Eine erweiterte Pneumonektomie ist die vollständige Entfernung einer Lunge. Anders als bei der Standard-Pneumonektomie werden dabei je nach Ausdehnung der Erkrankung zusätzlich angrenzende Strukturen entfernt, etwa Teile des Brustfells, Zwerchfells oder Herzbeutels. Der Eingriff ist komplex und kommt nur infrage, wenn der erwartete Nutzen die erheblichen Belastungen und Risiken rechtfertigt.
Ob die Operation möglich und sinnvoll ist, entscheidet ein spezialisiertes Behandlungsteam nach einer ausführlichen Untersuchung. Dieser Text kann das persönliche Gespräch mit deinen Ärztinnen und Ärzten nicht ersetzen.
Wann wird eine erweiterte Pneumonektomie erwogen?
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Häufigster Grund sind lokal fortgeschrittene Tumoren, die über die Lunge hinaus in benachbarte Strukturen eingewachsen sind. Auch ein wiederkehrender Tumor nach einer früheren Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie kann eine umfangreichere Resektion erforderlich machen. Vorbehandlungen können das Gewebe vernarben und die Operation technisch erschweren.
Eine weitere mögliche Indikation ist eine stark zerstörte, nicht mehr ausreichend funktionierende Lunge. Ursache können beispielsweise schwere Infektionen, Verletzungen oder chronische Erkrankungen wie fortgeschrittene Bronchiektasen sein. Eine solche Operation wird nicht allein aufgrund einer Diagnose durchgeführt, sondern nach einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung.
Untersuchungen und Auswahl der Patienten
Vor dem Eingriff wird geprüft, ob dein Körper die Belastung verkraften kann und ob die verbleibende Lunge die Atmung ausreichend übernehmen kann. Dabei spielen dein allgemeiner Gesundheitszustand, Herz- und Nierenfunktion, Begleiterkrankungen sowie die genaue Ausbreitung der Erkrankung eine Rolle. Lungenfunktionstests und bildgebende Untersuchungen helfen bei der Einschätzung.
Die Bildgebung zeigt nicht immer zuverlässig, ob Pleura, Gefäße oder andere Strukturen betroffen sind. In ausgewählten Fällen kann deshalb eine diagnostische Thorakoskopie notwendig sein. Außerdem kann die Operation in ein multimodales Behandlungskonzept eingebettet sein, bei dem vor oder nach dem Eingriff beispielsweise eine Chemotherapie oder Strahlentherapie eingesetzt wird.
Wie läuft der Eingriff ab?
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Das Operationsteam trennt die betroffene Lunge von den Hauptbronchien und den großen Gefäßen. Der Hauptbronchus wird sorgfältig verschlossen, meist mit einer Naht oder einem Klammernahtgerät. Die Lungenarterie und die Lungenvenen werden abgebunden oder durchtrennt. Wenn ein Gefäß durch die Erkrankung mitbetroffen ist, kann eine Rekonstruktion durch eine Naht oder ein Patch erforderlich sein.
Für eine bessere Darstellung der Gefäße kann der Herzbeutel teilweise eröffnet werden. Je nach Befund werden außerdem Teile des Brustfells, des Zwerchfells, der Brustwand oder des Herzbeutels entfernt. In seltenen, besonders komplexen Situationen können auch große Gefäße oder andere benachbarte Strukturen betroffen sein. Solche Eingriffe gehören in ein erfahrenes spezialisiertes Zentrum und erfordern eine genaue Planung.
Nach der Durchtrennung des Bronchus bleibt ein Bronchusstumpf zurück. Er muss dicht verschlossen und je nach Situation mit körpereigenem Gewebe abgedeckt werden. Damit soll das Risiko einer Bronchusfistel oder einer unzureichenden Heilung reduziert werden. Ob offen oder mit minimalinvasiven Verfahren operiert wird, hängt von der Anatomie, der Erkrankung und dem Umfang der geplanten Resektion ab. Bei einer erweiterten Pneumonektomie ist ein offenes Vorgehen häufig erforderlich.
Gibt es Alternativen?
