Versicherungslexikon

Palliative Pflege: Möglichkeiten der Absicherung durch die Pflegeversicherung

Palliative Pflege: Möglichkeiten der Absicherung durch die Pflegeversicherung

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Palliative Pflege soll die Lebensqualität und Würde schwer oder unheilbar erkrankter Menschen erhalten. Im Mittelpunkt stehen die Linderung von Schmerzen und anderen Beschwerden sowie die Unterstützung von Angehörigen – nicht die Heilung der Erkrankung. Für die Finanzierung ist wichtig, zwischen Pflegeversicherung und Krankenversicherung zu unterscheiden: Beide können Leistungen übernehmen, decken aber nicht automatisch alle Kosten.

Welche Rolle spielt die Pflegeversicherung?

Die Pflegeversicherung unterstützt pflegebedürftige Menschen, wenn ein anerkannter Pflegegrad vorliegt. Der Pflegegrad beeinflusst, welche Leistungen in welchem Umfang infrage kommen. Dazu gehören je nach Situation insbesondere Unterstützung bei der Körperpflege, Ernährung und Alltagsbewältigung. Auch die Versorgung durch einen ambulanten Dienst oder in einer stationären Einrichtung kann berücksichtigt werden.

Die gesetzliche Pflegeversicherung arbeitet dabei mit festgelegten Leistungsarten und Voraussetzungen. Welche Unterstützung tatsächlich bewilligt wird, hängt unter anderem vom Pflegegrad, vom individuellen Bedarf und vom Ort der Versorgung ab. Die Pflegeversicherung übernimmt nicht pauschal sämtliche medizinischen oder persönlichen Ausgaben.

Ambulante Versorgung zu Hause

Viele Menschen möchten ihre letzte Lebensphase in vertrauter Umgebung verbringen. Bei der häuslichen Versorgung können Angehörige und ein ambulante Pflegedienst zusammenarbeiten. Der Dienst kann unter anderem bei der Grundpflege und im Alltag unterstützen. Ein individueller Pflegeplan sollte regelmäßig überprüft und an den Gesundheitszustand angepasst werden.

Hospiz, Palliativstation und stationäre Pflege

Hospize begleiten Menschen in der letzten Lebensphase und bieten neben pflegerischer und medizinischer Unterstützung auch psychosoziale Betreuung. Palliativstationen sind meist an Krankenhäuser angebunden und auf eine intensivere medizinische Versorgung ausgerichtet. Bei stationären Angeboten solltest du frühzeitig klären, welche Kosten von der Kranken- oder Pflegeversicherung übernommen werden und ob ein Eigenanteil verbleibt.

Älterer weißer Mensch lächelt in heller Umgebung.

Was übernimmt die Krankenkasse?

Leistungen der medizinischen Versorgung fallen grundsätzlich in den Bereich der Krankenversicherung. Dazu können ärztliche Behandlung, Arzneimittel, Verbandswechsel und die Versorgung von Symptomen gehören. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) wird in der Regel über die Krankenkasse organisiert und finanziert. Sie umfasst unter anderem Schmerztherapie, Symptomkontrolle und psychosoziale Unterstützung.

Auch die Palliativmedizin kann ambulant oder stationär eingebunden werden. Der konkrete Anspruch muss ärztlich eingeschätzt und mit dem zuständigen Versorgungsteam abgestimmt werden. Medizinische Versorgung und pflegerische Unterstützung sollten deshalb gemeinsam geplant werden.

Gesetzliche und private Pflegeversicherung

Für gesetzlich Versicherte gelten die gesetzlichen Leistungsregelungen. Bei einer privaten Pflegepflichtversicherung richten sich Art und Umfang der Erstattung nach den gesetzlichen Vorgaben und dem individuellen Tarif. Zusätzliche private Versicherungen können weitere Regelungen enthalten. Lass dir deshalb vor Beginn der Versorgung schriftlich erklären, welche Leistungen übernommen werden, welche Nachweise erforderlich sind und ob eine Zuzahlung möglich ist.

