Morbus Addison ist eine seltene Erkrankung der Nebennierenrinde. Dabei produziert der Körper vor allem zu wenig Cortisol und Aldosteron. Diese Hormone sind unter anderem an der Stressreaktion, am Stoffwechsel sowie am Salz-, Wasser- und Blutdruckhaushalt beteiligt. Die Beschwerden entwickeln sich häufig schleichend. Unbehandelt kann eine schwere Hormonunterversorgung zu einer lebensbedrohlichen Addison-Krise führen.
Was ist Morbus Addison?
Bei Morbus Addison liegt eine primäre Nebenniereninsuffizienz vor: Die Ursache befindet sich direkt in den Nebennieren. Davon zu unterscheiden ist die sekundäre Nebenniereninsuffizienz, bei der die Hypophyse zu wenig ACTH bildet. ACTH regt die Nebierenrinde normalerweise zur Cortisolproduktion an.
Die Nebennieren liegen oberhalb der Nieren. Ihre Rinde bildet Cortisol, Aldosteron und Androgene. Fehlen diese Hormone, können mehrere Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht geraten.
Typische Symptome
Die Anzeichen sind oft unspezifisch und werden deshalb nicht immer sofort mit Morbus Addison in Verbindung gebracht. Häufige Beschwerden sind:
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anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung und Muskelschwäche
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ungewollter Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit
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niedriger Blutdruck, Schwindel und Kreislaufprobleme, besonders beim Aufstehen
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Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall
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Muskel- und Gelenkschmerzen
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starkes Verlangen nach salzigen Lebensmitteln
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eine dunklere oder bronzefarbene Haut, insbesondere im Gesicht, an Narben oder in Hautfalten
Die Hautverfärbung ist typisch für die primäre Nebenniereninsuffizienz, tritt aber nicht bei allen Betroffenen gleich ausgeprägt auf. Wenn mehrere dieser Beschwerden neu auftreten oder anhalten, solltest du sie ärztlich abklären lassen.
Ursachen
In vielen Fällen greift das Immunsystem die Zellen der Nebennierenrinde an. Morbus Addison gehört dann zu den Autoimmunerkrankungen. Eine familiäre Veranlagung kann eine Rolle spielen, bedeutet aber nicht, dass die Erkrankung zwangsläufig auftritt.
Weitere mögliche Ursachen sind:
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Infektionen wie Tuberkulose, bestimmte Pilzinfektionen oder eine CMV-Infektion
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Schädigungen durch Tumoren oder Metastasen
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Blutungen in den Nebennieren
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seltene erbliche Erkrankungen wie Adrenoleukodystrophie
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bestimmte Medikamente, die die Nebennierenfunktion beeinträchtigen können
Welche Ursache vorliegt, beeinflusst die weitere Diagnostik. Morbus Addison kann außerdem gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten, beispielsweise mit einer Hashimoto-Thyreoiditis.
Wie wird Morbus Addison diagnostiziert?
Am Anfang stehen deine Krankengeschichte, eine körperliche Untersuchung und Fragen zu Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenten. Blutuntersuchungen können Hinweise auf eine Nebenniereninsuffizienz liefern. Dabei werden unter anderem Cortisol, ACTH sowie Elektrolyte wie Natrium und Kalium bestimmt.
Ein wichtiger Bestätigungstest ist der ACTH-Stimulationstest. Dabei wird ACTH verabreicht und anschließend geprüft, ob die Cortisolproduktion ausreichend ansteigt. Bei einer gestörten Funktion der Nebennieren fällt die Reaktion zu gering aus. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT können eingesetzt werden, um die Ursache und mögliche Veränderungen der Nebennieren zu untersuchen.
Da Müdigkeit, Gewichtsverlust und Kreislaufprobleme auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, müssen unter anderem eine Schilddrüsenunterfunktion oder psychische und chronische Erkrankungen als mögliche Ursachen berücksichtigt werden.
Behandlung
Morbus Addison ist nicht heilbar, lässt sich aber in der Regel mit einer individuell eingestellten Hormonersatztherapie behandeln. Das fehlende Cortisol wird meist durch Hydrocortison ersetzt. Je nach Situation kann zusätzlich ein Ersatz für Aldosteron erforderlich sein. Du solltest die Medikamente regelmäßig und genau nach ärztlicher Vorgabe einnehmen und die Dosis nicht eigenständig verändern.
