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Thorakotomie: Zugang zum Brustraum bei schweren Erkrankungen

Thorakotomie: Arzt mit Tablet in heller Umgebung

Thorakotomie: Zugang zum Brustraum bei schweren Erkrankungen

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Eine Thorakotomie ist eine Operation, bei der der Brustkorb geöffnet wird, um direkten Zugang zum Brustraum zu erhalten. So können Chirurginnen und Chirurgen unter anderem an Lunge, Pleura, Mediastinum, Speiseröhre oder Zwerchfell arbeiten. Der Eingriff ist belastend und wird deshalb vor allem dann gewählt, wenn ein größerer oder besonders direkter Zugang erforderlich ist.

Welche Operationsmethode für dich geeignet ist, hängt von der Erkrankung, ihrer Lage, deinem allgemeinen Gesundheitszustand und möglichen Voroperationen ab. Die Entscheidung triffst du nach einer ausführlichen Aufklärung gemeinsam mit dem behandelnden Team.

Wann wird eine Thorakotomie eingesetzt?

Eine Thorakotomie kann bei verschiedenen Erkrankungen und Notfällen notwendig sein. Zu den möglichen Gründen gehören:

  • Entfernung von Lungenkrebs oder einzelnen Lungenmetastasen

  • Operationen an Tumoren im Mediastinum, dem Raum zwischen den Lungen

  • Behandlung eines komplizierten Pleuraempyems, also einer Eiteransammlung im Pleuraspalt

  • Versorgung schwerer Verletzungen mit Blutungen, Lungenrissen oder Verletzungen großer Gefäße

  • ausgewählte Eingriffe an Speiseröhre, Zwerchfell oder Brustwand

  • in bestimmten Fällen eine operative Lungenvolumenreduktion bei schwerem Emphysem

Bei einer Tumoroperation können zusätzlich Lymphknoten entnommen und untersucht werden. Ob eine vollständige Entfernung des Tumorgewebes möglich ist, lässt sich erst anhand aller Untersuchungen und manchmal auch während des Eingriffs beurteilen.

Arzt und Patient besprechen Befunde in heller Praxis.

Welche Zugänge gibt es?

Die Schnittführung richtet sich danach, wo im Brustraum operiert werden muss. Häufig wird eine posterolaterale Thorakotomie verwendet. Dabei erfolgt der Zugang seitlich-hinten am Brustkorb, meist in Seitenlage. Eine anterolaterale Thorakotomie verläuft weiter vorn und kann bei bestimmten Eingriffen an Lunge, Mediastinum oder Herz sinnvoll sein.

Bei der axillären Thorakotomie liegt der Schnitt im Bereich der Achselhöhle. Dieser Zugang ist allerdings nicht für jede Operation geeignet. Wenn möglich, wird muskelschonend operiert, um Gewebebelastung und Beschwerden zu begrenzen. Bei sehr weitreichenden oder beidseitigen Eingriffen kann eine Clamshell-Thorakotomie erforderlich sein. Je nach Erkrankung kommen auch eine Sternotomie oder ein anderer Zugang infrage.

Vorbereitung auf die Operation

Vor einer Thorakotomie wird geprüft, ob der Eingriff medizinisch sinnvoll und für dich möglichst sicher durchführbar ist. Je nach Befund gehören dazu:

  • Bildgebung wie Röntgen, CT oder in ausgewählten Fällen MRT

  • Lungenfunktionsprüfung, häufig mit Spirometrie

  • EKG und weitere Untersuchungen des Herz-Kreislauf-Systems

  • Blutbild, Organwerte und Gerinnungsuntersuchungen

  • gegebenenfalls Bronchoskopie oder Entnahme von Gewebeproben

  • bei Tumorerkrankungen eine Untersuchung zur Ausbreitung der Erkrankung

Im Aufklärungsgespräch erfährst du, warum die Operation empfohlen wird, welcher Zugang geplant ist, welche Alternativen bestehen und welche Risiken möglich sind. Teile dem Team alle Medikamente, Vorerkrankungen, Allergien und frühere Operationen mit. Blutverdünnende Medikamente dürfen nur nach ärztlicher Anweisung pausiert oder umgestellt werden.

Narkose und Ablauf der Thorakotomie

Die Thorakotomie erfolgt in Vollnarkose. Während der Operation kann eine Ein-Lungen-Ventilation eingesetzt werden: Eine Lunge wird vorübergehend weniger oder nicht belüftet, damit die andere Seite operiert werden kann. Dafür kommen je nach Situation spezielle Beatmungsschläuche oder Bronchusblocker zum Einsatz. Das Anästhesieteam überwacht unter anderem Atmung, Sauerstoffsättigung, Blutdruck und Herzfunktion.

Nach der Lagerung wird der Brustkorb über den geplanten Schnitt erreicht. Die Rippen werden vorsichtig gespreizt, damit die operierende Person ausreichend Sicht und Bewegungsfreiheit hat. Je nach Ziel des Eingriffs werden beispielsweise ein Teil der Lunge, ein Lungenlappen, Tumorgewebe, Pleura oder Lymphknoten entfernt beziehungsweise behandelt. Anschließend werden Blutungen kontrolliert, die Wunde verschlossen und meist eine oder mehrere Thoraxdrainagen eingelegt. Sie leiten Luft und Flüssigkeit ab und unterstützen die Wiederausdehnung der Lunge.

