Gesundheitslexikon

Luftröhrenschnitt: Wenn der Atemweg gesichert werden muss

Luftröhrenschnitt: Arzt bespricht medizinischen Eingriff mit Patient in Praxis.

Luftröhrenschnitt: Wenn der Atemweg gesichert werden muss

6 Min. Lesezeit
Kontrast
Schrift

Fakt: 87% sind nicht auf den med. Notfall vorbereitet!

Im Notfall zählt jede Sekunde. Mit deinem Nothilfepass hast du alle lebenswichtigen Daten griffbereit – ob Allergien, Medikamente oder Notkontakte. Erstelle jetzt kostenlos deinen digitalen Nothilfepass und gib dir und deinen Liebsten ein Stück mehr Sicherheit im Alltag! Mehr erfahren

Ein Luftröhrenschnitt, medizinisch Tracheotomie, schafft einen künstlichen Zugang zur Luftröhre unterhalb des Kehlkopfs. In diese Öffnung wird meist eine Trachealkanüle eingesetzt. Sie hält den Zugang offen und kann eine Beatmung ermöglichen, wenn der natürliche Atemweg nicht ausreicht oder langfristig gesichert werden muss. Die Entscheidung wird individuell getroffen und hängt unter anderem von der Grunderkrankung, der Atem- und Schluckfunktion sowie deinen persönlichen Behandlungszielen ab. Weitere Informationen zu medizinischen Behandlungsthemen findest du auch in der Übersicht zur Behandlung.

Was ist ein Luftröhrenschnitt?

Bei einer Tracheotomie legt das ärztliche Team durch einen Schnitt am Hals einen direkten Zugang zur Luftröhre an. Eine Trachealkanüle verhindert, dass sich die Öffnung verschließt. Je nach Ausführung kann die Kanüle einen aufblasbaren Ballon, den sogenannten Cuff, besitzen. Er kann die Luftröhre für eine Beatmung abdichten und das Eindringen von Sekret in die unteren Atemwege erschweren. Ob der Cuff notwendig ist und wie er eingestellt wird, entscheidet das Behandlungsteam.

Ein Luftröhrenschnitt ist nicht automatisch dauerhaft. Wenn sich die zugrunde liegende Atemwegsstörung bessert und du wieder sicher über Mund und Nase atmen kannst, kann die Kanüle unter ärztlicher Kontrolle entfernt und das Tracheostoma verschlossen werden. Bei dauerhaftem Bedarf bleibt eine regelmäßige Betreuung erforderlich.

Wann kommt eine Tracheotomie infrage?

Ein Luftröhrenschnitt kann erforderlich sein, wenn der obere Atemweg im Bereich von Nase, Rachen oder Kehlkopf verlegt oder schwer zugänglich ist. Mögliche Ursachen sind beispielsweise Tumoren, starke Schwellungen, Entzündungen, Verletzungen oder Narben. Auch eine schwere Gesichts- oder Halsverletzung kann eine normale Intubation erschweren oder unmöglich machen.

Eine weitere wichtige Situation ist eine ausgeprägte Schwäche der Schluck- und Atemmuskulatur. Wenn du Speichel oder Nahrung nicht sicher schlucken kannst und Sekret zugleich nicht ausreichend abhusten kannst, können Atemnot, Sekretstau und Lungenentzündungen auftreten. Eine Maskenbeatmung unterstützt zwar die Atemmuskulatur, behebt aber keine schwere Schluck- oder Hustenschwäche. Auch angepasste Ernährung, Atemtherapie, ein Hustenassistent oder eine PEG-Sonde reichen nicht in jeder Situation aus.

Besonders bei fortschreitenden neurologischen Erkrankungen wie ALS muss frühzeitig besprochen werden, welche Möglichkeiten der Atemunterstützung bestehen. Dabei geht es nicht nur um eine mögliche Lebensverlängerung, sondern auch um Belastungen, Pflegebedarf, Kommunikation und deine gewünschte Lebensqualität.

Welche Verfahren gibt es?

Bei der dilatativen Tracheotomie, auch Punktionstracheotomie genannt, wird die Luftröhre punktiert. Die Öffnung wird anschließend mit speziellen Instrumenten erweitert und die Kanüle eingesetzt. Dieses Verfahren kann vergleichsweise schnell durchgeführt werden und kommt häufig bei intensivmedizinisch behandelten Menschen infrage.

Bei der chirurgischen Tracheotomie wird die Öffnung operativ angelegt. Sie schafft in der Regel stabilere Verhältnisse und kann deshalb bei einem voraussichtlich langfristigen Tracheostoma geeigneter sein. Welche Methode gewählt wird, richtet sich nach Dringlichkeit, Anatomie, Gesundheitszustand und geplanter Dauer.

Die Koniotomie ist davon zu unterscheiden. Sie ist ein spezieller Notfalleingriff durch die Membran zwischen Schild- und Ringknorpel, wenn weder Maskenbeatmung noch Intubation möglich sind. Sie dient der sofortigen Sauerstoffversorgung und ist nicht mit einer geplanten Tracheotomie gleichzusetzen.

Notfall oder geplanter Eingriff?

Ein geplanter Luftröhrenschnitt ermöglicht eine ausführliche Aufklärung, die Auswahl eines geeigneten Zentrums und die Vorbereitung der anschließenden Versorgung. Bei einer akuten Atemwegsverlegung zählt dagegen jede Sekunde. Das ärztliche Team versucht zunächst, die Atmung mit Maskenbeatmung oder Intubation zu sichern. Erst wenn diese Verfahren nicht funktionieren, kommen notfallmäßige invasive Maßnahmen infrage.

