Die Blutegeltherapie ist ein traditionelles Verfahren, bei dem medizinisch gezüchtete Blutegel vorübergehend an der Haut angesetzt werden. Während des Saugens geben sie Speichel in die Bissstelle ab. Dieser enthält unter anderem gerinnungshemmende und möglicherweise entzündungsmodulierende Substanzen. Die Behandlung wird vor allem bei bestimmten Gelenkbeschwerden eingesetzt, ist aber nicht für jede Person geeignet und ersetzt keine notwendige ärztliche Behandlung.
Wie wirkt die Blutegeltherapie?
Beim Biss gelangt ein Wirkstoffgemisch in das Gewebe. Zu den bekannten Bestandteilen zählt Hirudin, das die Blutgerinnung hemmt. Weitere im Ausgangstext genannte Substanzen wie Callin, Bdellin und Hyaluronidase können die Gerinnung, Entzündungsprozesse oder die Verteilung der Speichelbestandteile beeinflussen. Die genaue Bedeutung des gesamten Wirkstoffgemischs ist wissenschaftlich nicht in allen Einzelheiten geklärt.
Nach dem Abfallen des Egels blutet die Bissstelle noch nach. Dadurch kann sich die Blutung über die eigentliche Saugphase hinaus fortsetzen. Die Behandlung wird deshalb mit einem saugfähigen, sterilen Verband versorgt. Eine Verbesserung der Durchblutung und eine Linderung von Schmerzen oder Schwellungen werden als mögliche Effekte beschrieben. Wie stark und wie lange diese Wirkung anhält, hängt von der Erkrankung und der individuellen Situation ab.
Bei welchen Beschwerden wird sie eingesetzt?
![]()
Die beste Studienlage des Ausgangstextes bezieht sich auf ausgewählte orthopädische Beschwerden, insbesondere Arthrose. Blutegel werden außerdem bei folgenden Problemen als ergänzende Behandlung eingesetzt:
-
Kniearthrose und Arthrose anderer Gelenke
-
Rhizarthrose am Daumensattelgelenk
-
Epicondylitis, zum Beispiel Tennisarm
-
Sehnenreizungen und bestimmte Muskelverspannungen
-
chronische Rückenschmerzen, Lumbago oder Beschwerden am Iliosakralgelenk
-
ausgewählte entzündliche Gelenkbeschwerden
-
Hämatome und Schwellungen nach Verletzungen
Für Migräne, Venenleiden, Krampfadern, Lymphödeme, Sportverletzungen oder akute Entzündungen wird die Therapie ebenfalls angeboten. Die Datenlage und die medizinische Bewertung sind je nach Anwendungsgebiet unterschiedlich. Bei plötzlich auftretenden, starken oder unklaren Beschwerden solltest du zunächst die Ursache ärztlich abklären lassen.
Was sagt die Studienlage?
Der Ausgangstext nennt positive Untersuchungen zur Kniearthrose, zur Rhizarthrose, zur Epicondylitis und zu chronischen Rückenschmerzen. Eine 2009 erwähnte Studie zur Rhizarthrose verglich Blutegel mit Diclofenac und berichtete über Verbesserungen bei Schmerzen, Beweglichkeit und Griffstärke. Außerdem werden Angaben genannt, nach denen bei 72 Prozent der untersuchten Personen mit Gonarthrose der Schmerzmittelbedarf sank; bei 32 Prozent hielt dieser Effekt länger als ein Jahr an.
Solche Ergebnisse sind für die Einordnung relevant, lassen sich aber nicht automatisch auf jede Erkrankung und jede Person übertragen. Die Forschung ist nicht für alle Einsatzgebiete gleich umfangreich. Du solltest die Blutegeltherapie daher als mögliche Ergänzung und nicht als garantiert wirksame Alternative zu Medikamenten, Physiotherapie oder einer Operation betrachten.
Wie läuft die Behandlung ab?
Vor der Behandlung besprichst du mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt oder einer entsprechend qualifizierten therapeutischen Fachkraft deine Beschwerden, Medikamente und Vorerkrankungen. Die Haut am vorgesehenen Areal sollte frei von Cremes, Ölen, Lotionen und starken Duftstoffen sein. Wärme kann das Behandlungsgebiet vorbereiten, weil Blutegel auf warme, gut durchblutete Haut eher anbeißen.