Thorakotomie oder minimalinvasiver Eingriff?

Bei geeigneten Erkrankungen kann eine videoassistierte Thorakoskopie (VATS) oder eine roboterassistierte Thorakoskopie (RATS) möglich sein. Dabei werden Kamera und Instrumente über kleinere Schnitte eingeführt. Das kann mit weniger Wundbelastung und einer leichteren Erholung verbunden sein, ist aber nicht für jede Erkrankung und jede anatomische Situation geeignet.

Sehr große oder ungünstig gelegene Tumoren, schwere Verletzungen, Verwachsungen nach früheren Operationen oder unübersichtliche Befunde können einen offenen Zugang erforderlich machen. Während einer minimalinvasiven Operation kann außerdem ein Wechsel zu einer Thorakotomie notwendig werden, wenn dies für deine Sicherheit oder den Behandlungserfolg sinnvoll ist.

Thorakotomie: Arzt und Patient besprechen Befunde in heller Praxis.

Risiken und mögliche Komplikationen

Wie bei jeder großen Operation bestehen Risiken. Dazu gehören Blutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen, Reaktionen auf die Narkose und vorübergehende oder länger anhaltende Atemprobleme. Außerdem können Luftleckagen, ein Pneumothorax, ein Pleuraerguss, Atelektasen oder eine Lungenentzündung auftreten.

Nach Eingriffen im Brustraum sind auch Herzrhythmusstörungen, Blutgerinnsel und selten Verletzungen von Nerven oder Lymphbahnen möglich. Eine Reizung von Interkostalnerven kann zu Taubheitsgefühlen oder länger anhaltenden Schmerzen führen. Das behandelnde Team überwacht dich, um Komplikationen früh zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Bei plötzlicher Atemnot, starken oder zunehmenden Brustschmerzen, Fieber, einer deutlich geröteten oder geschwollenen Wunde sowie Eiter oder ungewöhnlichem Sekret solltest du sofort das medizinische Team informieren.

Nach der Thorakotomie: Pflege und Rehabilitation

Nach der Operation wirst du zunächst engmaschig überwacht. Dabei kontrolliert das Team deine Atmung, Kreislaufwerte, Wunde und Thoraxdrainagen. Eine wirksame Schmerztherapie ist wichtig, damit du tief atmen, abhusten und dich bewegen kannst. Möglich sind beispielsweise Medikamente über Tabletten, Infusion oder Schmerzpumpe; in bestimmten Fällen kommen regionale Verfahren wie eine Epiduralanästhesie infrage.

Atemtherapie hilft, die Lunge wieder gut zu belüften und Sekret zu lösen. Unter Anleitung beginnst du möglichst früh mit dem Aufsetzen, Aufstehen und kurzen Wegen. Die Mobilisation unterstützt den Kreislauf und senkt das Risiko für Lungenprobleme und Thrombosen. Die Drainagen werden entfernt, wenn nach ärztlicher Beurteilung keine relevante Luft- oder Flüssigkeitsableitung mehr erforderlich ist und sich die Lunge ausreichend entfaltet hat.

Die Erholung verläuft individuell. Atemübungen, Physiotherapie, eine ausreichende Ernährung und das schrittweise Wiederaufnehmen alltäglicher Aktivitäten können dich unterstützen. Halte dich an die Vorgaben zur Wundpflege, Belastung und Nachsorge. Bei anhaltenden Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder psychischer Belastung solltest du dies offen ansprechen.

Was du vor dem Eingriff klären solltest

  • Warum ist die Thorakotomie in deinem Fall notwendig?

  • Welche alternativen Verfahren kommen infrage?

  • Welcher Zugang und welcher Umfang der Operation sind geplant?

  • Wie werden Schmerzen, Drainagen und die Nachsorge behandelt?

  • Welche Warnzeichen solltest du nach der Entlassung beachten?

Eine Thorakotomie ermöglicht bei komplexen Erkrankungen einen direkten Zugang zum Brustraum. Sie ist jedoch ein großer Eingriff mit möglichen Risiken und einer meist längeren Erholungsphase. Deine individuelle Situation, die Erfahrung des Behandlungsteams und eine gute Vorbereitung bestimmen, welches Verfahren für dich am sinnvollsten ist.

Die Informationen ersetzen kein ärztliches Aufklärungsgespräch. Lass dir die geplante Operation, Alternativen und persönlichen Risiken verständlich erklären und hole bei Unsicherheit gegebenenfalls eine zweite Meinung ein.

Weitere Informationen zur Thorakotomie und zu möglichen Komplikationen erhältst du im Gespräch mit deinem Behandlungsteam. Bei Beschwerden nach dem Eingriff solltest du dich direkt an die behandelnde Klinik wenden. Informationen zur Lungenembolie sind besonders relevant, wenn nach einer Operation plötzlich Atemnot oder Brustschmerzen auftreten.

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