Bei einer Hemikolektomie wird ein erkrankter Abschnitt des Dickdarms entfernt. Der verbleibende Darm wird, wenn möglich, wieder verbunden. Der Eingriff kann die rechte oder linke Dickdarmhälfte betreffen und wird offen oder minimalinvasiv durchgeführt. Wie die Operation abläuft und wie lange die Heilung dauert, hängt unter anderem von der Grunderkrankung, dem Operationsumfang und deinem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Was ist eine Hemikolektomie?
Der Dickdarm besteht aus mehreren Abschnitten: Blinddarm, aufsteigendem Dickdarm, Querdarm, absteigendem Dickdarm und Sigma. Bei einer rechtsseitigen Hemikolektomie werden meist der Blinddarm und der aufsteigende Dickdarm, gegebenenfalls mit einem Teil des Querdarms, entfernt. Anschließend wird das Ende des Dünndarms mit dem verbleibenden Querdarm verbunden. Diese Verbindung heißt Ileotransversostomie.
Bei einer linksseitigen Hemikolektomie werden überwiegend der absteigende Dickdarm und je nach Befund Teile des Querdarms oder Sigmas entfernt. Danach werden die verbleibenden Darmabschnitte miteinander verbunden; dies wird als Transversosigmoideostomie bezeichnet.
Im Unterschied zur Hemikolektomie wird bei einer Kolektomie der gesamte Dickdarm entfernt. Bei einer Proktokolektomie werden zusätzlich der Mastdarm und je nach Situation weitere Darmabschnitte entfernt. Ein künstlicher Darmausgang, ein sogenanntes Stoma, kann dann notwendig sein.
Wann wird der Eingriff durchgeführt?
Eine Hemikolektomie kommt infrage, wenn ein bestimmter Darmabschnitt erkrankt oder nicht mehr ausreichend durchblutet ist. Häufige Gründe sind:
-
kolorektaler Darmkrebs oder Metastasen im Darmbereich
-
chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
-
wiederkehrende oder komplizierte Divertikelkrankheit
-
Gefäßverschlüsse mit abgestorbenem Darmgewebe
-
schwere traumatische Darmverletzungen
-
große oder risikoreiche Polypen, die nicht anders sicher entfernt werden können
Bei einer Krebsoperation wird nicht nur der sichtbare Tumor entfernt. Je nach Befund werden auch angrenzende Darmabschnitte sowie zugehörige Blut- und Lymphgefäße entnommen, damit der Tumor mit ausreichendem Sicherheitsabstand behandelt werden kann. Welche Operation sinnvoll ist, entscheidet das Behandlungsteam anhand der Untersuchungen und deiner individuellen Situation.
Vorbereitung auf die Hemikolektomie
Vor dem Eingriff wird abgeklärt, wo die Erkrankung liegt und wie weit sie sich ausgebreitet hat. Dazu können eine Darmspiegelung, bildgebende Untersuchungen wie CT oder MRT sowie Blutuntersuchungen gehören. Vor der Narkose wird außerdem geprüft, ob weitere Untersuchungen, etwa ein EKG, notwendig sind.
Im Aufklärungsgespräch bespricht das Ärzteteam den geplanten Zugang, mögliche Alternativen, Risiken und die Zeit nach der Operation. Deine Medikamente solltest du vollständig angeben. Blutverdünner und andere Präparate dürfen nur nach ärztlicher Anweisung angepasst oder abgesetzt werden. Je nach Operationsplanung kann eine Darmreinigung mit Abführmitteln erforderlich sein. Ob du vor dem Eingriff bestimmte Lebensmittel meiden oder nüchtern bleiben musst, erklärt dir das Krankenhaus.
Ablauf der Operation
![]()
Die Hemikolektomie wird unter Vollnarkose durchgeführt. Nach der Lagerung und sterilen Vorbereitung des Bauches verschafft sich das Operationsteam Zugang zur Bauchhöhle:
-
Bei der offenen Operation erfolgt der Zugang über einen größeren Bauchschnitt. Dieser Weg kann bei Notfällen, komplexen Befunden oder bestimmten Vorerkrankungen erforderlich sein.
-
Bei der laparoskopischen Operation werden mehrere kleine Schnitte angelegt. Eine Kamera und spezielle Instrumente ermöglichen die Operation über einen Monitor.
Das Team mobilisiert den erkrankten Darmabschnitt, versorgt die zugehörigen Blut- und Lymphgefäße und entfernt den betroffenen Teil mit dem erforderlichen Sicherheitsabstand. Anschließend werden die gesunden Darmenden durch eine Anastomose verbunden. Dafür können Nahttechniken oder Klammernahtgeräte verwendet werden.