Wenn es die Erkrankung erlaubt, versucht das Operationsteam, möglichst viel funktionsfähiges Lungengewebe zu erhalten. Parenchymsparende Verfahren können eine Pneumonektomie in geeigneten Fällen ersetzen. Bei einer Bronchoplastik wird ein erkrankter Abschnitt des Bronchus entfernt und der verbleibende Bronchus wieder verbunden. Bei einer Angioplastik wird ein betroffener Teil eines Blutgefäßes entfernt und rekonstruiert.
Weitere Möglichkeiten sind Manschettenresektionen, Segmentresektionen oder eine Bilobektomie, bei der zwei Lungenlappen entfernt werden. Diese Verfahren sind nicht für jede Erkrankung geeignet. Ob sie infrage kommen, hängt unter anderem von der Lage und Ausdehnung des Tumors sowie der technischen Möglichkeit ab, die Erkrankung vollständig zu entfernen. Videothorakoskopische Verfahren können bei ausgewählten, weniger umfangreichen Eingriffen die Belastung durch kleinere Schnitte verringern.
Überwachung und mögliche Komplikationen
Nach einer erweiterten Pneumonektomie wirst du zunächst engmaschig auf einer Intensiv- oder Überwachungsstation betreut. Das Team kontrolliert unter anderem Atmung, Sauerstoffsättigung, Kreislauf, Flüssigkeitshaushalt und Schmerzen. Atemübungen, Physiotherapie und eine wirksame Schmerzbehandlung helfen dabei, Sekret zu lösen und die verbleibende Lunge zu unterstützen. Bei Bedarf kommen Sauerstoff, Beatmungsunterstützung oder eine Bronchoskopie zur Entfernung von Sekret zum Einsatz.
Mögliche Komplikationen sind unter anderem:
- Lungenentzündung: Das Risiko steigt, wenn Sekret nicht ausreichend abgehustet werden kann oder Begleiterkrankungen bestehen.
- Undichtigkeit des Bronchusstumpfes: Eine Bronchusfistel oder Anastomoseninsuffizienz kann zu Luft- und Sekretaustritt sowie zu schweren Infektionen führen. Eine Bronchoskopie oder ein CT des Brustkorbs kann zur Abklärung erforderlich sein.
- Blutungen und Gefäßprobleme: Nach Gefäßrekonstruktionen kann sich beispielsweise eine Thrombose der Pulmonalarterie entwickeln. Eine eingeschränkte Durchblutung kann das verbleibende Lungengewebe gefährden.
- Spätfolgen: Nach einer gestörten Heilung kann sich der Bronchus verengen. Je nach Befund kommen Aufdehnungen, eine Laserbehandlung oder weitere Eingriffe infrage.
Revisionsoperationen sind wegen Narben und veränderter Gewebeverhältnisse besonders anspruchsvoll. Eine erneute Lungenentfernung wird nur als letzte Behandlungsoption erwogen. Neue oder zunehmende Atemnot, Fieber, starke Schmerzen, auffälliges Sekret oder andere akute Beschwerden solltest du sofort deinem Behandlungsteam melden.
Rehabilitation und Leben mit einer Lunge
Die verbleibende Lunge übernimmt nach der Operation die gesamte Atemarbeit. Deshalb ist deine körperliche Belastbarkeit zunächst meist eingeschränkt. Wie stark und wie dauerhaft, hängt unter anderem von deiner Ausgangslage, der Grunderkrankung und dem Verlauf der Rehabilitation ab. Mit gezieltem Training lernen viele Betroffene, ihre Belastung schrittweise zu steigern und ihre Grenzen einzuschätzen.
- Atem- und Hustentechniken unterstützen die Sekretmobilisation und halten die Atemwege frei.
- Physiotherapie und angepasste Bewegung helfen beim Wiederaufbau der Belastbarkeit.
- Rauchstopp und die Vermeidung von Schadstoffen schützen die verbleibende Lunge.
- Ausreichende Erholung und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die Genesung.
- Psychologische Beratung, Selbsthilfegruppen und Gespräche mit Angehörigen können bei der emotionalen Verarbeitung helfen.
Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen dienen dazu, den Heilungsverlauf, die Lungenfunktion und die Grunderkrankung zu kontrollieren. Dabei können je nach Situation Röntgenaufnahmen, CT-Untersuchungen oder weitere Tests eingesetzt werden. Deine persönliche Prognose lässt sich erst anhand der Erkrankung, der Untersuchungsergebnisse und des Operationsverlaufs beurteilen.
