Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit AU-Klausel verbindet den langfristigen BU-Schutz mit einer zusätzlichen Leistung bei längerer Arbeitsunfähigkeit. Sie kann eine finanzielle Lücke schließen, wenn du vorübergehend krank bist, aber noch nicht als berufsunfähig giltst. Ob sich der Zusatz für dich lohnt, hängt vor allem von deinem Einkommen, deiner Krankenversicherung und den Bedingungen des Tarifs ab.
Was ist eine BU mit AU-Klausel?
Die AU-Klausel ist kein eigenständiger Vertrag, sondern ein Zusatz zu deiner Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine normale BU zahlt grundsätzlich, wenn die vertraglichen Voraussetzungen für Berufsunfähigkeit erfüllt sind. Dafür muss meist feststehen, dass du deinen zuletzt ausgeübten Beruf wegen Krankheit oder Unfall voraussichtlich längerfristig nicht mehr ausüben kannst. Die genaue Definition steht in den Versicherungsbedingungen.
Arbeitsunfähigkeit bedeutet dagegen zunächst, dass du vorübergehend nicht arbeiten kannst und ärztlich krankgeschrieben bist. Eine längere Krankschreibung führt also nicht automatisch zu einer Berufsunfähigkeit. Genau zwischen diesen beiden Situationen setzt die AU-Klausel an: Sie kann bereits während einer längeren Arbeitsunfähigkeit eine vereinbarte BU-Rente leisten.
Wann kann die AU-Klausel greifen?
Die Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Versicherer und Tarif. Im Ausgangstext werden folgende Bedingungen genannt:
- Du bist mindestens vier Monate ununterbrochen arbeitsunfähig geschrieben.
- Dein Arzt bescheinigt, dass die Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich noch mindestens zwei weitere Monate andauert.
Sind die jeweiligen Vertragsbedingungen erfüllt, kann die Leistung rückwirkend ab dem ersten Tag der Krankschreibung gezahlt werden. Entscheidend ist nicht allein die Zahl der Krankheitstage, sondern der genaue Wortlaut deiner AU-Klausel. Prüfe deshalb insbesondere, ob eine ununterbrochene Krankschreibung, eine ärztliche Prognose oder weitere Nachweise verlangt werden.
Für wen kann sich der Zusatzschutz lohnen?
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Selbstständige und Privatversicherte
Für Selbstständige kann eine längere Krankheit schnell zu einem Einkommensausfall führen, weil die eigene Arbeitskraft oft unmittelbar mit dem Geschäftserfolg verbunden ist. Auch privat versicherte Angestellte sollten prüfen, wie lange ihr Einkommen im Krankheitsfall abgesichert ist und wann Zahlungen aus einer Krankentagegeldversicherung einsetzen. Die AU-Klausel kann eine zusätzliche Leistung bieten, wenn du länger krank bist, aber voraussichtlich wieder in deinen Beruf zurückkehren kannst.
Gesetzlich Versicherte
Als gesetzlich Versicherter erhältst du bei längerer Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich Krankengeld. Die Höhe und Dauer reichen aber nicht in jedem Fall aus, um laufende Kosten und den bisherigen Lebensstandard zu decken. Eine AU-Klausel kann dann als Ergänzung infrage kommen. Ob sie tatsächlich eine Lücke schließt, solltest du anhand deines Krankengeldanspruchs, deiner Fixkosten und der konkreten Versicherungsbedingungen berechnen.
Welche Lücke wird geschlossen?
Die Klausel ist vor allem für die Übergangsphase gedacht: Du kannst vorübergehend nicht arbeiten, bist aber noch nicht dauerhaft berufsunfähig. Die rückwirkende Zahlung kann dabei die Monate abdecken, in denen du bereits krankgeschrieben warst und die Voraussetzungen erst später nachweisen kannst. Sie ersetzt jedoch keine sofort verfügbare Einkommensabsicherung, weil du zunächst die vertragliche Wartezeit überbrücken musst.
Vorteile der AU-Klausel
- Zusätzliche Absicherung bei längerer Krankheit: Du kannst eine Leistung erhalten, obwohl noch keine dauerhafte Berufsunfähigkeit festgestellt wurde.
- Rückwirkende Zahlung: Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Leistung ab dem vertraglich festgelegten Beginn der Arbeitsunfähigkeit nachgezahlt werden.
- Entlastung während der Genesung: Die Zahlung kann helfen, Miete, Kredite und andere laufende Kosten zu finanzieren.
- Ergänzung zur BU-Rente: Die AU-Leistung kann die Zeit überbrücken, bis eine BU-Leistung geprüft oder eine dauerhafte Berufsunfähigkeit festgestellt wird.
Die Rückwirkung klingt besonders attraktiv, darf aber nicht mit einer sofortigen Auszahlung verwechselt werden. Du musst zunächst die vereinbarte Dauer erreichen und die geforderten Nachweise einreichen. Bis dahin brauchst du ausreichende Rücklagen oder eine andere Absicherung.
Nachteile und Alternativen
Höhere Beiträge
Die AU-Klausel erweitert den Versicherungsschutz und erhöht deshalb in der Regel den Beitrag. Wie hoch der Aufschlag ausfällt, hängt unter anderem von deinem Alter, Beruf, Gesundheitszustand, der Rentenhöhe und dem gewählten Tarif ab. Vergleiche daher nicht nur den Preis, sondern auch die Voraussetzungen und die Dauer der Leistung.
Leistung erst nach einer Wartezeit
Bei einer kurzfristigen Erkrankung hilft die Klausel normalerweise nicht. Auch nach einer längeren Krankschreibung kann es dauern, bis alle Nachweise vorliegen und die Leistung geprüft ist. Wenn du schon nach wenigen Tagen oder Wochen Geld benötigst, passt eine AU-Klausel möglicherweise nicht zu deinem Bedarf.
