Lymphogranuloma venereum (LGV) ist eine sexuell übertragbare Infektion durch bestimmte Varianten des Bakteriums Chlamydia trachomatis. Die Erkrankung beginnt häufig unauffällig, kann sich ohne Behandlung aber auf die Lymphbahnen ausbreiten und dauerhafte Schäden verursachen. Wenn du entsprechende Beschwerden hast oder ein Infektionsrisiko bestand, solltest du dich zeitnah ärztlich untersuchen lassen.
Was ist Lymphogranuloma venereum?
LGV wird durch die Serotypen L1, L2 und L3 von Chlamydia trachomatis ausgelöst. Im Unterschied zu häufigeren Chlamydien-Infektionen befällt LGV bevorzugt die Lymphbahnen und regionalen Lymphknoten. Die Infektion kann den Genitalbereich, den Enddarm oder – je nach sexuellem Kontakt – auch den Mund- und Rachenbereich betreffen.
Übertragen wird LGV vor allem durch direkten sexuellen Kontakt, insbesondere bei ungeschütztem vaginalem, analem oder oralem Sex. Das Risiko kann unter anderem bei wechselnden Sexualpartnern, fehlendem Barriereschutz, einer weiteren STI oder Aufenthalten in Regionen mit häufigeren LGV-Fällen erhöht sein.
Symptome und Krankheitsverlauf
Frühe Anzeichen
Zu Beginn kann an der Eintrittsstelle ein kleines, wenig schmerzhaftes Geschwür oder Bläschen entstehen. Es befindet sich je nach Übertragungsweg an den Genitalien, am After oder im Mund. Die Hautveränderung wird leicht übersehen und heilt oft von selbst ab. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Infektion verschwunden ist.
Fortgeschrittene Beschwerden
Nach dem Frühstadium können sich die nahegelegenen Lymphknoten entzünden und deutlich vergrößern. Typisch sind schmerzhafte, häufig einseitige Schwellungen in der Leiste. Die Knoten können sich verhärten, miteinander verkleben und sich als sogenannte Bubonen mit Eiterbildung entwickeln. Zusätzlich sind Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen möglich.
Bei einer rektalen Infektion können Schmerzen am After, Blutungen, Ausfluss oder Beschwerden beim Stuhlgang auftreten. Diese Beschwerden sind nicht spezifisch für LGV und können auch andere Ursachen haben. Eine ärztliche Abklärung ist deshalb wichtig.
Mögliche Folgen ohne Behandlung
Unbehandeltes LGV kann chronische Entzündungen und Vernarbungen verursachen. Möglich sind außerdem Fisteln, Verengungen des Enddarms sowie ein anhaltender Lymphstau mit ausgeprägten Schwellungen im Genitalbereich oder an den Beinen. Eine bestehende STI kann zudem das Risiko für eine HIV-Infektion und -Übertragung erhöhen. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser lassen sich solche Komplikationen vermeiden.
Wie wird LGV diagnostiziert?
Bei der Untersuchung fragt die Ärztin oder der Arzt nach deinen Beschwerden, sexuellen Kontakten, möglichen Expositionen und gegebenenfalls Reisen. Danach werden Hautveränderungen, der Genital- und Analbereich sowie geschwollene Lymphknoten untersucht. Sprich offen über die Art des sexuellen Kontakts, damit Abstriche an den passenden Körperstellen vorgenommen werden können.
Für den Erregernachweis kommen Abstriche aus Geschwüren, dem Enddarm, dem Genitalbereich oder anderen betroffenen Stellen infrage. Ein PCR- beziehungsweise NAAT-Test kann Erbgut von Chlamydia trachomatis nachweisen. Zur Unterscheidung von LGV und anderen Chlamydien-Infektionen kann eine weiterführende Typisierung erforderlich sein. Blutuntersuchungen können ergänzend eingesetzt werden, ersetzen den direkten Erregernachweis aber nicht in jedem Fall.
Da Geschwüre und Lymphknotenschwellungen auch bei Syphilis, Herpes genitalis oder Ulcus molle vorkommen, müssen diese Erkrankungen mitbedacht werden. Ulcus molle wird beispielsweise durch Haemophilus ducreyi verursacht. Je nach Befund können zusätzliche Untersuchungen wie Ultraschall oder weitere STI-Tests sinnvoll sein.
Behandlung von Lymphogranuloma
LGV wird mit Antibiotika behandelt. Welcher Wirkstoff geeignet ist, wie lange du ihn einnehmen musst und ob eine Anpassung nötig ist, entscheidet die behandelnde Praxis. Nimm das verordnete Medikament genau nach Anweisung ein und beende die Therapie nicht eigenständig, nur weil die Beschwerden nachlassen.
Bei ausgeprägten Bubonen, Abszessen, Fisteln oder anderen Komplikationen können zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein. Dazu gehören je nach Befund eine ärztliche Entlastung von Eiteransammlungen oder eine Behandlung von bleibenden Lymphabflussstörungen. Hausmittel, Homöopathie oder pflanzliche Präparate beseitigen die bakterielle Infektion nicht und sollten nicht anstelle der Antibiotikatherapie eingesetzt werden.
Sexualpartner und Nachsorge
Informiere deine Sexualpartner über den Befund, damit sie sich testen und gegebenenfalls behandeln lassen können. Bis die Behandlung abgeschlossen und das weitere Vorgehen ärztlich geklärt ist, solltest du auf sexuelle Kontakte verzichten oder die ärztlichen Empfehlungen genau beachten. Eine Nachkontrolle kann notwendig sein, insbesondere wenn Beschwerden fortbestehen oder Komplikationen vorliegen. Außerdem ist es sinnvoll, dich auf weitere STIs untersuchen zu lassen.
Wie kannst du LGV vorbeugen?
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Verwende Kondome und andere geeignete Barrieremethoden konsequent und korrekt. Sie senken das Übertragungsrisiko, schützen aber nicht bei jedem Kontakt mit nicht bedeckten Haut- oder Schleimhautstellen vollständig.
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Lass dich bei wechselnden oder neuen Sexualpartnern sowie nach einem möglichen Risiko auf STIs beraten und testen.
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Sprich mit deinen Partnern offen über sexuelle Gesundheit, Beschwerden und Testergebnisse.
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Suche bei Geschwüren, ungewöhnlichem Ausfluss, Schmerzen am After oder schmerzhaften Lymphknotenschwellungen frühzeitig medizinische Hilfe.
Gegen LGV selbst gibt es keine Impfung. Impfungen gegen andere Infektionen wie Hepatitis B oder HPV können dennoch ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Vorsorge sein. Welche Impfungen für dich sinnvoll sind, besprichst du am besten mit einer medizinischen Fachperson.
Psychische Belastung und Beratung
Eine STI kann Scham, Angst oder Konflikte in einer Beziehung auslösen. Das Stigma darf dich aber nicht davon abhalten, Hilfe zu suchen. Ärztliche Praxen und Beratungsstellen behandeln solche Themen vertraulich. Bei starker psychischer Belastung kann zusätzlich psychologische oder sexualmedizinische Beratung hilfreich sein.
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Das Wichtigste auf einen Blick
LGV beginnt oft mit einem unauffälligen Geschwür und kann später schmerzhafte Lymphknotenschwellungen sowie schwere Komplikationen verursachen. Eine frühzeitige Diagnose und die vollständig durchgeführte Antibiotikatherapie sind entscheidend. Wenn du einen Verdacht hast, lass dich untersuchen, informiere mögliche Sexualpartner und nutze künftig konsequent Schutzmaßnahmen.
