Bei einer Drogenbestimmung im Labor wird zunächst festgelegt, welche Substanz und welche Frage untersucht werden soll: Geht es um einen möglichen aktuellen Einfluss, einen länger zurückliegenden Konsum, eine Vergiftung, die Kontrolle einer Substitutionstherapie oder einen forensisch verwertbaren Abstinenznachweis? Davon hängen das Untersuchungsmaterial und die Methode ab.
Wie läuft eine Drogenanalyse ab?
In vielen Fällen besteht die Untersuchung aus zwei Stufen. Ein immunchemischer Vortest dient als schnelles Screening. Er zeigt, ob eine bestimmte Substanzgruppe möglicherweise vorhanden ist. Solche Tests sind praktisch und empfindlich, aber nicht immer ausreichend spezifisch. Ähnliche Medikamente oder andere Moleküle können eine Kreuzreaktion auslösen und damit zu einem falsch-positiven Ergebnis führen.
Ein auffälliger Vortest ist deshalb zunächst ein Hinweis und noch kein eindeutiger Nachweis. Für eine belastbare Beurteilung folgt eine Bestätigungsanalyse. Dabei wird die Substanz gezielt identifiziert und – sofern erforderlich – ihre Konzentration bestimmt. Das Labor untersucht häufig auch Metaboliten, also Abbauprodukte, die länger nachweisbar sein können als der ursprüngliche Wirkstoff.
Welche Methoden werden eingesetzt?
GC-MS und LC-MS/MS
Bei der Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) trennt die Gaschromatographie die Bestandteile einer Probe. Anschließend identifiziert das Massenspektrometer die einzelnen Substanzen anhand ihres Massen- und Fragmentierungsmusters. GC-MS eignet sich besonders für flüchtige und thermisch stabile Substanzen.
Die Flüssigkeitschromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) wird häufig für weniger flüchtige, empfindliche oder komplex zusammengesetzte Stoffe eingesetzt. Sie kann Wirkstoffe und Metaboliten in Materialien wie Blut, Serum, Urin oder Speichel spezifisch nachweisen und oft quantifizieren. Beide Verfahren werden vor allem zur Bestätigung auffälliger Screenings verwendet.
Weitere Verfahren
Je nach Fragestellung kommen auch Hochleistungsdünnschichtchromatographie (HPTLC), UV-VIS- oder Fluoreszenz-Spektrometrie und elektrochemische Verfahren infrage. Diese Methoden können für bestimmte Substanzgruppen oder ein Screening sinnvoll sein, sind für eine eindeutige Identifizierung aber nicht immer spezifisch genug. Entscheidend ist, dass das gewählte Verfahren für den vorgesehenen Zweck validiert wurde. Dazu gehören unter anderem Prüfungen von Genauigkeit, Präzision, Spezifität und Nachweisgrenze.
Welches Probenmaterial ist geeignet?
Urin
Urin wird häufig untersucht, weil die Entnahme vergleichsweise einfach ist und viele Wirkstoffe oder Metaboliten dort länger nachweisbar sind. Typische Richtwerte reichen je nach Substanz und Konsummuster von wenigen Tagen bis über eine Woche. Bei Benzodiazepinen, Cannabis oder regelmäßigem Konsum können längere Zeiträume auftreten. Urin zeigt jedoch in der Regel eher einen zurückliegenden Konsum als eine aktuelle Beeinträchtigung an.
Blut und Serum
Blut beziehungsweise Serum eignet sich eher für die Beurteilung eines zeitnahen Konsums oder einer möglichen akuten Beeinflussung. Die Wirkstoffe sind dort häufig nur wenige Stunden bis etwa ein bis zwei Tage nachweisbar; die konkrete Dauer hängt von der Substanz und weiteren Faktoren ab. Serumproben werden außerdem genutzt, um Medikamentenspiegel zu bestimmen, etwa im Rahmen eines therapeutischen Drug-Monitorings.
Speichel
Speichelproben lassen sich unkompliziert entnehmen und können aktive Wirkstoffe erfassen. Die Nachweiszeit ist meist kürzer als im Urin, aber häufig länger als im Blut. Speichel eignet sich daher für Fragestellungen, bei denen ein zeitnaher Konsum relevant ist. Für eine rechtlich belastbare Bewertung kann auch hier eine spezifische Laboranalyse erforderlich sein.
Haare und Nägel
In Haaren können Wirkstoffe und Metaboliten über längere Zeiträume gespeichert werden. Bei einem durchschnittlichen Haarwachstum von etwa einem Zentimeter pro Monat lässt sich ein zurückliegender Zeitraum abschnittsweise betrachten. Haaranalysen werden deshalb unter anderem für Abstinenznachweise und Fahreignungsbegutachtungen eingesetzt. Nägel können ebenfalls längerfristige Informationen liefern, sind aber weniger verbreitet und aufwendiger zu untersuchen.
Spezielle Materialien
Mageninhalt und Gewebe werden vor allem bei Vergiftungen oder rechtsmedizinischen Untersuchungen analysiert. Mekonium, der erste Stuhl eines Neugeborenen, kann Hinweise auf einen Drogenkonsum während der Schwangerschaft liefern. Je nach Anlass können außerdem Kapillarblut, Pflanzenschutzmittel, Lösungsmittel, Kohlenmonoxid, Cyanide oder Ethylenglykol gezielt untersucht werden.
Wie lange sind Drogen nachweisbar?
