Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Blutzucker dauerhaft erhöht sein kann. Ursache ist entweder ein Mangel an Insulin, eine eingeschränkte Wirkung des Hormons oder beides. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vor allem vom Diabetes-Typ und deiner persönlichen Situation ab.
Diabetes mellitus: Symptome und Diagnose
Mögliche Anzeichen eines erhöhten Blutzuckers sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und ungewollter Gewichtsverlust. Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausfallen; insbesondere Typ-2-Diabetes bleibt anfangs oft unbemerkt. Bei entsprechenden Symptomen oder erhöhtem Risiko solltest du deine Werte ärztlich abklären lassen.
Zur Diagnose können verschiedene Untersuchungen eingesetzt werden:
-
Nüchternblutzucker: Der Blutzucker wird nach einer längeren Nahrungspause gemessen.
-
Oraler Glukosetoleranztest: Nach dem Trinken einer Glukoselösung wird der Blutzuckerverlauf kontrolliert.
-
HbA1c-Wert: Er gibt Hinweise auf den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen zwei bis drei Monate.
Welche Tests notwendig sind und wie die Ergebnisse bewertet werden, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Die wichtigsten Diabetes-Typen
Typ-1-Diabetes
Bei Typ-1-Diabetes greift das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an. Dadurch entsteht ein ausgeprägter Insulinmangel. Die Erkrankung beginnt häufig im Kindes- oder Jugendalter, kann aber auch später auftreten. Insulin ist lebensnotwendig und muss dauerhaft ersetzt werden, etwa mit Pens, Spritzen oder einer Insulinpumpe.
Typ-2-Diabetes
Typ-2-Diabetes ist die häufigste Form. Dein Körper bildet zunächst meist noch Insulin, die Zellen reagieren jedoch weniger empfindlich darauf. Zu den möglichen Risikofaktoren gehören familiäre Vorbelastung, höheres Alter, Bewegungsmangel, Übergewicht und eine ungünstige Ernährung. Die Behandlung wird individuell festgelegt und kann Lebensstiländerungen, Medikamente und später gegebenenfalls Insulin umfassen.
Gestationsdiabetes
Gestationsdiabetes tritt während der Schwangerschaft auf. Schwangerschaftshormone können die Wirkung von Insulin beeinträchtigen. Nach der Geburt normalisiert sich der Blutzucker häufig wieder; das Risiko, später Typ-2-Diabetes zu entwickeln, bleibt jedoch erhöht. Deshalb sind ärztliche Kontrollen und die vereinbarten Nachuntersuchungen wichtig.
Sekundärer Diabetes
Ein sekundärer Diabetes kann als Folge anderer Erkrankungen oder durch bestimmte Medikamente entstehen. Mögliche Auslöser sind Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, genetische Veränderungen oder die Behandlung mit Kortikosteroiden. Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
Behandlung von Diabetes mellitus
Insulin und Medikamente
Bei Typ-1-Diabetes wird Insulin von Anfang an benötigt. Es gibt unter anderem schnell und länger wirkende Insuline sowie verschiedene Anwendungssysteme. Dein Behandlungsteam legt fest, welches Präparat, welche Dosis und welcher Zeitplan zu dir passen.
Bei Typ-2-Diabetes können zunächst eine angepasste Ernährung, mehr Bewegung und eine Gewichtsabnahme – sofern sinnvoll – Teil der Behandlung sein. Zusätzlich kommen blutzuckersenkende Medikamente infrage. Reicht ein Wirkstoff nicht aus oder verändert sich die Stoffwechsellage, kann die Therapie angepasst oder durch weitere Medikamente beziehungsweise Insulin ergänzt werden. Ändere Medikamente oder Dosierungen nicht eigenständig. Bei Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Gewichtszunahme oder Unterzuckerungen solltest du deine Arztpraxis kontaktieren.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt das Diabetesmanagement. Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Lebensmittel können eine sinnvolle Grundlage bilden. Zuckerhaltige Getränke und stark verarbeitete Lebensmittel solltest du nur selten konsumieren. Entscheidend ist nicht ein einzelnes Lebensmittel, sondern das gesamte Ernährungsmuster und seine Abstimmung auf deine Therapie.
Regelmäßige Bewegung kann den Blutzucker, das Körpergewicht und die körperliche Fitness positiv beeinflussen. Geeignet sind Aktivitäten, die zu deiner Gesundheit und deinem Alltag passen, zum Beispiel Ausdauer- und Krafttraining. Wenn du Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente verwendest, kläre mit deinem Behandlungsteam, worauf du vor und nach dem Sport achten musst.
Blutzucker messen und Therapie kontrollieren
Blutzuckermessungen zeigen, wie dein Körper auf Mahlzeiten, Bewegung und Medikamente reagiert. Je nach Therapie kann die Kontrolle mit einem herkömmlichen Messgerät, einem kontinuierlichen Glukosemesssystem (CGM) oder einem Flash-Glukosemesssystem erfolgen. CGM-Systeme messen Glukose fortlaufend über einen Sensor im Unterhautgewebe; bei Flash-Systemen wird der Sensor zur Abfrage gescannt.