Bei Fieber, Infektionen, Verletzungen, starkem körperlichem Stress oder vor einer Operation kann der Cortisolbedarf steigen. Deshalb brauchst du einen mit deinem Ärzteteam abgestimmten Plan für solche Situationen. Regelmäßige Kontrollen helfen, die Therapie zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen.
Addison-Krise: Wann ist es ein Notfall?
Eine Addison-Krise entsteht durch einen akuten, schweren Mangel an Cortisol. Auslöser können unter anderem Infektionen, Operationen, Verletzungen oder eine nicht ausreichende Anpassung der Behandlung sein. Sie kann auch auftreten, bevor Morbus Addison erkannt wurde.
Warnzeichen sind beispielsweise:
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starke Schwäche und ausgeprägter Schwindel
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starke Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
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Fieber, Zittern oder Muskelkrämpfe
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Verwirrtheit und Kreislaufzusammenbruch
Bei Verdacht auf eine Addison-Krise wählst du sofort den Notruf 112. Wenn dir ein Notfallset mit injizierbarem Hydrocortison verschrieben und die Anwendung erklärt wurde, verwendest du es nach deinem Notfallplan. Anschließend bleibt der Notruf erforderlich. Ein Notfallausweis und ein Notfallset mit dem benötigten Medikament, Spritze, Kanüle und Anwendungshinweisen sollten verfügbar sein. Angehörige und enge Bezugspersonen sollten wissen, wo sich das Set befindet und was im Notfall zu tun ist.
Alltag mit Morbus Addison
Mit einer gut eingestellten Behandlung ist ein weitgehend normaler Alltag möglich. Hilfreich sind regelmäßige Arzttermine, eine verlässliche Medikamenteneinnahme und ein persönlicher Notfallplan. Auf Reisen solltest du genügend Medikamente, einen zusätzlichen Vorrat und einen ärztlichen Nachweis mitnehmen. Informiere dich außerdem über die medizinische Versorgung am Reiseziel.
Eine ausgewogene Ernährung und ausreichendes Trinken unterstützen dein Wohlbefinden. Ob du mehr Salz benötigst, hängt von deiner Situation und der ärztlichen Einschätzung ab. Bei Hitze, starkem Schwitzen oder körperlicher Belastung solltest du besonders auf deinen Flüssigkeitshaushalt achten und die Empfehlungen deines Ärzteteams beachten.
Sport ist grundsätzlich möglich. Beginne neue oder intensive Belastungen jedoch erst nach Rücksprache mit deinem Arzt und achte auf Warnzeichen wie Schwindel, Übelkeit oder ungewöhnliche Erschöpfung. Auch die psychische Belastung durch eine chronische Erkrankung solltest du ernst nehmen. Gespräche mit Angehörigen, psychotherapeutische Unterstützung oder Selbsthilfegruppen können die Krankheitsbewältigung erleichtern.
Morbus Addison bei Schwangerschaft und Kindern
Eine Schwangerschaft ist mit Morbus Addison grundsätzlich möglich, erfordert aber eine enge Betreuung und regelmäßige Kontrollen. Die Hormonersatztherapie kann angepasst werden. Auch nach der Geburt muss die Behandlung weiter überwacht werden. Ob und wie du stillen kannst, besprichst du mit deinem behandelnden Ärzteteam.
Bei Kindern können anhaltende Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen oder Erbrechen auf eine Nebenniereninsuffizienz hinweisen. Die Diagnostik und Dosierung der Hormonersatztherapie müssen bei Kindern besonders sorgfältig erfolgen.
Wenn du typische Beschwerden bemerkst oder bereits an Morbus Addison erkrankt bist, besprich alle Fragen zur Diagnose, Medikamenteneinnahme und Notfallvorsorge mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Bei akuten schweren Beschwerden gilt: sofort 112 wählen.
Morbus Addison und Ernährung
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Eine ausgewogene Ernährung und ausreichendes Trinken können das Wohlbefinden unterstützen. Besondere Empfehlungen zur Salzaufnahme oder zu Nahrungsergänzungsmitteln solltest du jedoch nicht selbst festlegen, sondern individuell mit deinem Ärzteteam oder einer qualifizierten Ernährungsberatung besprechen.
Alternative Behandlungsmethoden
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Naturheilkundliche Verfahren, Homöopathie oder Akupunktur ersetzen die notwendige Hormonersatztherapie nicht. Pflanzliche Präparate können zudem Wechselwirkungen mit Medikamenten haben. Sprich deshalb vor jeder ergänzenden Behandlung mit deinem Arzt und setze verordnete Medikamente nicht eigenständig ab.
