Die aktuelle Auswertung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) legt offen: Fast 90 % der Versicherten suchten 2024 mindestens einmal eine Arztpraxis auf – ein deutlicher Anstieg an Kontakten und spezifische gesundheitliche Herausforderungen zeichnen sich ab. Besonders häufig wurden Rückenschmerzen sowie psychische Störungen als Gründe für Fehlzeiten festgestellt.
Zentrale Ergebnisse auf einen Blick
- Im Schnitt geht jede:r Versicherte neunmal pro Jahr zum Arzt
- Knapp 37 % der Versicherten gelten als "Vielgeher" (mind. 11 Arztbesuche/Jahr)
- Männer zwischen 20 und 49 Jahren meiden häufiger Arztpraxen
- Rückenschmerzen sind Hauptursache für Krankmeldungen
- Psychische Belastungen steigen weiter an
Mehr Arztbesuche, allerdings nicht für alle
Die Analyse der KKH zeigt, dass fast 90 % der knapp 1,5 Mio. Versicherten 2024 mindestens einen Arztbesuch hatten. Während der Durchschnitt bei neun Praxisbesuchen pro Jahr liegt, bleibt etwa jeder Zehnte – vor allem junge Männer – dem Arzt ganz fern. Männer im Alter von 20 bis 49 Jahren erscheinen besonders selten in Praxen, mehr als jeder fünfte aus dieser Gruppe suchte 2024 gar keine ärztliche Hilfe auf.
Frauen in jüngeren Altersgruppen besuchten den Arzt dagegen öfter (etwa 8–9 Mal jährlich), während Männer im selben Alter auf durchschnittlich fünf Termine kamen. Mit dem Alter steigt generell die Arztkontaktzahl – bei Senior:innen auf bis zu 14 im Jahr.
Wachsender Anteil häufiger Arztbesucher
Der Anteil der sogenannten "Vielgeher" (mindestens 11 Arztkontakte jährlich) liegt inzwischen bei 37 % aller Versicherten – deutlich mehr als noch vor zehn Jahren, als es unter 29 % waren. Gleichzeitig ist die Zahl derer, die besonders wenige Kontakte haben, gesunken.
Eine Tabelle zur Verteilung:
| Arztbesuche/Jahr | Anteil 2014 | Anteil 2024 |
|---|---|---|
| 11+ (Vielgeher) | 28,7 % | 37 % |
| 5–8 | 56 % | 48,5 % |
| 0 | k.A. | ~10 % |
Rückenschmerzen und psychische Probleme sorgen für Ausfälle
Im Hinblick auf Arbeitsausfälle fallen insbesondere Rückenschmerzen ins Gewicht: 2024 verursachten sie rund 142 Fehltage pro 100 Versicherten und etwa jeder achte erwerbstätige KKH-Versicherte erhielt diese Diagnose. Im Fünfjahresvergleich bedeutet das einen Zuwachs um fast 20 %.
Psychische Probleme nehmen ebenfalls zu: Anpassungsstörungen und akute Belastungsreaktionen sorgten für etwa 112 Fehltage pro 100 Berufstätige – knapp 50 % mehr als vor fünf Jahren. Depressive Episoden verursachten 104 Fehltage und stiegen um rund 17 %.
Wichtige Ursachen für Rückenschmerzen sind laut KKH unter anderem Bewegungsmangel, ungünstige Arbeitsplatzbedingungen und Stress – viele Beschwerden entstehen ohne klare organische Ursache.
Junge setzen auf Eigenrecherche statt Arztbesuch
Eine Besonderheit zeigt sich bei jüngeren Menschen (16–34 Jahre): Nahezu 40 % geben an, bei Gesundheitsfragen primär das Internet zu nutzen, um sich den Arztbesuch zu ersparen. Rund ein Drittel dieser Gruppe konnte durch eigene Recherche sogar auf einen Arzttermin verzichten.
Bedarf an besserer Steuerung im Gesundheitssystem
Angesichts der Ergebnisse mahnt die KKH eine verstärkte Koordination im Gesundheitswesen an. Insbesondere ein Primärversorgungssystem mit Hausärzt:innen als zentraler Anlaufstelle könnte helfen, Überversorgung und Doppeldiagnosen zu vermeiden. Gerade mit Blick auf den Anstieg häufiger Arztbesuche und komplexer Krankheitsbilder sieht die KKH Handlungsbedarf für eine zielgerichtetere Versorgung.
Quellen
- Neun von zehn KKH-Versicherten gehen jährlich zum Arzt – News – Deutsches Ärzteblatt, Deutsches Ärzteblatt.
- KKH-Analyse: Wie häufig gehen Deutsche zum Arzt?, Gelbe Liste.
- Deutsche gehen im Schnitt neunmal pro Jahr zum Arzt, AerzteZeitung.de.
- Häufigere und längere Fehlzeiten wegen Rückenschmerzen, Pharmazeutische Zeitung.
- Gesundheitsreport der KKH: Rückenschmerzen waren 2025 Hauptursache für Fehlzeiten im Job, Ntv.
