Orthostatische Hypotonie bezeichnet einen Blutdruckabfall beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen. Der Körper kann den Kreislauf in diesem Moment nicht schnell genug anpassen. Typisch sind Schwindel, Benommenheit oder ein Schwarzwerden vor den Augen. In ausgeprägten Fällen kann es zu einer Ohnmacht und damit zu Stürzen kommen.
Was ist orthostatische Hypotonie?
Beim Aufstehen versackt durch die Schwerkraft vorübergehend mehr Blut in den Beinen. Normalerweise verengen sich die Blutgefäße, und das Herz schlägt etwas schneller, damit der Blutdruck stabil bleibt und das Gehirn ausreichend durchblutet wird. Bei einer orthostatischen Hypotonie funktioniert diese Anpassung verzögert oder nicht ausreichend.
Die Erkrankung unterscheidet sich von dauerhaft niedrigem Blutdruck dadurch, dass die Beschwerden vor allem beim Wechsel der Körperposition auftreten. Sie können auch nach längerem Stehen, nach dem Essen, bei Hitze oder bei Flüssigkeitsmangel stärker werden.
Symptome: Woran kannst du sie erkennen?
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Die Beschwerden beginnen meist kurz nach dem Aufstehen und dauern häufig nur kurz an. Möglich sind:
- Schwindel, Benommenheit oder Unsicherheit beim Gehen
- Schwarzwerden vor den Augen oder vorübergehende Sehstörungen
- Ohrensausen, Pfeifen oder ein Rauschen im Ohr
- Herzklopfen oder ein beschleunigter Puls
- Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Antriebslosigkeit
- kalte Hände und Füße
- Beinahe-Ohnmacht oder tatsächliche Ohnmacht
Wenn dir schwindelig wird, setz dich sofort hin oder leg dich hin. Bei einer Ohnmacht, wiederholten Stürzen, Brustschmerzen, Atemnot, neu auftretenden neurologischen Beschwerden oder anhaltendem Herzrasen solltest du sofort medizinische Hilfe holen.
Mögliche Ursachen und Risikofaktoren
Orthostatische Hypotonie kann verschiedene Auslöser haben. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen:
- Flüssigkeitsmangel: Zu wenig Trinken, starkes Schwitzen, Erbrechen oder Durchfall verringern das Blutvolumen.
- Medikamente: Unter anderem Blutdrucksenker, Betablocker, entwässernde Mittel und manche Antidepressiva können den Blutdruck beeinflussen. Setz Medikamente deshalb nicht selbst ab, sondern besprich den Verdacht mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
- Erkrankungen: Diabetes, Herzerkrankungen und Störungen des autonomen Nervensystems können die Kreislaufregulation beeinträchtigen. Auch neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose kommen als Ursache infrage.
- Hormonelle Ursachen: Schilddrüsenerkrankungen oder eine Nebenniereninsuffizienz können mit niedrigem Blutdruck einhergehen.
- Alter: Mit zunehmendem Alter reagieren die Kreislaufreflexe oft langsamer. Mehrere Medikamente, geringeres Durstgefühl und Vorerkrankungen können das Risiko zusätzlich erhöhen.
Auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein, etwa im Zusammenhang mit Wachstum, Flüssigkeitsmangel oder längerem Stehen. In der Schwangerschaft können hormonelle und körperliche Veränderungen den Blutdruck beeinflussen. Wiederkehrender Schwindel oder eine Ohnmacht sollte in dieser Zeit ärztlich abgeklärt werden.
Wie wird orthostatische Hypotonie diagnostiziert?
Am Anfang steht ein Gespräch über deine Beschwerden: Wann treten sie auf? Gibt es Auslöser wie Hitze, große Mahlzeiten oder neue Medikamente? Zusätzlich werden Vorerkrankungen und die aktuelle Medikation berücksichtigt.
Für die Untersuchung wird der Blutdruck im Liegen und anschließend im Stehen gemessen. Beim sogenannten Schellong-Test werden Blutdruck und Puls in verschiedenen Positionen wiederholt kontrolliert. Eine Langzeitblutdruckmessung kann zeigen, wie sich der Kreislauf im Alltag verhält. Je nach Beschwerden kommen außerdem ein EKG oder weitere Untersuchungen des Herzens und der möglichen Grunderkrankung infrage.
Behandlung: Was kann helfen?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und danach, wie stark dich die Beschwerden beeinträchtigen. Zunächst werden häufig alltagstaugliche Maßnahmen empfohlen:
- Steh langsam auf: Richte dich zunächst im Bett oder auf dem Stuhl auf, bevor du losgehst.
- Setz dich hin oder leg dich hin, sobald Schwindel beginnt; wenn möglich, lagere die Beine hoch.
- Trink ausreichend und verteile die Flüssigkeit über den Tag. Bei Herz-, Nieren- oder anderen relevanten Erkrankungen klärst du die passende Menge vorher ärztlich ab.
- Vermeide langes unbewegtes Stehen, starke Hitze und sehr heiße Bäder oder Duschen.
- Bewege dich regelmäßig und steigere sportliche Belastungen langsam. Schwimmen, Radfahren, Walking oder angepasstes Krafttraining können geeigneter sein als plötzliche intensive Belastungen.
- Kompressionsstrümpfe können bei manchen Menschen den Rückfluss des Blutes aus den Beinen unterstützen.
Eine zusätzliche Salzzufuhr ist nicht für alle Menschen geeignet. Besprich sie deshalb mit deinem Arzt, besonders wenn du an Bluthochdruck, einer Herz- oder Nierenerkrankung leidest. Auch kleinere, regelmäßige Mahlzeiten können sinnvoll sein, wenn Beschwerden vor allem nach dem Essen auftreten. Alkohol kann den Kreislauf zusätzlich belasten.
Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine Ärztin oder ein Arzt Medikamente verordnen. Sie können unter anderem das Blutvolumen oder die Gefäßspannung beeinflussen. Die Therapie muss individuell ausgewählt und kontrolliert werden, weil Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Herzklopfen oder ein zu hoher Blutdruck im Liegen möglich sind.
Besondere Bedeutung im Alter und im Alltag
Bei älteren Menschen erhöht die Kombination aus Schwindel, Ohnmacht und eingeschränkter Reaktionsfähigkeit das Sturzrisiko. Eine Überprüfung der Medikamente, eine sichere Umgebung und Hilfsmittel beim Aufstehen können wichtig sein. Halte Wege frei, nutze bei Bedarf einen festen Halt und steh nachts nicht hastig auf.
Führe, wenn es dir möglich ist, ein Symptom- und Blutdrucktagebuch. Notiere Körperposition, Zeitpunkt, mögliche Auslöser, Puls und eingenommene Medikamente. Diese Angaben helfen bei der ärztlichen Beurteilung und bei der Anpassung der Behandlung.
Psychische Belastung und Unterstützung
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Wiederkehrender Schwindel kann Angst vor dem Umkippen, Rückzug und Unsicherheit im Alltag auslösen. Informiere Menschen in deinem Umfeld darüber, was dir im Notfall hilft. Wenn die Beschwerden deine Lebensqualität stark einschränken oder dich psychisch belasten, können ärztliche, psychotherapeutische oder beratende Angebote unterstützen.
Orthostatische Hypotonie ist behandelbar, erfordert aber eine passende Abklärung der Ursache. Lass wiederkehrende Beschwerden, Ohnmachten oder neu auftretende Symptome medizinisch untersuchen, statt sie dauerhaft selbst zu behandeln.
