Strabismus, auch Schielen genannt, bezeichnet eine Fehlstellung der Augen: Beide Augen sind nicht auf dasselbe Objekt ausgerichtet. Die Abweichung kann nach innen, außen, oben oder unten auftreten und dauerhaft oder nur zeitweise sichtbar sein. Da die Augen nicht immer dasselbe Bild an das Gehirn liefern, können Doppelbilder, eine eingeschränkte räumliche Wahrnehmung oder eine Sehschwäche entstehen.
Welche Symptome treten bei Strabismus auf?
Das auffälligste Zeichen ist, dass ein Auge nicht in dieselbe Richtung wie das andere blickt. Bei manchen Menschen ist die Abweichung ständig zu sehen, bei anderen vor allem bei Müdigkeit oder bei längeren Sehaufgaben. Mögliche Anzeichen sind:
-
abweichende Augenstellung nach innen, außen, oben oder unten
-
Doppelbilder oder verschwommenes Sehen
-
Kopfschmerzen und schnelle Ermüdung beim Lesen oder bei Bildschirmarbeit
-
häufiges Blinzeln oder Zusammenkneifen der Augen
-
eine auffällige Kopfschiefhaltung
-
Schwierigkeiten beim räumlichen Sehen und beim Einschätzen von Entfernungen
-
Probleme beim Lesen, bei der Orientierung oder bei Tätigkeiten wie Ballspielen
Bei Kindern kann das Gehirn das Bild des abweichenden Auges unterdrücken, damit keine Doppelbilder entstehen. Dadurch kann sich eine Amblyopie, also eine Sehschwäche, entwickeln. Auch Unsicherheit, Scham oder Rückzug sind möglich, wenn das Schielen das Selbstbild oder den Umgang mit anderen belastet. Wenn du solche Anzeichen bei dir oder deinem Kind bemerkst, solltest du sie augenärztlich abklären lassen.
Welche Formen von Strabismus gibt es?
Strabismus wird unter anderem nach der Richtung der Abweichung und danach unterschieden, ob er ständig oder nur bei Belastung auftritt:
-
Einwärtsschielen (Strabismus convergens oder Esotropie): Ein Auge weicht zur Nase hin ab.
-
Auswärtsschielen (Strabismus divergens oder Exotropie): Ein Auge weicht nach außen ab.
-
Höhenschielen: Ein Auge steht höher oder tiefer als das andere. Fachbegriffe sind Hypertropie und Hypotropie.
-
Manifestes Schielen: Die Fehlstellung ist dauerhaft oder regelmäßig sichtbar.
-
Latentes Schielen (Heterophorie): Das Gehirn kann die Abweichung meist ausgleichen; bei Müdigkeit oder Anstrengung können Beschwerden auftreten.
Zu den selteneren Formen gehören unter anderem Mikrostrabismus, Zyklotropie und Strabismus fixus. Welche Form vorliegt, lässt sich nur durch eine Untersuchung zuverlässig feststellen.
Ursachen von Strabismus
Schielen kann verschiedene Ursachen haben. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen. Eine familiäre Veranlagung erhöht das Risiko, führt aber nicht zwangsläufig zu Strabismus.
-
Fehlsichtigkeit: Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit oder Astigmatismus können die Zusammenarbeit der Augen beeinträchtigen, besonders wenn die Fehlsichtigkeit nicht korrigiert ist oder beide Augen unterschiedlich stark betroffen sind.
-
Entwicklungs- und Geburtsfaktoren: Frühgeburt, Sauerstoffmangel bei der Geburt und bestimmte Infektionen während der Schwangerschaft werden als mögliche Risikofaktoren genannt.
-
Augenerkrankungen: Dazu können beispielsweise Katarakt, Glaukom oder Erkrankungen im Bereich des Auges gehören.
-
Neurologische Ursachen: Erkrankungen des Gehirns oder der Nerven, die die Augenmuskeln steuern, können eine Fehlstellung auslösen.
-
Verletzungen und Entzündungen: Verletzungen des Auges oder der Augenhöhle sowie Entzündungen von Augenmuskeln oder Nerven kommen ebenfalls als Ursachen infrage.
Bei Erwachsenen kann ein Strabismus seit der Kindheit bestehen oder sich später entwickeln, etwa im Zusammenhang mit einer Verletzung, neurologischen Erkrankung oder Augenerkrankung. Deshalb ist es wichtig, die Ursache ärztlich abklären zu lassen.
Wie wird Strabismus diagnostiziert?
