Dekubitus: Symptome, Ursachen und Behandlung
Ein Dekubitus, auch Druckgeschwür genannt, entsteht durch anhaltenden Druck auf eine Körperstelle. Dadurch wird die Durchblutung beeinträchtigt und Haut oder tiefer liegendes Gewebe können geschädigt werden. Besonders gefährdet sind Menschen, die lange liegen oder sitzen, sich kaum selbst bewegen können oder eine empfindliche Haut haben.
Die Behandlung richtet sich nach der Tiefe und dem Zustand der Wunde. Entscheidend sind vor allem eine konsequente Druckentlastung, fachgerechte Wundversorgung, eine ausreichende Schmerzbehandlung und die Behandlung begünstigender Faktoren.
Symptome und Kategorien
Ein frühes Zeichen ist eine umschriebene, nicht wegdrückbare Rötung über einer knöchernen Körperstelle. Die Haut kann dort wärmer, verhärtet oder geschwollen sein, obwohl sie noch intakt ist. Bei dunkler Haut können sich Druckschäden auch durch eine andere Färbung, Wärmeveränderung oder verhärtete Haut zeigen. Schmerzen können auftreten, werden aber nicht von allen Betroffenen zuverlässig wahrgenommen.
Im weiteren Verlauf kann sich die Haut öffnen. Es entstehen beispielsweise Blasen oder ein flaches Geschwür. Bei tieferen Wunden sind Fettgewebe, Muskeln, Sehnen oder andere Strukturen betroffen. Die Einteilung erfolgt in Kategorien:
-
Kategorie I: nicht wegdrückbare Rötung bei intakter Haut.
-
Kategorie II: teilweiser Hautverlust, etwa als flaches offenes Geschwür oder Blase.
-
Kategorie III: vollständiger Hautverlust mit sichtbarem Fettgewebe; Tunnel oder Unterminierungen können vorkommen.
-
Kategorie IV: tiefer Gewebeverlust, bei dem unter anderem Muskeln, Sehnen oder Bindegewebe betroffen sein können.
Wenn Beläge oder abgestorbenes Gewebe die Tiefe verdecken, lässt sich die Wunde zunächst nicht sicher einordnen. Eine fachgerechte Dokumentation sollte Ausmaß, Größe, Aussehen, Begleitsymptome und Veränderungen im Verlauf festhalten.
Ursachen und Risikofaktoren
Die wichtigste Ursache ist länger anhaltender Druck. Er vermindert die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Reibung und Scherkräfte können die Haut zusätzlich verletzen oder Hautschichten gegeneinander verschieben. Das passiert beispielsweise beim Herabrutschen im Bett oder beim unsachgemäßen Bewegen.
Das Risiko steigt insbesondere bei:
-
eingeschränkter Mobilität oder Bettlägerigkeit,
-
höherem Alter und dünner, weniger elastischer Haut,
-
Durchblutungsstörungen, Diabetes oder neurologischen Erkrankungen,
-
verminderter Schmerz- oder Druckwahrnehmung,
-
Feuchtigkeit durch Schweiß oder Inkontinenz,
-
einem schlechten Ernährungs- oder Flüssigkeitszustand.
Bei Diabetes können Durchblutungsstörungen und Nervenschäden dazu führen, dass Druckstellen später bemerkt werden. Auch Medikamente oder Vorerkrankungen können Haut, Durchblutung oder Wundheilung beeinflussen. Das solltest du mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen.
Behandlung eines Dekubitus
Druck entlasten
Die betroffene Stelle muss konsequent entlastet werden. Dazu gehören individuell geplante Positionswechsel, geeignete Lagerungshilfen sowie druckverteilende Matratzen oder Sitzkissen. Die richtige Positionierung darf die Haut nicht zusätzlich durch Reibung oder Scherkräfte belasten. Wie häufig du die Position wechseln musst, hängt unter anderem von Hautzustand, Mobilität und Hilfsmitteln ab; starre Intervalle sind nicht für jede Person passend.
Wunde fachgerecht versorgen
Eine offene Wunde sollte von geschultem medizinischem oder pflegerischem Personal beurteilt werden. Zur Behandlung gehören je nach Befund die Reinigung, eine passende Wundauflage und gegebenenfalls die Entfernung abgestorbenen Gewebes, ein sogenanntes Debridement. Die Wahl des Verbandes richtet sich unter anderem nach Wundtiefe, Wundsekret und Hautzustand. Du solltest Wundauflagen nicht eigenständig wechseln oder eine Wunde mit ungeeigneten Mitteln behandeln, wenn dir das nicht gezeigt wurde.
