Augeninfarkt: Symptome erkennen und sofort handeln
Ein Augeninfarkt bezeichnet eine plötzliche Durchblutungsstörung am Sehnerv oder an der Netzhaut. Das betroffene Gewebe erhält dadurch nicht ausreichend Sauerstoff. Die Folgen können erheblich sein und dauerhaft bleiben. Da ähnliche Beschwerden auch bei einer Netzhautablösung oder einem Schlaganfall auftreten können, lässt sich die Ursache nur ärztlich feststellen.
Wenn du plötzlich auf einem oder beiden Augen schlechter, verschwommen oder wie durch einen Schatten siehst, brauchst du sofort medizinische Hilfe. Warte nicht ab, ob die Beschwerden von allein verschwinden. Wende dich umgehend an eine Augenklinik oder den medizinischen Notdienst. Treten zusätzlich Sprachstörungen, Lähmungen, hängende Mundwinkel, starke Unsicherheit oder andere neurologische Symptome auf, ist der Notruf erforderlich.
Typische Anzeichen
Die Beschwerden beginnen häufig abrupt und betreffen oft nur ein Auge. Möglich sind:
-
plötzliche Sehverschlechterung oder verschwommenes Sehen
-
schwarze Punkte, Schatten oder ein dunkler Vorhang im Sichtfeld
-
Ausfälle in einem Teil des Gesichtsfelds
-
eine deutliche, meist schmerzlose Einschränkung der Sehkraft
Ein Augeninfarkt verursacht nicht zwingend Schmerzen. Gerade deshalb wird er manchmal unterschätzt. Migräne mit Aura kann ebenfalls Sehstörungen auslösen, ist aber keine sichere Erklärung für einen plötzlich neuen oder einseitigen Sehverlust. Auch ohne Schmerzen gilt: Lass die Beschwerden unverzüglich abklären.
Ursachen und Risikofaktoren
Der Durchblutungsstörung können ein Gefäßverschluss, eine Verengung der Blutgefäße oder ein Blutgerinnsel zugrunde liegen. Welche Struktur betroffen ist und wodurch die Störung entstanden ist, muss die Untersuchung zeigen.
Das Risiko steigt insbesondere bei Gefäßerkrankungen und folgenden Faktoren:
-
Bluthochdruck
-
Diabetes
-
Arteriosklerose oder erhöhte Blutfettwerte
-
Rauchen
-
Übergewicht und Bewegungsmangel
-
höheres Lebensalter
Diabetes und dauerhaft erhöhter Blutdruck können die Gefäße schädigen. Wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen, ist eine regelmäßige Kontrolle beim Hausarzt und in der Augenarztpraxis besonders wichtig.
Wie wird ein Augeninfarkt festgestellt?
Zu Beginn erfasst die Ärztin oder der Arzt, wann die Beschwerden begonnen haben und wie stark die Sehkraft beeinträchtigt ist. Danach folgen je nach Verdacht eine gründliche Augenuntersuchung, Sehtests und die Beurteilung von Netzhaut, Sehnerv und Gesichtsfeld.
Bildgebende Verfahren können die betroffenen Strukturen und die Durchblutung genauer darstellen. Dazu gehören beispielsweise die optische Kohärenztomografie oder – falls angezeigt – eine Fluoreszenzangiografie. Blutuntersuchungen helfen dabei, Erkrankungen wie Diabetes oder andere Gefäßrisiken zu erkennen. Je nach Befund können weitere Untersuchungen des Herz-Kreislauf-Systems notwendig sein.
Eine schnelle Diagnose ist wichtig, weil sich die Behandlung nach der Ursache richtet und andere Notfälle ausgeschlossen werden müssen. Nimm deshalb, wenn möglich, den Zeitpunkt des Beginns und eine Liste deiner Medikamente mit.
Behandlung: Was ist möglich?
Eine einheitliche Behandlung für jeden Augeninfarkt gibt es nicht. Die Therapie hängt unter anderem davon ab, ob der Sehnerv oder die Netzhaut betroffen ist, welches Gefäß geschädigt wurde und ob eine Grunderkrankung vorliegt.
