigung: Die Kündigung beendet den Vertrag zu einem bestimmten Zeitpunkt, während der Widerruf den Vertrag rückabwickeln kann. Ob die Widerrufsfrist noch läuft, hängt unter anderem davon ab, wann du die erforderlichen Vertragsunterlagen und eine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung erhalten hast.
Maßgeblich ist die konkrete Widerrufsbelehrung in deinen Unterlagen. Prüfe dort die Frist und die zulässige Form. Wenn du bereits Leistungen erhalten hast, kann die Rückabwicklung zusätzliche Fragen aufwerfen. Bei Unsicherheit solltest du den Widerruf nicht mit einer Kündigung verwechseln und fachkundigen Rat einholen.
Besonderheiten bei einer BU-Zusatzversicherung
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Ist die BU als Zusatzversicherung mit einer Lebens- oder Rentenversicherung verbunden, kannst du sie möglicherweise nicht unabhängig vom Hauptvertrag kündigen oder ändern. Die Kündigung der Hauptversicherung kann dann auch den BU-Schutz beenden. Umgekehrt kann eine Änderung der Hauptversicherung Auswirkungen auf Beitrag und Leistung der Zusatzversicherung haben.
Prüfe daher, ob eine getrennte Kündigung, Beitragsfreistellung oder Vertragsänderung möglich ist. Lass dir die Folgen vom Versicherer schriftlich erklären, bevor du den Hauptvertrag kündigst oder beitragsfrei stellst.
Deine Checkliste vor dem Absenden
- Du hast die Kündigungsfrist und den nächstmöglichen Termin aus dem Vertrag geprüft.
- Du weißt, wann dein Versicherungsjahr endet.
- Du hast Alternativen zur vollständigen Kündigung angefragt.
- Bei einem Wechsel ist der neue BU-Vertrag verbindlich zustande gekommen.
- Das Kündigungsschreiben enthält Vertragsnummer, Termin, Kontaktdaten und Unterschrift.
- Du versendest die Kündigung mit einem geeigneten Zustellnachweis.
- Du bewahrst Kopie, Versandbeleg und Kündigungsbestätigung auf.
Wenn du bei Frist, Widerruf, Vertragswerten oder den Folgen einer BU-Zusatzversicherung unsicher bist, kläre die konkrete Situation vor dem Absenden. So vermeidest du, dass dein Schutz unbeabsichtigt endet oder eine Frist verstreicht.