Eine Pflegeberatung kann dir helfen, die Zuständigkeiten zu klären und Anträge vorzubereiten. Sie ist besonders sinnvoll, wenn mehrere Dienste, Einrichtungen oder Kostenträger beteiligt sind.

Finanzielle Unterstützung für Angehörige

Angehörige übernehmen in der palliativen Versorgung häufig organisatorische und pflegerische Aufgaben. Je nach Voraussetzungen können Leistungen wie Pflegegeld oder eine Freistellung von der Arbeit mit finanziellen Hilfen verbunden sein. Pflegeurlaub ist nicht automatisch eine Leistung der Pflegeversicherung; mögliche Ansprüche und Darlehensregelungen solltest du gesondert prüfen.

Wichtig ist außerdem, die eigene Belastung ernst zu nehmen. Ambulante Dienste, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Trauerbegleitung können Angehörige entlasten. Sprich offen mit dem Pflegeteam, wenn die Versorgung zu Hause körperlich oder emotional nicht mehr zu bewältigen ist.

So gehst du bei der Finanzierung vor

  1. Lass den Pflegebedarf feststellen beziehungsweise prüfen, ob bereits ein Pflegegrad vorliegt.
  2. Besprich mit Hausarzt, Pflegedienst oder Palliativ-Care-Team, welche medizinischen und pflegerischen Leistungen benötigt werden.
  3. Frage Pflegekasse und Krankenkasse getrennt nach Zuständigkeit, Voraussetzungen und erforderlichen Anträgen.
  4. Bitte bei privater Versicherung um eine konkrete Auskunft nach deinem Tarif.
  5. Halte Zusagen, Ablehnungen und mögliche Eigenanteile schriftlich fest.

Bei Fragen zur Patientenautonomie können eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht wichtige Orientierung geben. Sie regeln jedoch nicht die Finanzierung. Auch psychische Beschwerden wie Angst und Depression sollten dem Behandlungsteam mitgeteilt werden. Gespräche mit Fachkräften können Teil der psychosozialen Begleitung sein; eine Gesprächstherapie ist dabei von anderen, nicht medizinisch belegten Verfahren zu unterscheiden.

Worauf du bei den Kosten achten solltest

Die Höhe der Kosten hängt davon ab, ob du Unterstützung zu Hause, im Hospiz, auf einer Palliativstation oder in einer anderen Einrichtung erhältst. Unterkunfts- und Verpflegungskosten können gesondert geregelt sein; der Begriff Unterkunftskosten bezeichnet dabei nicht automatisch einen von der Pflegeversicherung übernommenen Posten.

Bei medizinischen Beschwerden und deren Behandlung entscheidet der zuständige medizinische Leistungsträger. Die Versorgung schwerkranker Menschen kann sich kurzfristig verändern. Deshalb solltest du die Kostenübernahme nicht nur einmal, sondern bei einem Wechsel der Versorgungsform oder des Pflegebedarfs erneut prüfen.

Ältere Person benötigt palliative Pflege.
Älterer weißer Mensch lächelt in heller Umgebung.

Das Wichtigste zur Absicherung

Palliative Pflege kann ambulant oder stationär stattfinden und verschiedene Kostenträger einbeziehen. Die Pflegeversicherung richtet sich vor allem nach Pflegebedürftigkeit und Pflegegrad, während die Krankenkasse medizinische und spezialisierte palliative Leistungen übernimmt. Da die Abgrenzung im Einzelfall komplex sein kann, solltest du den Bedarf frühzeitig mit dem Behandlungsteam, der Pflegeberatung und den zuständigen Versicherungen klären. So lassen sich Versorgung, Angehörigenentlastung und mögliche Eigenanteile besser planen.

Autor & Experte

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Ronny Knorr
Zertifizierter Sachverständiger

Experte für gesundheitliche Absicherung und Risikovorsorge

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Steven

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