Halte deine Werte und wichtige Zusammenhänge fest, etwa Mahlzeiten, Bewegung und eingenommene Medikamente. So kann dein Behandlungsteam die Therapie besser beurteilen. Achte bei Messgeräten auf saubere Hände, gültige Teststreifen und die korrekte Anwendung. Wie häufig und zu welchen Zeitpunkten du messen solltest, hängt von deiner Behandlung ab.
Regelmäßige ärztliche Kontrollen helfen, die Therapie anzupassen und mögliche Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Dazu können je nach Situation Untersuchungen der Augen, Nieren, Füße sowie des Herz-Kreislauf-Systems gehören.
Mögliche Folgeerkrankungen
![]()
Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker kann Blutgefäße und Nerven schädigen. Mögliche Folgen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden, Nervenschäden und Veränderungen an der Netzhaut. Bei einer Neuropathie können Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen an Füßen und Beinen auftreten.
Kontrolliere deine Füße regelmäßig auf Druckstellen, Blasen, Risse oder Verletzungen. Durch Nervenschäden werden Wunden möglicherweise spät bemerkt; eine beeinträchtigte Durchblutung kann die Heilung erschweren. Bei auffälligen Veränderungen solltest du zeitnah medizinische Hilfe suchen. Regelmäßige Augen-, Nieren- und Fußuntersuchungen sind ein wichtiger Teil der Vorsorge.
Unterzuckerung: Warnzeichen und Notfallmaßnahmen
Eine Hypoglykämie, also Unterzuckerung, kann unter anderem durch kalten Schweiß, Herzrasen, Zittern, Heißhunger, Schwäche oder Verwirrtheit auffallen. Wenn du eine Unterzuckerung vermutest und ansprechbar bist, nimm schnell wirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder ein zuckerhaltiges Getränk zu dir. Kontrolliere deinen Wert anschließend entsprechend deinem Notfallplan und wiederhole die Maßnahme, falls nötig.
Besprich mit deiner Arztpraxis, wie du dich in solchen Situationen verhalten sollst und ob ein Notfallmedikament wie Glukagon für dich sinnvoll ist. Informiere Angehörige oder enge Bezugspersonen über die Warnzeichen und den Notfallplan. Bei Bewusstlosigkeit darfst du der betroffenen Person nichts zu essen oder zu trinken geben; Angehörige sollten den Notruf wählen und – sofern geschult – die vereinbarten Notfallmaßnahmen einleiten.
Alltag, Schulung und Unterstützung
![]()
Diabetes erfordert im Alltag Aufmerksamkeit und kann psychisch belastend sein. Schulungen helfen dir, Blutzucker zu messen, Medikamente richtig anzuwenden, Mahlzeiten und Bewegung zu planen und Notfälle zu erkennen. Diabetesberaterinnen und Diabetesberater, Ärztinnen und Ärzte, Ernährungsfachkräfte, Podologinnen und Podologen sowie psychologische Beratungsstellen können dich unterstützen.
Auch Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen können entlasten. Apps oder digitale Messsysteme erleichtern je nach Ausstattung die Dokumentation und Auswertung deiner Werte. Prüfe jedoch, ob ein Angebot zu deiner Therapie passt, und besprich medizinische Entscheidungen mit deinem Behandlungsteam.
Krankenkasse und Kosten
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt viele medizinisch notwendigen Leistungen zur Diagnose und Behandlung von Diabetes, darunter je nach Voraussetzungen Medikamente, Hilfsmittel, ärztliche Untersuchungen und Schulungen. Für manche Leistungen können Zuzahlungen oder bestimmte Bewilligungsbedingungen gelten. Auch die Auswahl von Messgeräten kann durch Verträge der Krankenkasse eingeschränkt sein. Informiere dich deshalb vorab bei deiner Krankenkasse, welche Kosten übernommen werden.
Viele Krankenkassen bieten Disease-Management-Programme (DMP) für Menschen mit Diabetes an. Sie können regelmäßige Kontrollen, Schulungen und koordinierte Behandlung umfassen. Die Teilnahme ist freiwillig. Bei Fragen zu Bescheiden oder einer Kostenübernahme solltest du die Entscheidung schriftlich prüfen lassen und dich gegebenenfalls beraten lassen.
Wichtig für dich
Diabetes mellitus ist chronisch, aber behandelbar. Eine passende Therapie, regelmäßige Kontrollen und ein alltagstauglicher Umgang mit Ernährung, Bewegung und Medikamenten können helfen, den Blutzucker zu steuern und Risiken zu verringern. Welche Maßnahmen für dich geeignet sind, hängt von deinem Diabetes-Typ und deiner individuellen Gesundheit ab. Lass Beschwerden, auffällige Werte oder Therapieprobleme ärztlich abklären.