Luftröhrenschnitt: Doctor and patient discussing in a bright, modern practice.

Bei plötzlich auftretender Atemnot solltest du sofort den Rettungsdienst unter 112 alarmieren. Setzt die Atmung aus, prüfe das Bewusstsein und beginne, wenn erforderlich, mit Wiederbelebungsmaßnahmen nach den Anweisungen der Leitstelle. Ein Luftröhrenschnitt oder eine Koniotomie darf nur von dafür ausgebildetem medizinischem Personal durchgeführt werden.

Sprechen und Schlucken nach dem Eingriff

Nach einer Tracheotomie kann das Sprechen zunächst erschwert oder nicht möglich sein, weil der Luftstrom nicht wie gewohnt durch den Kehlkopf geführt wird. Ob du sprechen kannst, hängt unter anderem von der Muskelfunktion, der Kanüle, dem Cuff, der Beatmung und der Schlucksicherheit ab. Eine passende Kanüle oder ein Sprechventil kann die Stimmgebung erleichtern, ist aber nicht für jede Person geeignet.

Logopädie unterstützt dich dabei, Sprechen und Schlucken sicher zu trainieren. Vor einer oralen Nahrungsaufnahme muss geprüft werden, ob du Speichel, Flüssigkeit und Nahrung ohne relevantes Aspirationsrisiko schlucken kannst. Die Ernährung kann vorübergehend oder dauerhaft angepasst werden.

Welche Risiken und Komplikationen gibt es?

Wie jeder Eingriff hat auch die Tracheotomie Risiken. Dazu gehören Blutungen, Infektionen, Verletzungen benachbarter Strukturen und Probleme bei der Anlage oder Lage der Kanüle. Später können Reizungen, Hautprobleme, Verstopfungen, Verrutschen der Kanüle oder eine Verengung der Luftröhre auftreten. Sekret kann die Kanüle blockieren und dadurch eine akute Atemnot auslösen.

Eine sorgfältige Kanülen- und Hautpflege, ausreichende Befeuchtung der Atemwege, Sekretmanagement und regelmäßige ärztliche Kontrollen helfen, Probleme früh zu erkennen. Warnzeichen wie zunehmende Atemnot, eine verrutschte oder herausgefallene Kanüle, starke Blutungen, bläuliche Verfärbungen, Fieber, Schwellung, Rötung oder eitriger Ausfluss müssen sofort medizinisch beurteilt werden.

Pflegerin hilft älterer Frau mit Luftröhrenschnitt.

Pflege und Alltag mit Tracheostoma

Die Versorgung umfasst je nach Situation Kanülenwechsel, Reinigung, Hautpflege, Absaugen von Sekret, Befeuchtung und gegebenenfalls Beatmung. Du und deine Angehörigen sollten diese Maßnahmen ausschließlich nach praktischer Anleitung durch geschultes Fachpersonal durchführen. Ein individueller Notfallplan muss festlegen, was bei einer Verstopfung, einer herausgefallenen Kanüle oder akuter Atemnot zu tun ist. Ersatzmaterial und notwendige Hilfsmittel sollten erreichbar sein.

Vor der Entlassung nach Hause muss geklärt sein, wer die Versorgung übernimmt, welche Hilfsmittel benötigt werden und wie schnell professionelle Hilfe verfügbar ist. Ein ambulanter Pflegedienst kann Angehörige entlasten. Auch Logopädie, Atem- und Schlucktherapie, Physiotherapie, psychologische Beratung sowie Selbsthilfegruppen können die Anpassung unterstützen. Hilfreiche Angebote für Angehörige reichen von Schulungen und Beratungsstellen bis zu Entlastungsleistungen wie Tagespflege.

Wie wird über den Eingriff entschieden?

Die Entscheidung für oder gegen einen Luftröhrenschnitt sollte gemeinsam mit einem erfahrenen interdisziplinären Team getroffen werden. Besprochen werden sollten die zu erwartenden Vorteile, mögliche Komplikationen, die Dauer der Beatmung, der Pflegeaufwand, die Aussichten für Sprechen und Schlucken sowie deine Vorstellungen von Lebensqualität und Selbstbestimmung. Bei schwerer Erkrankung kann zusätzlich eine palliativmedizinische Beratung sinnvoll sein.

Eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht helfen dir, deine Wünsche für Situationen festzuhalten, in denen du dich nicht selbst äußern kannst. Wichtig ist, dass du Fragen stellst und auch die Möglichkeit besprichst, eine Behandlung nicht zu beginnen oder später an deinen Therapiezielen auszurichten. Es gibt keine Entscheidung, die für alle Menschen gleichermaßen richtig ist.

Bei der individuellen Behandlung können medizinische, pflegerische und persönliche Ziele miteinander abgewogen werden.

Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Beratung. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr. Eine Haftung ist – soweit gesetzlich zulässig – ausgeschlossen. Solltest du Fragen haben, schreib unserem Support.

Gesetzliche Krankenkasse

Vielleicht zahlst du zu viel - oder bekommst zu wenig.

Gesetzliche Krankenkasse

Wie groß sind die Unterschiede zwischen den Krankenkassen wirklich?

Tipp: Tarife ohne Gesundheitsfragen

Schnell abgesichert – auch mit Vorerkrankungen. Erfahre, welche Lösungen wirklich Sinn machen.

Befristete Aktionen

Sichere dir Mega-Rabatte, Sonderdeals und vieles mehr. Jetzt zuschlagen

Kostenlose Finanz-App

Starte jetzt mit der Finanzapp und behalte einen Überblick über deine Verträge.

Steven

Wendewerk Support