Hidradenitis suppurativa (HS), auch Akne inversa genannt, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Sie verläuft meist schubweise und betrifft vor allem Hautfalten, etwa Achseln, Leisten, Genitalbereich, Gesäß oder die Haut unter der Brust. Typisch sind tiefe, schmerzhafte Knoten und Abszesse. Bei wiederkehrenden Entzündungen können Fisteln und Narben entstehen. HS wird häufig spät erkannt, weil sie mit Akne, Furunkeln oder einer Follikulitis verwechselt wird.
Wenn du wiederholt schmerzhafte Knoten oder eitrige Entzündungen in Hautfalten hast, solltest du sie dermatologisch abklären lassen. Eine frühe Diagnose kann helfen, das Fortschreiten und Folgeschäden zu begrenzen.
Symptome von Hidradenitis suppurativa
- Schmerzhafte Knoten: Die Veränderungen liegen meist tiefer unter der Haut als gewöhnliche Pickel und können über längere Zeit bestehen.
- Abszesse: Aus Knoten können sich mit Eiter gefüllte, druckempfindliche Abszesse entwickeln. Sie können sich spontan öffnen und Flüssigkeit absondern.
- Fisteln: Bei wiederkehrenden Entzündungen können sich tunnelartige Verbindungen unter der Haut bilden.
- Narben: Nach wiederholten Schüben können dauerhafte, teilweise wulstige Narben und Verhärtungen zurückbleiben.
- Juckreiz und Reizung: Die betroffenen Stellen können zusätzlich jucken, nässen oder durch Reibung gereizt werden.
Die Beschwerden kommen und gehen häufig. Zwischen den Schüben kann die Haut unauffällig wirken, während sich die Entzündung später erneut verstärkt. Schmerzen, Geruch, sichtbare Hautveränderungen und Bewegungseinschränkungen können Arbeit, Sport, Kleidung und soziale Kontakte beeinträchtigen. Auch Scham, Rückzug, Angst oder depressive Verstimmungen sind möglich. Wenn dich die Erkrankung psychisch belastet, kann zusätzlich psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt. HS entsteht wahrscheinlich durch ein Zusammenspiel aus Entzündungsprozessen, genetischer Veranlagung und weiteren Einflüssen. Die Erkrankung wird nicht durch mangelnde Hygiene verursacht. Du trägst daher keine Schuld an den Beschwerden.
Mögliche Einflussfaktoren
- Genetische Veranlagung: HS tritt in manchen Familien häufiger auf. Das bedeutet keine zwangsläufige Vererbung, kann aber die Anfälligkeit erhöhen.
- Rauchen: Nikotinkonsum steht mit einem ungünstigeren Krankheitsverlauf in Verbindung und kann Entzündungen fördern.
- Übergewicht: Mehr Reibung und Feuchtigkeit in Hautfalten können Beschwerden verstärken. Eine Gewichtsabnahme kann bei manchen Betroffenen entlastend wirken, sollte aber ohne Schuldzuweisungen und möglichst begleitet erfolgen.
- Hormone: Bei einigen Menschen verändern sich die Beschwerden in der Pubertät, im Menstruationszyklus oder während einer Schwangerschaft.
- Reibung und Schwitzen: Enge Kleidung, warmes Klima und starkes Schwitzen können die Haut zusätzlich reizen.
- Stress: Stress wird von manchen Betroffenen als Verstärker erlebt. Er ist jedoch nicht die alleinige Ursache der Erkrankung.
Eine bestimmte Diät heilt HS nicht. Manche Menschen beobachten Zusammenhänge mit einzelnen Lebensmitteln. Ein Ernährungstagebuch kann helfen, persönliche Muster zu erkennen. Größere Ausschlussdiäten solltest du nicht ohne fachliche Beratung beginnen.
HS kann gemeinsam mit anderen Erkrankungen auftreten, darunter chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, Arthritis, das metabolische Syndrom sowie Angst und Depressionen. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über zusätzliche Beschwerden.
Wie wird HS diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt meist klinisch. Eine Hautärztin oder ein Hautarzt beurteilt die betroffenen Stellen und fragt nach Beginn, Häufigkeit, Schmerzen, Auslösern und früheren Schüben. Wichtig sind auch die typische Verteilung in Hautfalten sowie das Vorliegen von Abszessen, Fisteln und Narben.
Es gibt keinen einzelnen Bluttest, der HS sicher nachweist. Ultraschall oder eine MRT können bei ausgedehnten oder unklaren Befunden die Entzündungen unter der Haut und Fistelgänge sichtbar machen. Eine Hautbiopsie ist nur in bestimmten Fällen erforderlich, etwa um andere Erkrankungen auszuschließen. Mögliche Verwechslungen bestehen unter anderem mit Akne, Follikulitis, Furunkeln, Dermatitis und Psoriasis.