Krankentagegeld als mögliche Alternative
Eine Krankentagegeldversicherung kann eine Alternative oder Ergänzung sein, wenn du bei Arbeitsunfähigkeit früher eine Zahlung brauchst. Sie ist ein eigenständiger Vertrag und deshalb nicht direkt an deine BU gekoppelt. Ob Krankentagegeld, AU-Klausel oder eine Kombination sinnvoll ist, hängt von deinem Krankenversicherungsschutz und deiner finanziellen Situation ab.
Worauf solltest du beim Vertrag achten?
Konkrete Leistungsvoraussetzungen
Lies nach, wie lange du ununterbrochen krankgeschrieben sein musst, welche Prognose dein Arzt abgeben soll und welche Unterlagen der Versicherer verlangt. Achte außerdem darauf, wie lange die AU-Leistung maximal gezahlt wird und ob sie auf die spätere BU-Rente oder deren Leistungsdauer angerechnet wird. Diese Punkte sind tarifabhängig und lassen sich nicht pauschal beantworten.
Verzicht auf abstrakte Verweisung
Bei einer BU ist ein Verzicht auf die abstrakte Verweisung ein wichtiger Vertragsbestandteil. Ohne diesen Verzicht könnte der Versicherer dich unter bestimmten Bedingungen auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch ausüben könntest. Prüfe, ob dein Vertrag auf eine solche Verweisung verzichtet und wie die konkrete berufliche Tätigkeit bei der Prüfung berücksichtigt wird.
Nachversicherungsgarantie
Dein Absicherungsbedarf kann steigen, wenn dein Einkommen wächst, du eine Familie gründest oder einen Kredit aufnimmst. Eine Nachversicherungsgarantie kann dir ermöglichen, die versicherte Rente bei bestimmten Ereignissen zu erhöhen, häufig ohne erneute Gesundheitsprüfung. Welche Anlässe, Fristen und Höchstgrenzen gelten, steht im Vertrag.
Beitragsdynamik
Eine Beitragsdynamik erhöht den Beitrag und meist auch die versicherte Rente regelmäßig. Sie kann dazu beitragen, dass die Absicherung mit steigenden Kosten Schritt hält. Prüfe, wie oft du der Erhöhung widersprechen darfst und welche Folgen ein Widerspruch hat.
Gesundheitsfragen und Vorerkrankungen
Beim Abschluss einer BU musst du die Gesundheitsfragen vollständig und wahrheitsgemäß beantworten. Vorerkrankungen können zu einem Risikozuschlag, einem Leistungsausschluss oder einer Ablehnung führen. Welche Angaben verlangt werden, hängt vom Antrag und den jeweiligen Abfragezeiträumen ab. Verlasse dich deshalb nicht auf eine pauschale Frist, sondern beantworte die Fragen genau nach ihrem Wortlaut.
Bei einer komplexen Krankengeschichte kann eine anonymisierte Risikovoranfrage sinnvoll sein. Dabei prüft der Versicherer die Angaben, ohne dass du sofort einen regulären Antrag mit deinen persönlichen Daten stellst. So kannst du mögliche Konditionen vergleichen, bevor du dich für einen Antrag entscheidest. Die Vorgehensweise sollte über eine fachkundige Stelle abgestimmt werden.
Wie hoch sollte deine BU-Rente sein?
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Die Rentenhöhe sollte sich an deinen laufenden Ausgaben und deinem Einkommen orientieren. Im Ausgangstext werden 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens als Orientierung genannt. Das ist keine feste Vorgabe: Berücksichtige Miete oder Baufinanzierung, Lebenshaltungskosten, Versicherungsbeiträge, Unterhalt und mögliche staatliche Leistungen. Eine zu niedrig angesetzte Rente kann trotz AU-Klausel eine erhebliche Einkommenslücke lassen.
Weitere Bausteine und Kombinationen
Eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) wird meist mit einer Lebens- oder Rentenversicherung verbunden. Sie kann eine Option sein, ist aber nicht automatisch gleich leistungsstark oder flexibel wie eine eigenständige BU. Prüfe insbesondere, ob sich die Bausteine getrennt ändern oder kündigen lassen.
Eine Risikolebensversicherung verfolgt ein anderes Ziel: Sie sichert Hinterbliebene im Todesfall ab. Die BU schützt dein Einkommen, wenn du nicht mehr arbeiten kannst. Beide Versicherungen können daher unterschiedliche Risiken abdecken, sollten aber getrennt nach Bedarf und Vertragsbedingungen beurteilt werden.
Fazit: Für wen ist die AU-Klausel sinnvoll?
Die AU-Klausel kann eine sinnvolle Ergänzung zur BU sein, wenn du bei einer längeren, voraussichtlich vorübergehenden Krankheit zusätzliches Einkommen brauchst. Besonders Selbstständige und Personen mit begrenzter Absicherung im Krankheitsfall sollten prüfen, ob sie dadurch eine relevante Lücke schließen. Der Zusatz kostet jedoch mehr und leistet in der Regel erst nach einer vertraglich festgelegten Dauer, gegebenenfalls rückwirkend.
Wenn du bereits über Krankengeld oder Krankentagegeld ausreichend abgesichert bist, kann eine separate AU-Klausel weniger wichtig sein. Vergleiche deshalb die Bedingungen, die Rentenhöhe, die Nachversicherungsgarantie, die Beitragsdynamik und den Verzicht auf abstrakte Verweisung. So kannst du beurteilen, ob der Zusatzschutz zu deinem Einkommen und deinem tatsächlichen Absicherungsbedarf passt.
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