Ist eine direkte Verbindung nicht sicher möglich, kann vorübergehend oder in bestimmten Situationen dauerhaft ein Stoma angelegt werden. Die Anastomose wird vor dem Verschluss des Bauches auf ihre Dichtigkeit geprüft. Manchmal muss eine zunächst minimalinvasive Operation während des Eingriffs in eine offene Operation umgewandelt werden.
Mögliche Risiken und Komplikationen
Wie bei jeder größeren Operation bestehen allgemeine Risiken wie Blutungen, Infektionen, Thrombosen und Embolien. Weitere mögliche Komplikationen sind:
-
eine undichte Darmnaht, medizinisch Anastomoseninsuffizienz, mit möglicher Bauchfellentzündung
-
Abszesse oder Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum
-
vorübergehende Darmträgheit oder ein Darmverschluss durch Verwachsungen
-
Verletzungen benachbarter Organe, etwa von Dünndarm, Harnleiter oder Blutgefäßen
-
Wundheilungsstörungen oder eine spätere Narbenhernie
Fieber, zunehmende oder starke Bauchschmerzen, anhaltende Übelkeit und Erbrechen, ein deutlich geblähter Bauch, ausbleibender Stuhlgang oder eine gerötete, geschwollene beziehungsweise nässende Wunde solltest du nach der Operation sofort dem Behandlungsteam melden. Auch nach der Entlassung ist bei solchen Beschwerden eine zeitnahe ärztliche Abklärung nötig.
Heilung und Ernährung nach der Operation
Nach dem Eingriff wirst du zunächst eng überwacht. Das Team kontrolliert unter anderem Kreislauf, Atmung, Temperatur, Flüssigkeitshaushalt, Wunde und Darmfunktion. Eine angemessene Schmerztherapie erleichtert die Mobilisation. Frühzeitiges, an deinen Zustand angepasstes Aufstehen hilft, die Beweglichkeit zu fördern und das Thromboserisiko zu senken.
Der Kostaufbau erfolgt schrittweise. Zunächst können je nach ärztlicher Freigabe Flüssigkeiten angeboten werden, danach leichte Kost und später wieder eine normale Ernährung. Welche Lebensmittel du verträgst, ist individuell. Blähende Speisen können anfangs Beschwerden verstärken. Kleine Mahlzeiten, ausreichendes Trinken und ein Ernährungstagebuch können dir helfen, persönliche Unverträglichkeiten zu erkennen. Bei anhaltendem Durchfall, Verstopfung oder häufigem Stuhlgang solltest du ärztlichen oder ernährungsmedizinischen Rat einholen.
Die Wunde sollte nach den Anweisungen des Krankenhauses kontrolliert und versorgt werden. Schütze die Narbe zunächst vor Belastung und direkter Sonne. Narbenpflege oder Physiotherapie besprichst du am besten mit deinem Behandlungsteam, sobald die Wunde ausreichend verheilt ist.
Stoma, Rehabilitation und Nachsorge
Ein Stoma leitet den Dünn- oder Dickdarm durch die Bauchdecke aus. Ein Stomatherapeut zeigt dir die Versorgung, den Beutelwechsel und den Umgang mit Hautreizungen. Ob und wann ein vorübergehendes Stoma zurückverlegt werden kann, hängt von der Heilung und dem Grund seiner Anlage ab.
Eine Rehabilitation kann dich dabei unterstützen, Kraft und Beweglichkeit zurückzugewinnen, deine Ernährung anzupassen und psychische Belastungen zu bewältigen. Nach der Hemikolektomie sind regelmäßige Kontrolltermine wichtig. Je nach Grunderkrankung gehören dazu körperliche Untersuchungen, Bluttests, Bildgebung oder Darmspiegelungen. Wurde die Operation wegen Darmkrebs durchgeführt, richtet sich die Nachsorge nach dem Tumorstadium und den Empfehlungen des onkologischen Teams.
![]()
Prognose und Alltag
Die Prognose hängt vor allem von der Grunderkrankung und bei Krebs von Tumorstadium und möglicher Ausbreitung ab. Nach der Heilung kann sich der Stuhlgang zunächst verändern, etwa durch häufigere Entleerungen, Durchfall oder Verstopfung. Bei vielen Menschen stabilisiert sich die Verdauung mit der Zeit. Wann du wieder arbeiten, Sport treiben oder schwer heben darfst, richtet sich nach deinem Heilungsverlauf und deiner Tätigkeit. Halte dich an die individuellen Empfehlungen deines Ärzteteams und sprich Beschwerden frühzeitig an.
