Ein Bauchaortenaneurysma ist eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader im Bauch. Es bleibt häufig lange unbemerkt. Reißt die Gefäßwand, kann eine lebensbedrohliche innere Blutung entstehen. Das Ultraschallscreening soll solche Veränderungen entdecken, bevor Komplikationen auftreten.
Für wen ist das Screening besonders sinnvoll?
In Deutschland wird Männern ab 65 Jahren eine einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchaorta empfohlen. Für gesetzlich versicherte Männer gehört sie zum Leistungskatalog der Krankenkassen. Besonders wichtig ist die Untersuchung, wenn zusätzliche Risikofaktoren bestehen:
- Du rauchst aktuell oder hast früher geraucht.
- Du hast Bluthochdruck.
- Bei dir bestehen andere Gefäßerkrankungen, etwa eine periphere arterielle Verschlusskrankheit oder eine koronare Herzkrankheit.
- Bei einem nahen Angehörigen wurde ein Aortenaneurysma festgestellt.
Auch für Frauen kann ein Ultraschall sinnvoll sein, obwohl sie insgesamt seltener betroffen sind und kein allgemeines Screening für alle Frauen ab 65 Jahren besteht. Eine Untersuchung kommt insbesondere bei Raucherinnen, familiärer Vorbelastung oder bestehenden Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen infrage. Wenn mehrere Risikofaktoren zusammentreffen, solltest du das Thema mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt besprechen.
Warum bleibt ein Bauchaortenaneurysma oft unbemerkt?
Die Bauchaorta hat normalerweise einen Durchmesser von ungefähr zwei Zentimetern. Ab einer Erweiterung auf mehr als drei Zentimeter wird von einem Bauchaortenaneurysma gesprochen. Kleine und mittlere Aneurysmen verursachen häufig keine Beschwerden und werden deshalb oft zufällig entdeckt.
Mögliche, allerdings unspezifische Beschwerden sind Rücken- oder Flankenschmerzen sowie ein pulsierendes Gefühl im Bauch. Solche Symptome haben meist andere Ursachen und erlauben keine sichere Einschätzung. Bei plötzlich starken Bauch- oder Rückenschmerzen, Kreislaufproblemen oder Kollaps musst du sofort den Notruf wählen: Ein Riss der Aorta ist ein medizinischer Notfall.
Das Risiko steigt unter anderem mit dem Alter, durch Rauchen und bei dauerhaft erhöhtem Blutdruck. Auch eine familiäre Veranlagung und andere Gefäßerkrankungen spielen eine Rolle. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Bei Frauen ist das Risiko zwar geringer, Aneurysmen können jedoch einen ungünstigeren Verlauf haben. Deshalb sollte das individuelle Risikoprofil und nicht allein das Geschlecht berücksichtigt werden.
Wie läuft der Ultraschall ab?
Für die Untersuchung liegst du auf dem Rücken. Die Ärztin oder der Arzt trägt Gel auf deinen Bauch auf und führt einen Schallkopf über die Haut. Dabei wird die Bauchaorta dargestellt und an ihrer weitesten Stelle vermessen. Der Ultraschall ist schmerzfrei und verursacht keine Strahlenbelastung.
Die Methode eignet sich gut zur Früherkennung und ist in der Regel zuverlässig. Die Aussagekraft kann jedoch unter anderem von den Untersuchungsbedingungen und der Darstellbarkeit der Aorta abhängen. Wenn der Befund nicht eindeutig ist oder eine Behandlung geplant werden muss, können weitere bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie mit Gefäßdarstellung erforderlich sein.
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Was bedeuten die Ultraschallbefunde?
Entscheidend ist vor allem der gemessene Durchmesser:
- Unter 3 cm: Der Befund gilt als unauffällig. Das Screening bildet jedoch nur den aktuellen Zustand ab und bietet keine lebenslange Garantie.
- 3 bis 5,4 cm: Es liegt ein kleines bis mittleres Aneurysma vor. In der Regel wird zunächst kontrolliert, wie sich der Durchmesser entwickelt. Die Kontrollabstände richten sich nach der Größe, dem Wachstum und deinem persönlichen Risikoprofil.