Je nach Befund können ärztlich verordnete Medikamente eingesetzt werden. Dazu können Mittel gehören, die Gefäßrisiken behandeln oder die Bildung weiterer Blutgerinnsel verhindern. Entzündungshemmende Medikamente kommen nur bei bestimmten Ursachen infrage. Nimm weder Blutverdünner noch andere Präparate auf eigene Faust ein, denn sie können Nebenwirkungen haben und sind nicht für jede Situation geeignet.
Bei einzelnen Formen eines Gefäßverschlusses können außerdem eine Laserbehandlung, Injektionen oder ein Eingriff infrage kommen. Diese Verfahren werden nicht pauschal eingesetzt und müssen von Fachleuten geprüft werden. Ziel ist es, Komplikationen zu verhindern und die verbliebene Sehkraft zu erhalten.
Nach der Akutbehandlung können Kontrollen, Sehtraining und geeignete Sehhilfen den Umgang mit einer bleibenden Einschränkung erleichtern. Eine vollständige Wiederherstellung lässt sich nicht immer erreichen. Die Prognose hängt unter anderem vom betroffenen Gewebe, der Ursache und dem Zeitpunkt der Behandlung ab.
Vorbeugung und Nachsorge
![]()
Du kannst nicht jede Durchblutungsstörung verhindern. Dennoch senkst du Gefäßrisiken, wenn du:
-
Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte regelmäßig kontrollieren und behandeln lässt
-
nicht rauchst oder Unterstützung bei der Rauchentwöhnung nutzt
-
dich regelmäßig bewegst und auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und möglichst wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln achtest
-
verordnete Medikamente zuverlässig einnimmst und nicht eigenmächtig absetzt
-
Kontrolltermine in der Augenarztpraxis wahrnimmst
Für Menschen mit Diabetes sind die Einstellung des Blutzuckers und die empfohlenen Augenuntersuchungen besonders wichtig. Bei Bluthochdruck sollte die Behandlung regelmäßig überprüft werden. Eine gesunde Ernährung unterstützt die allgemeine Gefäßgesundheit, ersetzt aber keine medizinische Therapie.
Augeninfarkt bei Diabetes und im Alter
![]()
Diabetes, Bluthochdruck und Gefäßverkalkung treten im höheren Alter häufiger gemeinsam auf. Dadurch können sich Risiken verstärken. Auch jüngere Menschen sind jedoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Entscheidend sind die individuellen Vorerkrankungen und Gefäßrisiken.
Achte auf jede neue Veränderung deiner Sehkraft. Gerade bei Diabetes oder Bluthochdruck solltest du nicht bis zum nächsten Routinetermin warten, wenn plötzlich Beschwerden auftreten.
Psychische Belastung und Unterstützung
Eine unerwartete Sehverschlechterung kann Angst, Wut und Unsicherheit auslösen. Sprich offen mit deiner Familie und dem Behandlungsteam darüber, wobei du im Alltag Hilfe brauchst. Augenärztliche Beratung, Sehbehindertenberatung, Rehabilitation und psychologische Unterstützung können den Umgang mit den Folgen erleichtern. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein.
Versicherung und Kosten
Welche Untersuchungen, Medikamente, Rehabilitationsmaßnahmen oder Hilfsmittel übernommen werden, hängt von deiner Krankenversicherung, dem jeweiligen Vertrag und dem Einzelfall ab. Kläre konkrete Fragen direkt mit deiner Krankenkasse oder Versicherung. Frage insbesondere nach der Kostenübernahme für Nachsorge, Rehabilitation und Sehhilfen. Die medizinische Notfallversorgung solltest du bei plötzlichen Sehstörungen nicht wegen ungeklärter Versicherungsfragen aufschieben.
Das Wichtigste auf einen Blick
Plötzliche, meist schmerzlose Sehstörungen – besonders auf einem Auge – können auf einen Augeninfarkt oder einen anderen medizinischen Notfall hinweisen. Lass sie sofort abklären. Die Behandlung richtet sich nach der genauen Ursache. Blutdruck, Diabetes, Blutfette und Rauchen sind wichtige Ansatzpunkte für die Vorbeugung, ersetzen aber keine ärztliche Untersuchung.