Eine allgemeingültige Nachweiszeit gibt es nicht. Sie hängt unter anderem von der Substanz, der Dosis, der Konsumhäufigkeit, dem individuellen Stoffwechsel, dem pH-Wert des Urins und dem Probenmaterial ab. Als grobe Orientierung können im Urin gelten:
- Amphetamine: meist etwa 1 bis 3 Tage
- Kokain beziehungsweise Benzoylecgonin: typischerweise etwa 2 bis 4 Tage
- Opiate: häufig etwa 1 bis 2 Tage
- Methadon: typischerweise etwa 1 bis 3 Tage
- Barbiturate: bis zu etwa 7 Tage
- Benzodiazepine: nach einmaliger Einnahme oft wenige Tage, bei längerer Einnahme unter Umständen mehrere Wochen
- Cannabis: nach einmaligem Konsum etwa 1 bis 2 Tage, bei regelmäßigem oder chronischem Konsum deutlich länger
Diese Werte sind nur Richtwerte. Ein positives Ergebnis beweist allein weder den genauen Konsumzeitpunkt noch eine aktuelle Fahr- oder Arbeitsbeeinträchtigung. Ebenso kann ein negatives Ergebnis außerhalb des passenden Nachweisfensters einen früheren Konsum nicht sicher ausschließen.
Welche Substanzen können untersucht werden?
Je nach Auftrag lassen sich unter anderem Cannabinoide, Amphetamine und Designer-Amphetamine wie MDMA, MDA oder MDEA, Kokain, Opiate und Opioide, Benzodiazepine, Methadon und Buprenorphin untersuchen. Auch LSD, synthetische Cannabinoide, Psilocin, bestimmte Antidepressiva, Neuroleptika und andere Medikamente können gezielt analysiert werden.
Ein Standard-Screening erfasst nicht automatisch jede Substanz. Synthetische Cannabinoide sowie manche Designerdrogen und Medikamente benötigen häufig eine ausdrücklich angeforderte, spezifische Untersuchung. Bei Cannabis können THC, der aktive Metabolit THC-OH und THC-Carbonsäure unterschiedliche Hinweise liefern. Bei Kokain wird häufig nach Benzoylecgonin gesucht; 6-Acetylmorphin kann ein wichtiger Hinweis auf Heroin sein. Die Interpretation muss immer das Probenmaterial und die eingenommenen Medikamente berücksichtigen.
Was bedeutet ein positives Screening?
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Ein positives Screening sollte durch eine spezifische Methode bestätigt werden, insbesondere wenn medizinische, berufliche oder rechtliche Folgen möglich sind. Die Bestätigungsanalyse kann eine Substanzgruppe weiter aufschlüsseln, einzelne Wirkstoffe und Metaboliten unterscheiden und eine Konzentration bestimmen. Bei Opiaten kann sie beispielsweise zwischen verschiedenen Wirkstoffen differenzieren. Bei Kokain lässt sich aus den üblichen Befunden dagegen in der Regel nicht sicher ableiten, ob die Substanz geschnupft oder als Crack geraucht wurde.
Die quantitative Messung beschreibt die Konzentration in der Probe. Sie kann für die Beurteilung eines Medikamentenspiegels, einer Vergiftung oder einer forensischen Fragestellung wichtig sein. Aus einem einzelnen Wert lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres auf eine bestimmte Konsummenge, den exakten Zeitpunkt oder die individuelle Beeinträchtigung schließen.
Abstinenznachweise und Fahreignungsdiagnostik
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Für Abstinenznachweise werden häufig Urin- oder Haarproben verwendet. Urin eignet sich eher für wiederholte Kontrollen über kürzere Zeiträume. Haar kann einen längeren zurückliegenden Zeitraum abbilden. Bei Alkohol wird häufig Ethylglucuronid (EtG) als Marker untersucht. Welche Probe, welcher Zeitraum und welches Verfahren anerkannt werden, richtet sich nach dem konkreten Programm und den geltenden Vorgaben.
Bei Untersuchungen für Behörden, Gerichte, Arbeitgeber oder die Fahreignungsdiagnostik müssen Probenentnahme, Identitätskontrolle, Transport, Lagerung und Analyse nachvollziehbar dokumentiert werden. Forensisch relevante Labore arbeiten mit validierten Methoden und Qualitätsanforderungen, beispielsweise im Rahmen der DIN EN ISO/IEC 17025. Nur ein standardisierter Ablauf ermöglicht eine zuverlässige und rechtlich verwertbare Bewertung.
Medikamente und therapeutische Überwachung
Laboranalysen können neben illegalen Drogen auch Beruhigungs- und Schlafmittel, Opioide, Antidepressiva, Neuroleptika, Antiepileptika oder andere Arzneimittel erfassen. Einige dieser Wirkstoffe können die Reaktionsfähigkeit beeinflussen oder bei Überdosierung toxisch wirken. Da sie nicht immer Bestandteil eines Standard-Drogenscreenings sind, müssen sie gegebenenfalls gezielt angefordert werden.
Beim therapeutischen Drug-Monitoring wird die Konzentration eines Medikaments im Blut überprüft. Das kann bei Wirkstoffen mit engem therapeutischem Bereich helfen, eine angemessene Dosierung zu kontrollieren. Die Ergebnisse müssen immer zusammen mit Medikamentenplan, Einnahmezeitpunkt, Symptomen und der klinischen Situation bewertet werden.
Wichtig für die Einordnung
Die passende Analyse hängt von der konkreten Frage ab: Urin und Haare eignen sich eher für länger zurückliegenden Konsum, Blut und Speichel eher für einen zeitnahen Nachweis. Ein Vortest liefert eine erste Orientierung; bei einem auffälligen oder folgenreichen Ergebnis ist eine spezifische Bestätigung wichtig. Wenn du einen Test für eine Behörde, ein Gericht oder eine Fahreignungsbegutachtung benötigst, solltest du vorab klären, welche Proben und Standards akzeptiert werden.