Der Augenarzt oder die Augenärztin untersucht zunächst die Augenstellung, die Sehschärfe und die Augenbeweglichkeit. Der Cover-Test ist ein wichtiges Verfahren: Ein Auge wird abgedeckt, während die Reaktion des anderen Auges beobachtet wird. Die Untersuchung wird anschließend mit dem anderen Auge wiederholt. Eine Ausgleichsbewegung kann auf eine Fehlstellung hinweisen.
Orthoptische Untersuchungen prüfen zusätzlich, wie gut beide Augen zusammenarbeiten, ob Doppelbilder bestehen und wie das räumliche Sehen ausgeprägt ist. Bei Kindern kommen kindgerechte Sehtests zum Einsatz, zum Beispiel mit Bildern oder Symbolen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt können helfen, Auffälligkeiten früh zu erkennen; bei einem Verdacht ist eine Untersuchung in einer Augenarztpraxis wichtig.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung richtet sich nach der Form und Ursache des Strabismus, dem Alter, der Sehfähigkeit beider Augen und den Beschwerden. Häufig werden mehrere Maßnahmen kombiniert.
Brille und Prismenbrille
Eine Brille kann Fehlsichtigkeiten korrigieren und dadurch die Augen entlasten. Bei manchen Kindern reicht die Korrektur bereits aus, um die Augenstellung zu verbessern. Eine Prismenbrille lenkt das Licht so, dass Doppelbilder reduziert oder vermieden werden können. Sie behandelt jedoch nicht in jedem Fall die Ursache des Schielens und muss genau angepasst werden.
Okklusionstherapie
Bei einer Sehschwäche kann zeitweise das besser sehende Auge abgeklebt werden. So wird das schwächere Auge stärker eingesetzt. Dauer und Durchführung legt die behandelnde Praxis fest. Besonders bei Kindern sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
Orthoptik und Augentraining
Orthoptistinnen und Orthoptisten untersuchen das Zusammenspiel der Augen und können passende Übungen anleiten. Das Training kann je nach Form des Strabismus die Zusammenarbeit beider Augen unterstützen. Es hilft jedoch nicht bei allen Formen und ist keine allgemeine Selbstbehandlung. Übungen solltest du deshalb nur nach fachlicher Anleitung durchführen.
Operation
Wenn Brille, Prismen, Okklusion oder Orthoptik nicht ausreichen, kann eine Schieloperation infrage kommen. Dabei wird die Position oder Länge bestimmter Augenmuskeln verändert, damit sich die Augenstellung verbessert. Wie bei jedem Eingriff bestehen mögliche Risiken, darunter Infektionen, Blutungen, eine Über- oder Unterkorrektur sowie Doppelbilder. In manchen Fällen kann später ein weiterer Eingriff erforderlich sein. Über Nutzen, Alternativen und Risiken solltest du dich ausführlich augenärztlich beraten lassen.
Strabismus bei Kindern und Erwachsenen
![]()
Bei Kindern ist eine frühe Diagnose besonders wichtig, weil sich das Sehsystem noch entwickelt. Unbehandeltes Schielen kann eine dauerhafte Sehschwäche, ein eingeschränktes räumliches Sehen und Schwierigkeiten beim Lesen oder beim Einschätzen von Entfernungen begünstigen. Als Elternteil kannst du die verordneten Maßnahmen unterstützen, auf die regelmäßige Nutzung der Brille achten und Kontrolltermine wahrnehmen.
Bei Erwachsenen können Doppelbilder, unscharfes Sehen oder eine eingeschränkte räumliche Wahrnehmung den Alltag, die Arbeit am Computer, den Sport oder das Autofahren erschweren. Auch die psychische Belastung durch das sichtbare Schielen sollte ernst genommen werden. Je nach Ursache kommen Brillen, Prismen, orthoptische Maßnahmen oder eine Operation infrage.
Nachsorge und Alltag
Auch nach einer erfolgreichen Behandlung sind Kontrollen wichtig. Dabei wird überprüft, ob sich die Augenstellung, die Sehschärfe und das beidäugige Sehen wie gewünscht entwickeln. Brillen müssen gegebenenfalls angepasst werden; nach einer Operation dienen Untersuchungen der Kontrolle von Heilung und Augenstellung.
![]()
Strabismus ist behandelbar, aber die passende Therapie hängt immer vom Einzelfall ab. Wenn du oder dein Kind eine abweichende Augenstellung, Doppelbilder oder andere Sehbeschwerden bemerkt, vereinbare einen Termin bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt.