Behandlung von Hidradenitis suppurativa
Welche Behandlung geeignet ist, hängt von Schweregrad, betroffenen Körperstellen, Schubhäufigkeit und deinen bisherigen Therapien ab. Die Erkrankung lässt sich häufig kontrollieren, erfordert aber oft eine längerfristige Betreuung.
Lokale Behandlung
Bei leichteren oder einzelnen Veränderungen können ärztlich verordnete Mittel zur lokalen Anwendung eingesetzt werden. Je nach Befund kommen beispielsweise antiseptische oder antibiotische Präparate sowie entzündungshemmende Behandlungen infrage. Trage Medikamente nur wie empfohlen auf und verwende sie nicht eigenständig über längere Zeit auf offenen Wunden.
Systemische Medikamente
Bei stärkeren oder wiederkehrenden Beschwerden können Medikamente eingesetzt werden, die im ganzen Körper wirken. Dazu gehören je nach Situation Antibiotika, entzündungshemmende Medikamente und Biologika. Antibiotika behandeln bakterielle Begleitinfektionen, beseitigen aber nicht die grundlegende Ursache der HS. Biologika blockieren gezielt bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe und werden meist als Spritze oder Infusion verabreicht. Sie können das Infektionsrisiko erhöhen und erfordern ärztliche Kontrollen. Besprich Nutzen, Risiken und mögliche Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Hautreaktionen oder Infektionen mit deinem Behandlungsteam. Einen Überblick zu den individuellen Erfolgsaussichten kann dir nur deine Ärztin oder dein Arzt geben.
Chirurgische Verfahren
Bei größeren Abszessen, ausgeprägten Fisteln oder dauerhaft veränderten Hautarealen können chirurgische Verfahren sinnvoll sein. Das Öffnen eines Abszesses kann den Druck und die Schmerzen vorübergehend lindern. Bei chronischen Fistelgängen oder ausgedehnten Veränderungen kommen je nach Befund eine gezielte Entfernung oder eine größere Entfernung betroffenen Gewebes infrage. In schweren Fällen kann eine Rekonstruktion oder Hauttransplantation notwendig werden. Jede Operation hat mögliche Risiken, darunter Infektionen, Blutungen, Narben und Wundheilungsstörungen.
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Was du im Alltag beachten kannst
- Reinige die Haut sanft und trockne Hautfalten vorsichtig ab. Starkes Schrubben und aggressive Peelings können zusätzlich reizen.
- Trage lockere, atmungsaktive Kleidung und vermeide Reibung an betroffenen Stellen.
- Beobachte mögliche persönliche Auslöser wie Schwitzen, Rasur, bestimmte Deodorants oder enge Kleidung.
- Wenn du rauchst, kann ein Rauchstopp deine allgemeine Gesundheit und möglicherweise auch den HS-Verlauf unterstützen.
- Bewegung, Stressabbau und eine ausgewogene Ernährung können das allgemeine Wohlbefinden fördern. Wähle Aktivitäten, die deine Haut nicht zusätzlich reizen.
- Führe bei Bedarf ein Symptomtagebuch und bringe es zu deinen Arztterminen mit.
Drücke Abszesse nicht selbst aus und behandle offene oder stark nässende Stellen nicht eigenständig mit verschreibungspflichtigen Mitteln. Bei zunehmender Rötung, starken Schmerzen, Fieber oder einer raschen Verschlechterung solltest du zeitnah medizinische Hilfe suchen.
HS und psychische Belastung
Chronische Schmerzen, Narben, Nässen und die Angst vor sichtbaren oder riechenden Wunden können die Lebensqualität deutlich vermindern. Rückzug und Scham sind häufige Reaktionen, aber du musst damit nicht allein bleiben. Sprich offen mit deinem Behandlungsteam, vertrauten Menschen oder einer psychotherapeutischen Fachkraft. Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen können zusätzlich entlasten.
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Das Wichtigste auf einen Blick
Hidradenitis suppurativa ist eine chronische, nicht durch mangelnde Hygiene verursachte Entzündung mit wiederkehrenden Knoten, Abszessen, Fisteln und Narben. Rauchen, Übergewicht, Reibung, Schwitzen, hormonelle Faktoren und eine genetische Veranlagung können den Verlauf beeinflussen. Die Diagnose stellt meist eine Hautarztpraxis anhand des Befunds und deiner Krankengeschichte. Je nach Ausprägung kommen lokale oder systemische Medikamente, Biologika und Operationen infrage. Lass wiederkehrende schmerzhafte Entzündungen früh abklären, damit du passende Unterstützung erhältst.