Die Egel werden gezielt auf die Haut gesetzt. Der Saugakt dauert laut Ausgangstext meist 20 bis 60 Minuten. Wenn ein Blutegel satt ist, fällt er normalerweise selbst ab. Du solltest ihn nicht gewaltsam abziehen oder quetschen. Danach wird die Bissstelle versorgt. Da sie noch mehrere Stunden nachbluten kann, bleibt ein saugfähiger Verband erforderlich; im Ausgangstext wird eine mögliche Nachblutung von bis zu 12 Stunden genannt.
Kontrolliere die Bissstelle in den folgenden Tagen. Halte sie sauber und trocken und wechsle den Verband, wenn er durchblutet ist. Bei starker oder nicht nachlassender Blutung, zunehmender Rötung, Schwellung, Eiter, starken Schmerzen oder Fieber solltest du ärztliche Hilfe holen.
Risiken und mögliche Nebenwirkungen
Häufiger sind vorübergehende Rötungen, Juckreiz, leichte Schwellungen, Blutergüsse und eine länger anhaltende Blutung. Kleine sternförmige Narben oder vorübergehende Pigmentveränderungen können zurückbleiben. Selten sind allergische Reaktionen auf Bestandteile des Speichels möglich. Bei Atemnot, Schwindel, einem ausgeprägten Ausschlag oder Kreislaufproblemen brauchst du sofort medizinische Hilfe.
Da die Haut verletzt wird, besteht außerdem ein Infektionsrisiko. Deshalb müssen die Blutegel aus kontrollierter medizinischer Zucht stammen und hygienisch angewendet werden. Medizinische Blutegel gelten in Deutschland als Human-Fertigarzneimittel und unterliegen besonderen Qualitätsanforderungen. Jeder Egel darf nur einmal verwendet werden. Selbst gefangene Tiere aus Teichen sind für eine Behandlung nicht geeignet.
Wann ist die Therapie nicht geeignet?
Besondere Vorsicht ist bei gerinnungshemmenden Medikamenten wie Marcumar oder Aspirin sowie bei bekannten Blutgerinnungsstörungen erforderlich. Auch eine ausgeprägte Allergieneigung, schwere Anämie, Immunschwäche, eine immunmodulierende Behandlung, größere Wunden oder Hautdefekte können gegen die Anwendung sprechen. Schwangerschaft und Stillzeit sowie die Behandlung kleiner Kinder müssen besonders kritisch ärztlich bewertet werden. Bei einer bestehenden Erkrankung solltest du die Therapie nicht eigenständig beginnen.
Vorab ist eine ausführliche Aufklärung wichtig. Lass dir erklären, welches Ziel die Behandlung hat, wie viele Sitzungen vorgesehen sind, welche Alternativen bestehen und woran du Komplikationen erkennst. Informiere die behandelnde Person vollständig über Medikamente, Allergien, Blutungsneigung und Vorerkrankungen.
Blutegeltherapie bei Arthrose
Bei Arthrose wird die Blutegeltherapie vor allem zur zeitweisen Linderung von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen untersucht. Die Ergebnisse können darauf hindeuten, dass manche Betroffene danach weniger Schmerzen haben und sich besser bewegen können. Das Verfahren behandelt jedoch nicht automatisch die strukturelle Ursache der Arthrose. Bewegung, Physiotherapie, Gewichtsregulation, Medikamente oder operative Verfahren können je nach Befund weiterhin sinnvoll sein.
Auch bei Rückenschmerzen, Sehnenreizungen oder Gelenkentzündungen sollte die Ursache geklärt werden. Die Blutegeltherapie kann in geeigneten Fällen ein Baustein eines umfassenden Behandlungskonzepts sein. Ob sie für dich infrage kommt, hängt von deiner Diagnose, deinem Gesundheitszustand und dem Blutungs- und Infektionsrisiko ab.
![]()
Wichtig: Lass dich vor einer Blutegeltherapie medizinisch beraten und führe sie nur mit medizinisch geeigneten Blutegeln sowie unter fachgerechten Hygiene- und Nachsorgestandards durch. Weitere Informationen zu möglichen Begleiterkrankungen findest du auch bei Bluthochdruck, Hexenschuss und Blutgerinnungsstörungen.