Schmerzen und Infektionen beachten
Ein Dekubitus kann akut oder dauerhaft schmerzen. Sprich über deine Schmerzen, damit das Behandlungsteam die Schmerztherapie und die Versorgung anpassen kann. Medikamente oder lokale Betäubungen kommen nur nach ärztlicher Anordnung zum Einsatz.
Warnzeichen einer möglichen Infektion sind zunehmende Rötung oder Schwellung, stärker werdende Schmerzen, unangenehmer Geruch, verändertes oder vermehrtes Wundsekret und eine Verschlechterung des Allgemeinzustands. Bei solchen Veränderungen solltest du zeitnah medizinische Hilfe holen.
Weitere Behandlung
Bei tiefen oder komplizierten Wunden kann zusätzlich ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein. Ob eine Operation infrage kommt, entscheidet das Behandlungsteam nach Untersuchung der Wunde. Physiotherapie und Ergotherapie können anschließend helfen, Beweglichkeit und Selbstständigkeit zu fördern. Regelmäßige Nachkontrollen zeigen, ob die Behandlung angepasst werden muss.
Dekubitus vorbeugen
![]()
Vorbeugung beginnt mit einer individuellen Risikoeinschätzung und regelmäßiger Hautkontrolle. Untersuche gefährdete Bereiche wie Fersen, Kreuzbein, Hüften, Ellenbogen und Hinterkopf besonders aufmerksam. Druckstellen solltest du nicht massieren, sondern entlasten und fachlich beurteilen lassen.
-
Förder Bewegung und Eigenaktivität, soweit es der Gesundheitszustand erlaubt.
-
Nutze geeignete Lagerungs- und Mobilisationshilfen.
-
Halte die Haut sauber und trocken, ohne sie durch Reiben zu reizen.
-
Beobachte Hautveränderungen und dokumentiere sie nachvollziehbar.
-
Achte auf ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr; bei Unsicherheit kann eine Ernährungsberatung sinnvoll sein.
Pflegekräfte und Angehörige sollten die Maßnahmen gemeinsam abstimmen. Eine regelmäßige Neubewertung ist wichtig, wenn sich Mobilität, Gesundheitszustand, Ernährung oder Hautbild verändern. Spezielle Matratzen, Sitzkissen und Lagerungshilfen können unterstützen, ersetzen aber weder Hautkontrollen noch Bewegung und fachgerechte Pflege.
Ernährung und Wundheilung
![]()
Für die Wundheilung braucht der Körper ausreichend Energie, Eiweiß, Flüssigkeit und weitere Nährstoffe. Wenn du wenig isst, Gewicht verlierst oder Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme hast, solltest du das Behandlungsteam darauf ansprechen. Eine Ernährungsfachkraft kann prüfen, ob eine Anpassung des Speiseplans oder weitere Unterstützung nötig ist. Bei Diabetes sollte die Ernährung außerdem in die medizinische Behandlung und Blutzuckerkontrolle eingebunden werden.
Psychische Belastung
Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit, Abhängigkeit von Pflege und die Dauer der Behandlung können Angst, depressive Verstimmungen oder sozialen Rückzug auslösen. Sprich darüber mit Angehörigen, Pflegekräften, Ärztinnen oder Ärzten. Gespräche, psychologische Unterstützung und Selbsthilfeangebote können dabei helfen, mit der Belastung umzugehen. Angehörige können unterstützen, sollten aber ebenfalls auf ihre eigenen Grenzen achten.
Dokumentation und rechtliche Fragen
Eine genaue Dokumentation hält Hautzustand, Risikoeinschätzung, Lagerungen, Prophylaxemaßnahmen, Wundversorgung, Schmerzen und Veränderungen fest. Sie ist für die medizinische Nachverfolgung wichtig und kann auch bei rechtlichen Fragen eine Rolle spielen.
Wenn du vermutest, dass ein Dekubitus durch unzureichende Pflege oder Behandlung entstanden oder verschlimmert worden ist, solltest du den Ablauf und vorhandene Unterlagen sichern und dich beraten lassen. Ob ein Behandlungsfehler, eine Haftung oder ein Schadensersatzanspruch vorliegt, hängt vom konkreten Einzelfall ab. Auch Versicherungsleistungen richten sich nach dem Versicherungsvertrag, der Pflege- oder Behandlungssituation und den geltenden Regelungen. Beachte mögliche Fristen und hole bei Bedarf frühzeitig rechtlichen Rat ein.
Ein Dekubitus sollte immer ernst genommen werden. Je früher Druck entlastet, die Haut kontrolliert und eine passende Behandlung begonnen wird, desto besser lassen sich weitere Schäden vermeiden. Bei einer offenen oder auffälligen Wunde ist professionelle medizinische oder pflegerische Unterstützung erforderlich.
