In Deutschland wird zunehmend über die Einführung von Anwesenheitsprämien für Mitarbeiter mit geringen Fehlzeiten diskutiert. Unternehmen wie Tesla und die Hamburger Hochbahn experimentieren mit solchen Modellen, um den Krankenstand zu senken. Diese Prämien, die bis zu 1000 Euro pro Jahr betragen können, stoßen jedoch auf Kritik von Gewerkschaften, Betriebsräten und Teilen der Politik, die vor falschen Anreizen und einer möglichen Verschleierung von Krankheiten warnen.
Anwesenheitsprämien: Ein Überblick
- Ziel: Reduzierung krankheitsbedingter Fehltage und Senkung der Kosten für Lohnfortzahlung, die 2023 auf einen Rekordwert von 76,7 Milliarden Euro gestiegen sind.
- Modelle: Unternehmen zahlen Boni für Mitarbeiter, die wenig oder gar nicht krank sind. Die Höhe und die Kriterien variieren stark.
- Beispiele: Tesla bietet bis zu 1000 Euro für Mitarbeiter mit einem "Gold-Status" (maximal 5% Fehlzeit). Die Hamburger Hochbahn zahlt 615,62 Euro pro Halbjahr, wobei Abzüge erst ab dem dritten Krankheitstag erfolgen.
- Rechtliche Grundlage: Es gibt keine spezifischen gesetzlichen Vorschriften. Prämien können individuell oder per Betriebsvereinbarung geregelt werden und müssen zusätzlich zum Lohn gezahlt werden.
Kritik und Bedenken
Kritiker, darunter Gewerkschaften und Krankenkassenvertreter, äußern erhebliche Bedenken. Sie befürchten, dass Mitarbeiter sich trotz Krankheit zur Arbeit schleppen könnten, um die Prämie nicht zu verlieren. Dies könne nicht nur die Genesung verzögern, sondern auch zur Ansteckung von Kollegen führen. Statt auf "Durchhalten" zu setzen, sollte der Fokus auf der Gesundheit und Genesung der Mitarbeiter liegen.
Alternative Vorschläge
Als Alternative zur Wiedereinführung des umstrittenen Karenztages schlägt die FDP ein Anreizmodell vor: Steuer- und abgabenfreie Boni für jeden Monat ohne Krankmeldung. Diese positiven Anreize sollen Arbeitnehmer motivieren, ohne den Druck, sich krank zur Arbeit zu schleppen. Die genaue Ausgestaltung und die Höhe solcher Boni sind jedoch noch Gegenstand der Debatte.