- Ab etwa 5,5 cm: Bei Männern steigt das Rupturrisiko deutlich. Dann ist meist eine weiterführende Abklärung durch ein Gefäßzentrum oder eine gefäßchirurgische Fachabteilung erforderlich. Ob und wann behandelt wird, hängt zusätzlich von Wachstum, Beschwerden, Anatomie, Alter und allgemeinem Gesundheitszustand ab.
Bei Frauen kann eine Behandlung wegen des höheren Rupturrisikos bereits bei einem kleineren Durchmesser erwogen werden. Eine feste Entscheidung lässt sich daraus allein nicht ableiten. Die Ärztin oder der Arzt muss den Befund individuell bewerten.
Was passiert nach einem auffälligen Befund?
Ein kleines Aneurysma bedeutet nicht automatisch, dass du sofort operiert werden musst. Regelmäßige Ultraschallkontrollen zeigen, ob es stabil bleibt oder wächst. Bei kleineren Erweiterungen können längere Abstände ausreichen; je näher der Befund an einen kritischen Bereich kommt oder je schneller er wächst, desto engmaschiger wird meist kontrolliert.
Erreicht das Aneurysma eine behandlungsbedürftige Größe, wächst es rasch oder verursacht es Beschwerden, wird eine Therapie geprüft. Möglich sind eine offene Operation mit Gefäßprothese oder eine endovaskuläre Reparatur, kurz EVAR, bei der eine Stent-Prothese über die Leistengefäße eingesetzt wird. Beide Verfahren haben Vorteile und Risiken. Nach einer EVAR sind regelmäßige bildgebende Kontrollen besonders wichtig, um die Prothese und mögliche Undichtigkeiten zu überprüfen.
Die Entscheidung für eine Behandlung sollte in einem spezialisierten Gefäßzentrum getroffen werden. Dabei werden das Risiko eines Risses und die Risiken des Eingriffs gegeneinander abgewogen.
Nutzen und Grenzen der Früherkennung
Der wichtigste Vorteil des Screenings besteht darin, ein Aneurysma vor einer Ruptur zu erkennen. So kann der Verlauf überwacht und bei erhöhtem Risiko rechtzeitig eine Behandlung geplant werden. Screening-Programme können dadurch die Zahl von Aneurysmarissen und Todesfällen in der untersuchten Risikogruppe senken.
Die Untersuchung hat aber auch Grenzen. Sie kann Aneurysmen finden, die niemals Beschwerden verursacht hätten. Das Wissen um einen solchen Befund kann psychisch belasten und zu weiteren Untersuchungen oder Eingriffen führen, deren Risiken ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Außerdem kann sich ein Aneurysma nach einem unauffälligen Screening später entwickeln. Bei bekannten Erweiterungen ist die vereinbarte Nachsorge deshalb entscheidend.
Wer führt die Untersuchung durch und wer bezahlt sie?
Hausärztinnen und Hausärzte sowie Fachärztinnen und Fachärzte aus Innerer Medizin, Chirurgie, Radiologie oder Urologie können das Screening durchführen, sofern sie über die notwendige Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung verfügen. Die Aufklärung und Versicherteninformation werden über GOP 01747, die Ultraschalluntersuchung der Bauchaorta über GOP 01748 abgerechnet. Beide Leistungen werden extrabudgetär vergütet. Wird zusätzlich eine Abdomensonografie durchgeführt, kann die Abrechnung über 33042A wegen überschneidender Leistungsinhalte mit einem Abschlag erfolgen.
In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung ein allgemeines präventives Screening nicht standardmäßig. Eine Kostenübernahme kann bei medizinischer Notwendigkeit, konkretem Verdacht oder im Rahmen eines Hausarzt-Checks möglich sein. Das solltest du vor der Untersuchung mit deiner Krankenkasse und deiner behandelnden Praxis klären.
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Die Entscheidung mit der Ärztin oder dem Arzt treffen
Für Männer ab 65 Jahren ist das einmalige Screening besonders naheliegend. Wenn du jünger bist, eine Frau bist oder zusätzliche Risiken hast, hängt die Entscheidung stärker von deiner persönlichen Situation ab. Sprich über Raucherstatus, Blutdruck, Gefäßerkrankungen und Aneurysmen in der Familie. Gemeinsam könnt ihr den möglichen Nutzen der Früherkennung, die Folgen eines auffälligen Befunds und die Grenzen der Untersuchung abwägen.
